Über Kommunikationsstörungen

Wird Kommunikation gestört, kommt es zum Konflikt. Und den Konflikt löst man wieder über Kommunikation.

wreden2
Aktive Kommunikation

Kommunikationsstörungen

Das Wissen um Kommunikationsstörungen, vermag Sie vor mancher Ungereimtheit zu bewahren. Drei Bereiche seinen genannt, die ein menschliches Miteinander-Umgehen erheblich stören und gefährden können:

- Das dogmatische Vertreten von Positionen
- Rücknahme auf bloß funktionale Kommunikation
- Verkennen von Widerstandsgründen

Das dogmatische Vertreten von Positionen

Gelingende Kommunikation setzt keinesfalls voraus, dass alle einer Meinung sind. Es gibt viele Menschen, die die Meinung vertreten, dass eine Kommunikation nur geglückt ist, wenn alles harmonisch und einstimmig verläuft. Dogmatiker unterstellen eben diese Irrtums- und Täuschungsfreiheit.
Ein Dogmatiker unterscheidet nicht sokratisch zwischen Gewissheit und Wahrheit. Gewissheit bezeichnet einen psychischen Zustand, der uns nicht am Zustand eines Sachverhalts zweifeln lässt, ohne dass man es für Wahrheit hält. Dogmatiker sind der (pathologischen) Überzeugung über wahres Wissen zu verfügen und fühlen sich so dem anderen überlegen. Eine eher menschenverachtende Einstellung.

Objektives Wissen?

Viele Menschen sind der Ansicht über wahre Erkenntnis im politischen und wirtschaftlichen Wissen zu verfügen, obwohl sie Ihr Wissen oft aus anderen Quellen beziehen (Z.B: Presse, Bücher, Menschen). In den seltensten Fällen basiert die Erkenntnis auf eigener Erfahrung. Und auch diese ist eine subjektive Erfahrung. Ein anderer Mensch erlebt den Sachverhalt gänzlich anders.

Das gilt auch für die Wissenschaft. Viele Wissenschaftler meinen über wahre Theorien zu verfügen, obwohl es in der Geschichte noch nie vorkam, dass Theorien nicht irgendwann überholt wurden.

Sokrates soll gemeint haben, dass die Menschen dumm seien, die meinen, dass sie objektiv wüssten, obwohl sie nur subjektiv meinen. So wissen weise Menschen, dass sie nur subjektiv meinen und nicht objektiv wissen und erkennen nur unter dieser Prämisse die Aussage des Anderen als subjektive Meinung an.

Wie ist Ihre Einstellung zu meinen und wissen?

Führungsalltag

Es gibt nicht wenige Führungskräfte, die durch verkünden von Dogmen (oft unbewusst) ihren Führungsanspruch zu verkünden und zu sichern versuchen. Oftmals gründet dieser Anspruch in einer legalen (hierarchischen) Autorität. Diese ist von der legitimen ( natürliche Autorität) zu unterschieden, die in der Persönlichkeit eines Menschen begründet ist und keiner hierarchischen Legalisierung bedarf.

Ausschließlich Vorurteils geleitete Kommunikation ist stets kontraproduktiv und macht menschliches Miteinander-Umgehen nahezu unmöglich.

Rücknahme auf bloß funktionale Kommunikation

Wir unterscheiden personale Kommunikation von funktionaler. Bei personaler Kommunikation stehen die Menschen im Zentrum des Interesses. Es ist eine Kommunikation mit der Person und nicht über die Person (Gerüchten). Bei funktionaler Kommunikation steht das kommunikative Geschehen im Dienst von kommunikationsfremden Zwecken. Der Mensch ist nur der sachbezogene Erzeuger, Empfänger oder Verarbeiter von informations-erzeugenden Signalen. Wo ist das „Herz“ im Gespräch, das Martin Buber für Gespräche einfordert?
Früher oder später führt eine funktionale Kommunikation zu Beziehungsstörungen, Kontaktunsicherheiten oder funktionalen Kommunikations-störungen.

Das sind auch die Gründe, weshalb in jedem Training und jeder Kommunikations-Ausbildung der BS Akademie die Bildung der Persönlichkeit im Zentrum steht. Nur wenn der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht zum Zweck verkommt, folgt ein Training/Ausbildung auch dem Kantschen Imperativ.

Vielfach rechtfertigen sich funktionale Kommunikatoren mit folgenden Entschuldigungen:

Für emotionales Gequatsche bleibe keine Zeit;
Es fehle die Geduld für personale Kommunikation;
Der so Kommunizierende habe keinen Zugang zu Emotionen (oft unbewusst);
Kern des Business sind materielle Betrachtungen;
Nur funktionale Kommunikation sei effektiv.


