Kommunikation neu denken

Kommunikation wird für Wirksamkeit unverzichtbar.

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Netz

Netzwerke

Mit dem Thema Netzwerk zu befassen scheint sinnvoll, denn nach Dirk Baecker und Niclas Luhmann ist der nächste Paradigmenwechsel die Netzwerkgesellschaft. Die Frage lautet nicht, ob das gut oder schlecht sei, sondern der Wandel vollzieht sich (bereits), ob Sie wollen oder nicht.
Dass dieses Bewusstsein trotz Internet noch nicht so fortgeschritten scheint, zeigt sich in den Köpfen der Menschen, die großenteils noch erhebliche Berührungsängste mit Netzwerken haben und diese teilweise einfach ausblenden. Derweil geschieht schon die nächste Verknüpfung: Mensch-Maschine und Maschine-Mensch.

Digitalisierung

Die Gesellschaft wird undurchschaubarer und unberechenbarer. Diese zunehmende Vernetzung durch Computer prägt die Intransparenz, hervorgerufen durch immense Mengen an Daten und an Informationen.
Was abzählbar, berechenbar und steuerbar war, wird unübersehbar, unberechenbar, unvorhersehbar und mit herkömmlichen Werkzeugen unkontrollierbar: komplex. Auf diesen fundamentalen Wandel sind große Teile der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Individuen unzureichend vorbereitet.
Wie also die entfesselte Kommunikation kontrollieren und die Möglichkeiten steuern? Entscheidend wird dabei der Kontext der Gesellschaft sein, in dem diese Kommunikation stattfinden wird. Das setzt fundiertes Verständnis der Kommunikation selbst voraus. Das reicht weiter als ein paar Techniken zu beherrschen lernen. Trainings, die soziale, emotionale und personale Kompetenzen nicht einbeziehen, werden kaum komplexe Abläufe erkennen, noch durch sie navigieren.

Digitalisierung ist mehr als Technologie: Sie definiert das Verhältnis zwischen Mensch (z.B: Kunde/Kundin oder MitarbeiterIn), Information und Prozess neu. Dabei sollten wir Digitalisierung nicht als rein technischen Prozess denken. Es ist vielmehr ein Dialog des Technischen mit dem Humanen- im Sinn eines Möglichkeiten-Raums.

Anschlussfähige Kommunikation

Die Komplexität ergibt sich allein aus der Kommunikation und Vernetzung. Nach Luhmann enthält jede Kommunikation einen Verweisungsüberschuss von Sinn. Sie verweist auf ihren jeweiligen im Kontext eines auch anders möglichen Sinns. Dieser Überschusssinn macht Kommunikation überhaupt erst möglich: Er macht Kommunikation anschlussfähig, indem er sie ablesbar macht. Die vielen Möglichkeiten, die der Kommentator unmöglich übersehen kann, ermöglichen erst Kommunikation (Niclas Luhmann, Soziale Systeme, 1987)

Die Strukturform der nächsten Gesellschaft lässt sich als Netzwerk beschreiben. Entgegen funktionaler Rationalität, die die Moderne noch prägte, hat das kommende Netzwerk keine spezifischen Grenzen, es agiert jederzeit irritierbar und verknüpfbar.
Baecker skizziert folgende Netze:

Sprache: Tribale Gesellschaft
Schrift: Antike Gesellschaft
Buchdruck: Moderne Gesellschaft
Computer: Nächste Gesellschaft

Offene Ökologie

Die nächste Gesellschaft zeichnet eine offene Ökologie aus: Faszination der Komplexität als überraschende, potenziell flüchtige Ordnung. Doch genau so lassen sich digitale Netzwerke verstehen: Irritierte Netzwerke und überfordernde Komplexität werden zu Denkfiguren unserer Orientierung. Wollen Sie mitspielen, werden Sie sich einer neuen Kompetenz öffnen müssen, die die Digitalisierung einbezieht und versteht Komplexität mit noch mehr Komplexität zu begegnen. Nur so lassen sich in einem vielschichtigen Prozess die Möglichkeiten ausmachen.

Es entfaltet sich ein Spielfeld für alterozentrierte (Nutzen des Anderen) und ganzheitliche Innovation. Der fokussierte „Omegapunkt“, weist auf neuen Nutzen und Sinn vom Menschen bis hin zu Dingen.

Dabei misst Omega sozusagen die Wahrscheinlichkeit für einen zukünftigen echten Gewinn auf Grund des Einlassens auf die Komplexität.
Für Teilhard de Cardin ist der Omegapunkt, auf den alles hinstrebt, das Spirituelle, die allumfassende Liebe und der Mensch (Teilhard de Chardin, Das Tor in die Zukunft). Damit ist der Omegapunkt nicht Endpunkt, wie es die Stellung am Ende des griechischen Alphabets nahelegen könnte. Es ist ein Tor, das sich Neuem öffnet.

Wahrnehmung

Wer Morgen mitspielen will, wird die Welt, den Menschen und die Kräfte in den Netzwerken wahrnehmen müssen. Diese Wahrnehmung ermöglicht über eine neue Problemsicht aus den Produkten Nutzungen und aus Vernetzungen neue Spielfelder und neue Räume zu entwickeln. Bei allem gilt aber, dass Menschen nicht digital sind. Menschen sind Wesen aus Fleisch und Blut, die sich in der analogen Welt, im Sinnlichen orientieren. Die digitale Evolution wird nur dann nicht im Desaster enden, wenn der Einzelne sich rückkoppelt mit den Menschen, dem eigenen Selbst und dem maßvoll Menschlichen. Es geht also immer auch um soziale und ethische Fragen.

Weitere Anregungen:
Näheres bei Dirk Baecker; Studien zur nächsten Gesellschaft, Form und Formen der Kommunikation/ Theodore Zeldin, Conversation/ Nassim Taleb, Antifragilität/ Silke Seemann, Organisationales Spielen/ V. Disziplin (Senge, MIT); oder Sie mailen mich an.