Mitgefühl im Business

Wollen wir, dass wir uns besser verstehen, dann müssen wir die altruistische Kraft freisetzen.

wolfgang-schneider
Führungsforum in der Toscana

Metalog

Angeregt von neuen Veröffentlichungen von Tania Singer zum Thema Mitgefühl in der Wirtschaft, bestätigen sich meine Erfahrungen in Unternehmen zu den Themen Kommunikation, Vertrieb und Selbstmanagement, dass ein kognitiver Verhaltensstrainingsansatz allein nicht die Wirksamkeit, wie Training erreicht, das Mitgefühl und Resilienz mit einbezieht. Mitgefühl ist für alturistisches Verhalten unabdingbar. In seinem Buch Changemanagement führt soziale KOmpetenz als eine Grundkompetenz für Führungskräfte an. Kommunikation bzw. aktive Interaktion (Watzlawick) ist ohne Einbeziehung des Anderen kaum anschlussfähig. Kommunikations- und Rhetorikausbildungen, die alleinig Techniken des Zu-Redens trainieren und nur kongnitv ausgerichtet sind, erfüllen die Anforderungen der Praxis nicht.

WS ist mit Karst, Segler und Gruber überzeugt, dass eine Commitmentkultur ohne Mitgefühltraining ebenso wenig wirksam und nachhaltig ist. Mitgefühltraining wirkt als wechselseitige Belebung, was aus Unternehmenssicht Energien freisetzt, weil weniger rivalisierende Strebungen bremsend wirken. Soziale und emotionale Fähigkeiten werden aufgebaut und eingeübt.

Die sozialen und emotionalen Kompetenzen bei Führungskräften wirken als Multiplikatoren und Träger in der Unternehmung, die ein Arbeitsklima schaffen können, das Commitment ermöglicht.
Führen bedeutet immer auch Fremdsteuerung. Und Fremdsteuerung ist für Menschen ein erheblicher Demotivator. Nur wer neben altruistischem Verhalten auch alterozentriert sich zu verhalten weiß, wird die ihm zugeordneten Menschen auch erreichen. Reine Zielabsprachen reichen für eine Wirksamkeit zum Beispiel einer Vertriebsabteilung, einer Marketingagentur oder technischen Serviceeinheit nicht aus.

Haben Sie oder Ihre Personalabteilungen diese Thematik bei Fortbildungsmaßnahmen einbezogen?

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst

„Wer wahres Mitgefühl anderen gegenüber entwickeln möchte, muss sich selbst erst eine Basis schaffen, auf der er Mitgefühl kultivieren kann - und diese Basis ist die Fähigkeit, sich mit seinen eigenen Gefühlen verbinden und für sein eigenes Wohlergehen sorgen zu können… Um sich um andere kümmern zu können, ist es notwendig, für sich selbst zu sorgen.“

Tensid Gyatso, der 14. Dalai Lama

Weshalb dies Thema berührt?

Mitgefühl spielt innerhalb der Kommunikation eine wesentliche Rolle (Menschliche Kommunikation, Watzlawick). Das Thema "Mitgefühl" erschließt sich dem Menschen nur, wenn er entspannt ist. Das zeichnet sich durch Ruhe und Zufriedenheit aus. Diese Menschen wirken überlegt, stimmig, balanciert und sie leisten mehr.

Das Training des Mitgefühls ist eine Kultivierung dessen, was schon da ist. Es geht, wie Corssen und David Bohm schreiben, um ständiges entfalten, einfalten und neu verbinden.
Mitgefühl geht von einer Annahme aus, dass alle Menschen die Ressourcen (Milton Erickson) in sich haben, um sich den uns angeborenen Veranlagungen und Ressourcen wie Liebe, Anteilnahme und Achtsamkeit öffnen zu können. Menschen, die diese Spielregel nicht auf ihrem Bildschirm haben, wird sich Mitgefühl kaum erschließen.

Mit formalen Techniken von Beziehungsaufbau über triviales Spiegeln, banale Vorbildrollenspiel oder Nachmachen, werden diese Menschen kaum Beziehung aufbauen. Bezieheung degeneriert zu einem Reiz-Reaktions-Mechanismus. Das Oszillierende, die der Beziehung innewohnende Innergie, flammt nicht auf. Man erbringt, wenn überhaupt, die vorgeschriebene Leistung, aber auch nicht mehr.

