Respekt

Respekt will erst einmal verdient sein.

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Respekt, Mut

Respekt

"respectus" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Zurücksehen, Rückblick, Rücksicht, Berücksichtigung, Zuflucht (Klett: Taschen-Heinichen Lat.-Deut.). Seit dem 16. Jahrhundert bedeutet Respekt Ehr-Erbietung, Achtung; Ehrfurcht, Scheu (Duden Bd. 7 Herkunftswörterbuch).

Die Facetten der Bedeutung des Wortes Respekts sind vieldeutig.

Ist ein Mensch respektabel, wenn er über Ansehen, Macht, Einfluss und vielleicht auch Geld verfügt und auf der anderen Seite seine physische, psychische oder soziale Gesundheit (oder die der Anderen) zu Grunde richtet?
Wer bestimmt, ob Respekt positiv oder negativ zu betrachten ist?
Respektieren Menschen nicht die Lawinengefahr in den Bergen?
Respektieren Menschen nicht auch einen Hulligan?

Im ersten Fall ist Respekt mit einer Sache, im zweiten Fall ist er mit einem Subjekt verbunden. In beiden Fällen ist Respekt mit Angst oder Scheu etikettiert. In der Folge wollen wir uns dem Respekt zuwenden, den wir Menschen entgegenbringen.

Menschen zollen wir aber auch Respekt, weil diese Weisheit austrahlen, fachlichen Kompetenz bestizen, mitfühlend sind, Durchsetzungskraft oder charakterlicher Stärke haben (Aufzählung ist beispielhaft). Die dunkle Seite mag nicht verschwiegen werden. Primärtugenden vermögen Menschen davor zu bewahren.
Ehrfurcht ist ebenfalls mit Furcht, Angst verknüpft. Doch auch das sei einem eigenen Blog vorbehalten und wird dort behandelt. Es ist ein Gefühlszustand der für kribbeln unter der Haut, dem Schauer der Ergriffenheit, der über den Rücken läuft oder demütiges Innehalten und Ergriffensein umschreibt.

Der Respekt gegenüber Institutionen rechne ich auch der menschlichen Seite zu, da diese von menschlichen Verbindungen gebildet werden.

Respekt und Moral

Respekt bezeichnet in unserer Sprache eine sehr individuelle Gesamtheit von Eigenschaften eines Menschen, insoweit sie eine gewisse Einheitlichkeit und Stetigkeit seines Verhaltens zeigen und in seiner Haltungen, seinem Werten und seinen dominanten und dauerhaften Wertvorstellungen sich spiegeln. Alle respektbildenden Elemente sind eine sittliche oder moralische Wertung. Die Moral ist menschengemacht. Wer entscheidet darüber, wann der ausgeübte Respekt richtig oder falsch ist?

Wie bei Kippbildern, kann die Bedeutung durch den Betrachter von einer Bedeutung zu einer anderen gekippt werden: mit positiver oder negativer Bedeutung.
So scheint Respekt je nach der Wesenheit des einzelnen Menschen wie der Charakter unterschiedlich zu sein. Mag auch die Gruppe, mitbestimmend sein, ob der einzelne Mensch als Respektperson betrachtet wird. Sicher wird der in einer Firma cholerisch auftretende Gruppenleiter von manchem Mitarbeiter oder mancher Mitarbeiterin wegen seiner hierarchischen Stellung respektiert werden; Dieser Respekt ist wohl mehrheitlich von Angst bestimmt. Mir obliegt hier nicht darüber zu urteilen. Ein Seminar, das versucht über Resepkt zu lehren und lediglich lehrt, welche Techniken Respekt ermöglichen ohne bei dem Thema auch über die ethische Seite zu handeln, lehnt Wolfgang Schneider ab. Diese zeugen meist nur von einem menschenverachtenden Weltbild.

Respekt ein kommunikatives Ereignis

Kaum ein Mensch spricht von sich als Respektperson. Respekt wird zugesprochen. Diese Etokettierung betrifft nicht zwingend einen realen Menschen, sondern es ist das Bild, das sich Andere aufgrund bestimmter Verhaltens-, Ausdrucks- und /oder Wert-Merkmale von ihm machen. So kommen wir zur anfänglichen Übersetzung aus dem Lateinischen zurück. Respekt hat eine Enstehungsgeschichte und bildet sich aus einer Verhaltens- oder Handlungsweise der Vergangenheit. Es ist etwas, das den konkreten Menschen prägt. Respekt ist mit einer Persönlichkeit verknüpft.

Dabei gilt es zwischen Respekteigenschaften und Verhaltensweisen zu unterscheiden. Respekt wird einer Person als Subjekt zugeschrieben, während Verhaltensweisen als Merkmal die Interaktion haben (Näheres bei Eckart Klobe).
So kann ein Mensch Respekt nur durch aktive Interaktion entfalten, auch wenn gleichzeitig der Person als Person Respekt zugeschrieben werden kann. Diese Zuschreibung ist aber in einem interaktionistischen Weltbild von untergeordneter Bedeutung.

