Wunder der Sprache

Menschen sollten (wieder) lernen, sich über Sprache zu wundern. Sprache wohnt Zauber inne und verzaubert.

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Magie der Sprache

Magie der Sprache

Von Sprache geht ein Zauber aus. Beherrschen Sie die Zauberei, bedeutet das, dass Sie über Sprache einen Kontext erzeugen. Das ist eine Welt, in der die Kommunikationspartner (bewusst oder unbewusst) mitspielen und ihre Welt(en) erzeugen. In dieser Welt passieren dann wunderbare Sachen. Stimmungen verschwinden und neue entstehen, Worte lösen Emotionen aus und Worte bewegen Menschen und Massen.

Der Hörer schafft die Bedeutung

Und plötzlich gilt der Satz: Der Hörer und nicht der Sprecher bestimmt die Bedeutung einer Aussage. Sie haben eine Stimmung erzeugt, die es ermöglichte, dass der Hörer sich eine Welt mit einer eigenen Bedeutung konstruiert hat.

Der Zauberstab

Diese Magie zu beherrschen lernen bedingt einen Zauberstab, der beim Gegenüber (das kann auch eine Gruppe sein) förderliche Haltungen für ein Gespräch aktiviert, die Beispielsweise Selbstöffnung, Selbstauseinandersetzung und Selbstwert ermöglichen. Dass das alleinig mit einer rein technisch ausgerichteten Kommunikationswerkzeug nicht in der notwendigen Tiefe erreicht werden kann, sollte sich von selbst verstehen.

Auf der anderen Seite steht der Zauberer, der es verstehen muss, Magie zu erzeugen. Dass das auch bösen Zauber ermöglicht, zeigt die Geschichte, wie zum Beispiel Klemperer in LTI verdeutlicht.

Wir handeln hier über den ethisch verpflichteten Wort-Magier. Der Zauberstab vermag seine Wirkung zu entfalten, so der Zauberer stimmig und fassadenfrei handelt. Der hier gemeinte Zauberer vermag durch Fühlen die Welt reicher erleben und kommt so sich und dem anderen Menschen näher. Er vermag sich dem Anderen freier zu nähern. Dass diese Qualitäten nicht in einem Wochen- oder Tagesworkshop impliziert werden, sei klar, da es sich hier um Weltbilder und Grundhaltungen des Menschen handelt.

Die Wortmagie

Ein paar Beispiele der Magie seien aufgezeigt.

-Fluchen

Wir wissen, dass Stress körperlichen Einfluss hat. So löst das Aussprechen von Tabuwörtern körperliche Stresssymptome aus. Sie werden auf diesem Weg schneller im Unbewussten des anderen anlangen.
Forscher vermuten dahinter eine frühe emotionale Konditionierung: Kinder lernen, noch ehe sie die Bedeutung der bösen Wörter begreifen, dass die Eltern wütend werden, wenn sie fallen. Ein beliebtes Spiel der unfairen Dialektik. Auch darüber klärt Sie die BS Akademie auf und zeigt Ihnen in den Kursen Gegenstrategien.

-Etiketten

Eine andere Beeinflussung sind Etikettierungen, die zum Beispiel ein Geschmackserlebnis beeinflussen. Ein Experiment an der Hochschule Harz ergab: Heißt ein Tee "Tropical Feeling", schmeckt er nach Auskunft von Testpersonen exotischer, fruchtiger und erfrischender, als wenn der Name "Vor dem Kamin" auf dem Etikett steht. Dabei war die Teesorte im Test immer dieselbe.

Sicher kennen Sie auch die Wirkung von Worten auf die Sinne. Romane können sich wie eine zweite Realität anfühlen. Kein Wunder: Lesen wir z.B. Wörter wie »Parfüm« oder »Espresso«, wird im Gehirn auch jenes Areal aktiviert, das Gerüche verarbeitet. Werden in einem Text Bewegungen beschrieben, aktiviert das den Motorkortex im Gehirn. Man vermag sich dadurch sogar selbst manipulieren: Wenn Menschen »greifen« sagen, während sie nach etwas greifen, werden ihre Bewegungen flüssiger. Probieren Sie es aus!

Wie wäre es, Werbung zu analysieren, ob sie nicht auch damit spielt?

-Vorurteile

In meinen Seminaren beschäftigen wir uns ausführlich mit den Macht der Vorurteile. Schon Erich Fromm legte uns nahe, sich damit zu befassen. Horkheimer sagte, ein positives Vorurteil ist mit dem negativen Vorurteil eins.
Hören Sie gut zu, wenn Sie mit Menschen sprechen, Sie erzählen Ihnen die Vorurteile. Kennen Sie die gesellschaftlich verankerten Vorurteile, erkennen Sie diese "Wort-Metaphern", können Sie diese geschickt nutzen, erfolgreich zu kommunizieren, zu verhandeln und zu überzeugen.

-Glaubens-Wissen

Glauben-können ist eine der vielen Voraussetzungen für ein gelingendes, glückendes Leben, schrieb Rupert Lay.
Zaubern ist nur im Zusammen mit Anderen möglich, kann sich nur in diesem Zusammen entfalten. Es setzt Vertrauen voraus. Vertrauen in den Menschen, dem wir glauben und Vertrauen in die Stimmigkeit dessen, was der Zauberer präsentiert. Menschen wissen, dass der Zauberer der Worte zaubert, dass er uns täuscht. Das aber schließt nicht aus, dass sie wir uns täuschen lassen wollen. Erinnern Sie ein Gedicht oder liebe Worte, die Sie wärmten, diese Worte vermochten, in Ihnen eine zauberhafte Welt zu erzeugen: oder aber das Gegenteil.

Kritisch hören

In LTI schireb Klemperer: "Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbelmerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger zeit ist die Giftwrikung da."
Ich möchte Sie mit den wenigen Zeilen in diesem Blogeintrag einmal aufhören lassen.
Doch ich möchte Sie auch anregen trotz prüfender Einstellung, Menschen zu vertrauen und die Wahrnehmung der Farben und zauberhaften Möglichkeiten der Sprache sich bewusst zu machen und mit dieser Farbenpracht und Welt der Möglichkeiten auf das Spielfeld der Kommunikation und Interaktion zu treten und den ersten Spielzug zu wagen, um dem angestoßenen Zauber zu folgen.

Das ist riskant, denn Ihre Welt ist nicht die Welt des anderen Spielers. Wenn Sie das Wort gesprochen haben, ist es fixiert. Der Angespielte hört das Wort erst zeitlich versetzt. Er hat eine andere Assoziationswelt. Interprtiert es vielleicht anders. Doch ohne den Mut des ersten Spielzugs, werden Sie nie erfahren, wie es ist, wenn er Ihren Ball aufnimmt und mitzuspielen beginnt. Erst dann, vermag sich der Zauber zu entfalten und etwas Magisches entstehen. Doch ohne Mut und Vertrauen wird das Spiel nicht gelingen. Formale und technokratische Kommunikationsregeln, die die Welt des Unbewussten, des Anderen und die Emotion nicht mit einbeziehen, vermögen Sie zwar Erfolg zu generieren, aber der Zauber erschließt sich Ihnen nicht.

Zaubern Sie!
Indem sie einfühlend Ihrem Hörer ermöglichen, in eine Welt einzutreten, die ihn zumindest für eine kurze Zeit eine geheimnisvollen Welt eröffnet.

Wollen Sie sich zum Thema austauschen: Kontakt zu Wolfgang Schneider