Wie würden Sie sich fühlen, wenn Menschen dieses Manipulationsspiel mit Ihnen treiben?
Deshalb halte ich Gruppen-Trainings, die nicht die Bereiche Mitgefühl, Alterozentriertheit und Altruismus theamtisieren und trainieren, kaum für resonanzfähig und nachhaltig wirkungsvoll. Die Wirkung gleicht einem Echo, das nach und nach verhallt. Denken Sie an die Wirkung mancher besuchter Seminare: wie lange hielt die Wirkung an?

Mitgefühl-Training kann ermöglichen:

- eine aktiv interagierende Beziehung aufzubauen, zu pflegen und zu halten,
- aktiv zuzuhören und dem Anderen hingewendet zu sein,
- mit-einander zu sprechen, statt zu zu-reden,
- Menschen zu führen und anzuleiten, um eine befruchtende Beziehung - aufzubauen, die in vielen Bereichen
druckfreies Arbeiten eröfnnet.
- Druck eher auszuhalten als von ihm erdrückt zu werden
- Sehen und Hören lernen,
- wachsende Konzentrationsfähigkeit,
- innere Ausgeglichenheit
- sichere Beherrschung von negativen Emotionen (Niedergeschlagenheit, Neid, Ärger, Haß, - Unterlegenheitsgefühlen, Unluststimmungen..)
- soziale Aktivität (ohne Aktivismus)
- zunehmendes Einfühlungsvermögen in Personen und Situationen.

Als Fernziele:

- Selbsterkenntnis, Selbstfindung, Selbstverwirklichung
- Integration von Individualität und Sozialität

Definition Empathie und Mitgefühl

Mitgefühl und Empathie sind unterschiedlich und unabhängig voneinander, wie uns die Untersuchungen von T.Singer und Mathieu Ricard verdeutlichen. Siehe auch Wikipedia, wo neuere Betrachtungen der unten genannten Definition folgen.

Mitgefühl bedeutet: Ich kümmere mich um den anderen, ich sorge für ihn (dissoziiert). Mitgefühl kann einmal als Emotion und Motivation (i.e.S.) und andererseits als Einstellung zum Leben (Seinsweise = i.w.S.) begriffen werden (Tania Singer, Boris Bornemann).

Mitgefühl basiert weniger auf eigenen Erfahrungen. Vielmehr sehen wir eine Person in Not und haben das Bedürfnis, zu helfen. So hegen wir etwa Mitgefühl für misshandelte Tiere – auch ohne ihren Schmerz real nachempfinden zu können.

Empathie heißt: Ich fühle das, was ein anderer Mensch fühlt (assoziiert); Im Griechischen: leiden und fühlen.

Über Mitleid emanzipieren

Bei Mitleid empfinden Menschen den Schmerz des anderen buchstäblich im eigenen Nervensystem nach. Das bedeutet, dass diese Menschen ihre Neutralität aufgeben. Sie verlieren ihre Kompetenz als "Coach", da sie sich von den Emotionen haben anstecken lassen.
Man wird manchmal automatisch von allen möglichen Gefühlen wie Schrecken, Angst, Wut oder Besorgnis überschwemmt, wenn dramatische Geschehnisse von Menschen berichtet werden. Wenn man sich aber über seine Gefühle zu emanzipieren versteht, kann man "innerlich einen Schritt zurücktreten" und aus dieser Position entscheiden, welche Verhaltensweisen in dieser Situation hilfreich erscheinen.

Mitleid ist wie ein Bauchgefühl, das einen förmlich wegschwemmt. Das andere Extrem wäre die kalte, nüchterne Rationalität, die sich von Gefühlen überhaupt nicht beeindrucken lässt. Mitgefühl (Compassion) dagegen liegt irgendwo dazwischen. Es spricht das Herz an, hört aber ebenso auf die Gründe der Vernunft. Das ist genau das, was wir heute kultivieren müssen, um resilient zu werden. Es bedeutet zu lernen, nicht in Polaritäten zu denken, sondern im Spannungsfeld zwischen den dialektischen Polen zu oszillieren..