Kommunikationsmethoden, die ledigllich als Schmiermittel zwischen zwei Kommunikationspartnern verstanden werden, reichen nicht, Respekt aufzubauen. Zum Beispiel wird ein Verkäufer oder Verhandlungspartner kaum von einer Person als Partner auf Augenhöhe wahrgenommen werden, wenn er lediglich Methoden der Kommunikation abspult. Respekt ist mit Persönlichkeit verbunden.
Deshalb reichen Kommunikationsausbildungen, die lediglich auf die funktionale Anwendung von Techniken sich ausrichten, nicht aus. Erst wenn der Mensch auch als Persönlichkeit wirkt, besteht die Möglichkeit, zu einer Respektsperson zu reifen. Diese Bildung ist nicht alleinig auf der bewussten Ebene zu erreichen.
Für personale Wesensbildung bedarf es des ganzen Menschen.

Respektlosigkeit

Was ist typisch für Menschen, die ihr Leben respektlos gegenüber anderen Menschen leben?

Diese Menschen werden gelebt, sie leben ein Leben aus zweiter Hand, weil sie nicht (mehr) in der Lage sind, selbstverantwortlich ihr Leben zu gestalten. Diese so gehandikapten Menschen brauchen und suchen eine Form der Öffentlichkeit, von der her sie sich selbst definieren. Sie benötigen Anerkennung und oftmals auch repressive Macht, um sich diese Anerkennung zu verschaffen.

Gründe für Respektlosigkeit können zum Beispiel sein:

- Fehlen oder Nichtbeachtung der eigenen inneren Moral
- Fehlen oder Nichtbeachtung der äußeren Moral
- Fehlen eines ethischen Grundgerüstes

Resepktlose Menschen erscheinen oft als

Systemagenten,
Egoisten,
Feiglinge,
Unehrliche,
Kriecher,
Ausbeuter,
Desorientierte,
Gelähmte,
Desintegrierte,
Aggressoren,
Gutmenschen,
"Asoziale",
Fanatiker,
Dogmatiker,
zirkulär Streitende,
Gaffer,
Dumme,
Unangepasste,
Einzelgänger ("Sie mögen mich hassen, wenn sie mich nur fürchten").

Sehen Sie sich einmal in Ihrer Umgebung und dem öffentlichen Leben um. Sie werden noch andere "charakterlose" Züge entdecken.

Respektvoll

Was zeichnet Menschen mit Respekt aus?

Bei einer Respektsperson zeigen sich primäre Tugenden gepaart mit integrität und Ethik.

Primäre Tugenden sind seit der Antike (Aristoteles):

- Zivilcourage
- Konfliktfähigkeit
- konstruktiver Ungehorsam

Damit ist der Rahmen bei Respekt und dessen Verhaltensweisen weiter gesteckt, als nur auf eine gute Erziehung zu pochen oder kanibalisierende und fäkalisierende Sprechweisen oder Gesten zu vermeiden. Respekt im positiven Sinn setzt einen Menschen voraus, der bemüht ist, nie das menschliche Miteinander und die Verwobenheit von Ich und dem Du aus den Augen zu verlieren.

Menschen mit einer positiven Respekts-"Aura" zeigen eher folgende Eigenschaften:

Weisheit,
Mut,
Gerechtigkeit,
Besonnenheit,
Toleranz,
Alterozentriertheit,
Vertrauen,
Stimmigkeit, Authetizität,
Diskretion,
Großmut,
Umsicht,
Empathie

Respekt und Gewalt

Zumindest scheinen (wie schon oben angesprochen) viele Menschen andere Menschen zu respektieren, wenn sie sich diesen unterlegen fühlen.
Gewalt auch in Form einer drohender Haltung scheint kaum der Weg zu sein, Respekt zu gewinnen.

Respekt hat nichts mit Streichelgehege zu tun. Im Geschäftsalltag geht es um handfeste Dinge wie Wettbewerb, Debatten führen können, zu gewinnen, Macht auszuüben und sich durchzusetzen: nach innen wie auch nach außen. Das geschieht grundsätzlich durch mehr Leistung und klare Vorstellungen, Entscheidungsfreude und aktives Tun. Das sind einige klar zu unterscheidende Eigenschaften eines Menschen, die aus der normalen Masse herausstechen und die Respektperson von anderen abgrenzen. Man schätzt den wahrnehmbaren Unterschied und die Kontur. Und zollt diesen Menschen Respekt.

Eine andere Form des Respekts ist die, bei dem der Mensch beim Anderen etwas Neues oder Bewundernswertes entdecken muss. Dieser Mensch vergleicht, fragt, was den Anderen antreibt, warum er das genau so macht. Diese Art von Respekt ist nicht von einer Hierarchie oder einem gesellschaftlichen Status abhängig. Diese Form zeichnet aus: selbst zu denken, Meinungen zu relativieren und den Mut, Unveränderbares annehmen zu können und in Spannungsfeldern navigieren zu können.

Menschen sind gleichwertig - aber eben nicht gleich (Niels van Quaquebeke). Hier ist Sensitivität und Empathievermögen eine Eigenschaft, die von uns Respekt abverlangt. Ganz im Sinn einer "ghandiartigen" Verhaltensweise.

Diese Weise des Respekts lässt sich lernen, indem man sich auf das interaktionelle Spiel mit Menschen im Privatem wie im Geschäftlichen einlässt. Es bedeutet spielen zu können. Es gilt Spielregeln aufzustellen und durchzusetzen. Und - Spiele haben immer einen offenen Ausgang - so diese nicht als Nullsummenspiele gespielt werden.

Es bedeutet sich auch als aktiven Teil der Welt einzubringen und die Speilfelder nicht durch ein Guckloch zu betrachten.

Anleitung zur Respektperson

Es scheint notwendig, dass viele Menschen in Unternehmen sich von alten Einsichten lösen. Zunehmend können es sich Unternehmen weniger leisten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitzuschleppen, die entweder innerlich schon gekündigt haben oder Dienst nach Vorschrift machen, Führungskräfte zu halten, die Wertschätzen und Respektieren des Menschen nicht gelernt haben oder nicht lernen wollen. Kunden oder der Gesprächspartner gibt sich immer weniger mit oberflächlichen Plattitüden und Floskeln zufrieden.

Sicher ist dieser Lernprozess keine Fast Food. Viele Bereiche ersehen Sie aus den aufgezählten Facetten, die Menschen mit Respekt auszeichnen können. Respekt ensteht durch Interaktion mit sich selbst (Innerer Dialog) und dem Gegenüber (Einzelperson oder Gruppe). Respekt entsteht, wenn Sie aus der Mitte leben. Respekt mag laufend neu verdient werden. Integratives Selbstmanagement kann hier Wege aufzeigen. Respekt ist aber lernbar. Respekt ist auch eine Haltung, die sich über das Innen nach außen artikuliert.

Wie kann der Mensch nun konkret Respekt entwickeln?

So sich der Mensch nur bereit machen kann, dass ihm Respekt zufällt, weil Respekt von Anderen zugeschrieben wird, gilt auch hier bei sich selbst zu beginnen. Alles, was den Menschen auf sich selbst zurückwirft und ihm selbst Bewusstsein und Selbstwert schenkt, bringt den Menschen auf diesem Weg weiter.

Übungsbereiche können sein:

- Integratives Selbstmanagement
- Diskursives Denken lernen (Seminar zur Dialektik)
- Interaktives Kommunizieren
- Die eigene Mitte entdecken
- Konfliktkompetenz
- Positive Lebenseinstellung
- Ausgleich von Aktion und Reaktion
- Sehen und Hören lernen
- Fähigkeit, das Wichtigere vom Unwichtigen zu unterscheiden
- Schulung des verbalen Ausdrucks
- Konzentrationsfähifgkeit
- Integration von Emotionalität
- soziale Aktivität

Die neue Form des Respekts wird Menschen gezollt, die eher nach vorne sehen und weniger zurück. Menschen, die eher mutig weiter gehen und offen in die Zukunft sehen und Menschen dieverstehen, den das Licht nicht am Ende des Tunnels sehen, sondern aktiv den Lichtschalter im Jetzt zu finden und auch anzuknipsen.

All die Lauten dieser Welt verwechseln Respekt mit Gesinnung. Und die Gesinnungsverhafteten, sind die Gestrigen und werden zunehmend in einer immer dynamischeren, komplexeren und bewegteren Welt sich verlieren.
Um es mit Eric Hoffer zu sagen: Menschen, die sich nur an Institutionen orientieren, an Besitzständen festhalten und institutionellem Denken verhaftet sind, leben in einer Welt, die es schon heute überwiegend nicht mehr gibt.

Es bleibt spannend und ereignisreich und Sie werden reich, so Sie sich dem Neuen stellen, mit dem Kommenden in Diskurs gehen, korrigieren und selbst inspirativ Ideen entwickeln. Das sind die Menschen, denen Menschen Respekt zusprechen.

Neco Celik meinte in einem Interview mit Brand Eins: "Ohne Leistung gibt es keinen Respekt, sondern Ärger. Verantwortung - das ist der Schlüssel!" Übernehmen Sie Verantwortung und entscheiden Sie.

Ich freue mich von Ihnen zu hören:
Wolfgang Schneider: schneider@bs-akademie.de