Die Realität

Wie bei Danton in Büchners Bühnenstück „Dantons Tod“ ergeben sich viele Menschen in ihr Leid und leben in der Überzeugung, dass etwas falsch läuft, weil es Ihnen „halt“ nicht mitgegeben wurde: Diese Menschen geben ihre Selbstbestimmung und Selbstveranbtwortung ab. Sie ergeben sich einem Fatalismus und schleppen Angst, Panik, Depression, Wahnvorstellungen, Wut und Zorn, Selbstvorwürfe, Selbsthass oder persönliche Fehler mit sich herum.

Mitgefühl üben

Sich in Selbst-Mitgefühl zu üben, bedeutet Einsicht über sich zu gewinnen und sich über die eigenen Selbstvorwürfe zu emanzipieren. Der Mensch ist nicht mehr dem Lauf seiner Geschichte und seiner Umwelt machtlos unterworfen. Der Mensch lernt, die Schatten-Potenziale zu erkennen, anzunehmen und über tiefes Mitgefühl zu einem freudvolleren Erleben seiner eigenen Wirklichkeit zu gelangen (s.o. Milton Erickson: Der Mensch ist unermeßlich reich an eigenen Ressourcen: nutze diese!).

Die Tür öffnen

Die Tür zu seinem Ressourcenspeicher zu öffnen, kann fast einem „Erleuchtungserlebnis“ ähnlich sein. Sie erkennen ihre Innergie und fühlen, dass Sie sich kontrollieren können. Sie lernen in den evolutionären Fluss des Lebens zu steigen und beginnen zu schwimmen, indem Sie dahin lenken, wo Sie hin wollen.

Mitgefühl und Motive

Eng verknüpft mit unserem Mitgefühl sind neben unseren Emotionen die Motive. Soziale Kompetenz unterstützt die Aufmerksamkeit, das Denkvermögen, die Gefühlswelt und unser Verhalten im sozialen Kontext. Daraus vermag die soziale Mentalität (Paul Gilbert, Der Fluss des Lebens) sich zu einer prosozialen Motivation zu formen: man interessiert sich für die Anderen (Altruismus). Man weiß sich zurückzunehmen (alterozentriert) und nimmt vermehrt die Signale aus der Außenwelt auf. Das Bewusstsein erweitert sich (siehe auch bei Vaitl, Veränderte Bewusstseinszustände).

Ziele und Mitgefühl

Ziele, die vornehmlich auf das Selbstbild ausgerichtet sind, dienen meist der Selbstverteidigung und der Kontrolle (Dirk Baecker, Form und Formen der Kommunikation). Ziele aber, die auf ein mitfühlendes Selbst gerichtet sind, die auf Nähe, Gefühle der Klarheit und Verbundenheit aus sind, bewirken Zuversicht und soziale Verbundenheit. In Untersuchungen erkannte man, dass diese Gruppe weniger anfällig für psychische Probleme (z.B: starker Leistungsdruck) ist (a.a.O.).

Helfen und Unterstützen sind natürliche Verhaltensweisen, die in der Kommunikation oder in interagierenden Prozessen wurzeln. So wird Mitgefühl zu einem Baustein der sozialen Mentalität, die Verständnis der inneren Welt und Bedürfnisse anderer eröffnet. Ein Führungstraining, das nicht immer wieder das Thema Mitgefühl aufgreift, scheint nicht zielgerichtet, da die altruistische Komponente nicht reflektiert wird. Das ist aber die Basis für Führung und Verstehen von Geführten.

Wie wollen Sie ohne Mitgefühl, resilienter werden?

Weshalb Mitgefühl noch wichtig erscheint

Empathie hat auch ihre Schattenseiten. Der empathische Reflex verführt leicht dazu, auf falsche Weise zu reagieren. Bei Untersuchungen deuten die ersten Ergebnisse darauf hin, dass Empathie rachsüchtiger zu machen scheint. Wenn Menschen von Straftaten wie sexuellen Übergriffen hören, versetzen sich einige von ihnen besonders stark in das Opfer hinein. Diese so empathischen Personen wollen eher, dass der Schuldige zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt wird – und dass er leidet. Solche Rachegefühle, die aus Empathie für die Opfer entstehen, können zu Vergeltungsschlägen verleiten, die niemandem helfen.

Menschen sollten aufpassen, sich nicht von empathischen Reflexen gefangen nehmen zu lassen. Wenn Politiker einen Krieg beginnen, appellieren sie häufig an unsere Empathie. Sie erzählen uns vom Leid der Einwohner des Landes, in das sie einmarschieren wollen. Wir sehen die Bilder einzelner Opfer. Und wir tendieren dazu, die wichtigen Fragen zu ignorieren: Wie viele Menschen werden sterben müssen, wenn wir tatsächlich gewaltsam in die Geschicke dieses anderen Landes eingreifen?

Empathie scheint uns zu blenden.

Wenn man sich nur von Empathie leiten lässt, wird das wenig hilfreich sein. Empathische Einfühlung motiviert uns nämlich auch dazu, eher den Menschen zu helfen, die uns ähneln und die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Menschen, die anders sind als wir, die zum Beispiel eine andere Hautfarbe haben oder aus einer anderen Kultur stammen, ignorieren wir eher.
Das bedeutet: Empathie kann uns parteiisch, ja sogar fanatisch machen. Deshalb warnt Prof. Bloom vor zu viel Empathie und plädiert mehr compassion, also das Mitgefühl, zu trainieren.

Mitgefühl ist erlernbar

Die Neurowissenschaft sagt, dass Empathie und Mitgefühl als Ergebnis von Fertigkeiten zu sehen sind (T.Singer, Mathieu Ricard a.a.O.). Das bedeutet, durch Training können diese Bereiche verbessert werden. Durch das Training entstehen im Gehirn „plastische Veränderungen“. Nur Führungsseminare die diese Thematik einbeziehen werden die Menschen befähigen, die notwendige Kultur in einer komplexeren Welt wirksam steuern zu können. Auch die "Meditationen für Manager" hilft Mitgefühl als Teil der Persönlichkeit zu entwickeln und seine altruisitischen Potenziale zu erkennen.

Das interozeptive Gewahrsein ist die Fähigkeit, den inneren Körperzustand wahrnehmen zu können. Das kann sich auf Organe, Atmung oder z.B: Muskelspannung beziehen. Menschen denen es schwer fällt, Emotionen wahrzunehmen, fällt es auch schwer, bei Anderen, Emotionen wahrzunehmen. Damit werden Aufmerksamkeit und interozeptives Gewahrsein wesentlich für das Erleben von Mitgefühl (Bornemann/Singera.a.O.).

Trainingsbereiche:

Im Mitgefühl-Training geht es um Präsenz, Affekt und Perspektive. Viele Traditionen betrachten die Fähigkeit, ganz im Augenblick zu leben, als Grundlage eines erfüllten und mitfühlenden Lebens. Erkenntnisse der modernen Psychologie haben das bestätigt. Siehe auch die Untersuchungen zum Glück und Flow von Czikcentmihalyi.

Aufmerksamkeit zu lernen, bedeutet, sich der eigenen Gedanken bewusst zu sein, was beim Sprechdenken eine entscheidende Funktion ist. Über längere Zeit die gerichtete Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten, wird als vigilant (wachsam) bezeichnet. Für die aktive Interaktion in Beziehungen eine wesentliche Qualität.

Achten Sie bei Trainingsangeboten darauf, dass nicht nur Techniken bis zum Exzess geübt werden, sondern dass die Fertigkeiten im Zusammenhang mit Mitgefühl und dessen Wesentheit mit berührt und reflektiert werden:

- Es gilt Gefühle der Liebe, der Herzenswärme und des Wohlwollens für sich und andere empfinden zu können,
- schwierige Emotionen akzeptieren und annehmen zu können und darüber zu emanzipieren,
- prosozial motiviert zu sein.

Mit trivialen Regeln und fromalen HInweisen und einem Wochenede im Kloster erschließt sich dieser Raum nicht.

Was ich wollte

Mein Ansinnen in den kurzen Zeilen war, anzuregen, dass Menschen sich personal weiter entfalten. Dass das Training des Mitgefühls unabdingbar für Führungskräfte ist, von denen heute neben Fachkompetenz, vor allem soziale, kommunikative und personale Kompetenzen erwartet werden (Doppler, Lauterburg; Changemanagement, feel the Change).

Übungen zum Mitgefühlstraining können sein:

Z.B: MSC-Training, CEB/ Paul Ekman, CBCT/Ozawa de Silva, Tenzin Negi, CCT/ Langri,Weiss, Meditation und integratives Selbstmanagement/W. Schneider. Fragen Sie zun Umfang und Möglichkeiten WS, wenn Sie die praktische Umsetzung für Ihre Unternehmung oder sich selbst planen.

Die Kontaktdaten finden Sie auf meiner Webseite.