Gedanken zur Emotion

Kann ein Mensch seine Emotion nicht mehr sozial darstellen oder weiß mit fremden Emotionen nichts anzufangen wird es pathogen. Im Endstadium, kann er diese Emotionen (außer Aggressionen) gar nicht mehr wahrnehmen. Er „ist gezwungen“ aggressiv zu kommunizieren. Personale Kommunikation setzt voraus, dass Sie auch etwas von sich selbst mitteilen, wie uns Schulz von Thun vor Augen führt.

Pseudopersonal ist etwa:

„Small Talk" und andere Formen des „geselligen Lärmens". Auch „Logorrhöe" (= Sprechdurchfall) zählt dazu. Diese Art des Redens ist nur eine Art Vorbereitung eigenen Sprechens: schulterklopfende Freundlichkeit so mancher Vorgestzter, um ausschließlich eigene Vorteile zu erreichen und witzelndes bis spöttisches Reden, das nur an der Oberfläche eine personale Begegnung zulässt. Es fehlt hier allen das empathische Zuhören.

Verkennen von Widerstandsgründen

Kommunikation kann unmenschlich ausgehen, wenn im kommunikativen Geschehen Widerstände falsch interpretiert werden. Denken Sie an Gerüchte (s.o.) oder politische Sachverhalte, die in Blockaden oder Kriegen enden können.

Kommunikative Widerstände haben meist drei Quellen:

- aktuelle, virtuelle (unbewusst) oder habituelle (bewusste) Antipathie,
- emotionale Sperren,
- sachliche Meinungsverschiedenheiten.

Antipathiewiderstand ist ein Widerwille, der durch die Vorstellung oder Wahrnehmung von Menschen oder deren Handlungen ausgelöst werden. Dies kann bis zum Abbruch der Kommunikation führen.

Jeder Mensch muss akzeptieren, dass der andere das Recht hat, ihn antipathisch zu finden. Das schließt das Recht ein, einen anderen Menschen dauerhaft nicht leiden zu können. Von allen geliebt zu werden, ist eine infantile Vorstellung. Menschen, die sich nicht leiden können, sollten sich darüber verständigen, wie es gelingen kann, die jeweilig andere Person nicht leiden zu lassen. NLP stellt eine Reihe geeigneter Möglichkeiten zur Verfügung, dennoch eine Kommunikationsbasis herzustellen. Das Thema Manipulation wurde in einem anderen Blog behandelt.

Ausprägungen von menschlichem Fehlverhalten

Arroganz

kann sich darstellen:

- Im Verurteilen: Der Verurteilende erhebt sich in arroganter Anmaßung über den Verurteilten.
- Im Verkünden von Dogmen: Wissend, dass Menschen nicht objektiv wissen, sondern nur subjektiv
meinen. Verkündender unterstellt frei von Irrtum und Täuschung zu sein.
- im Etikettieren anderer: Indem der Mensch etikettiert, hält er sich für etwas Besseres. Äusserungen
könnten sein: „Streber, Chaot, Neurotiker, Faulpelz."
- Im Kleinmachen anderer: Es gibt Menschen, die sich nur wohl fühlen, wenn sie sich ein Stück „größer"
machen (Durch Schuldvorwürfe, Besserwisserei, ungerechtfertigte Kritik, „relativer" Ehrgeiz, der Mensch
ständig dazu treibt, immer besser zu sein).
- In der Unfähigkeit, Hilfe gegen sich gelten zu lassen: Viele haben ein Helferbild als Idealbild und können
dennoch aus Stolz selbst keine Hilfe annehmen. Das Helfersyndrom ist oft Ausdruck latenter Arroganz:
Menschen versuchen Situationen zu erzeugen, wo sie als Helfer, Richter, Retter, Pastor, Lehrer, Eltern,
Berater agieren können und so den anderen zum Hilflosen, Geretteten, Missetäter, Belehrten oder
Schaf machen.

Egoismus

Meint Ausbeuten anderer Menschen. Das umfasst vor allem finanzielles, emotionales, und soziales Ausbeuten, aber auch Übervorteilen von Menschen. Der Fokus liegt darauf, eigenen Nutzen mehren und fremden Schaden billigend in Kauf zu nehmen oder keine verantwortete Güterabwägung durchzuführen. (Siehe auch Nekrophilie bei Erich Fromm)

Heuchelei

Meint alleiniges versuchen, in den Augen anderer immer besser dazustehen, als es dem eigenen Selbst-Real entspricht. Es zeigt sich zum Beipiel im Verbergen eigener Schwächen, ausschließlichem Darstellen eigener Überlegenheit oder Verleugnen eigenen Versagens.

Zusammenfassung

Kommunikation ist widersprüchlich. Menschen sind nicht nur Sozial-, sondern auch Individualwesen. Sich den vielen Meinungen zu öffnen, bedeutet zu lernen, mit Ambiguitäten umzugehen. Nur wer sich dieser Vielfalt stellt, wird auch in einer digitalen Welt nicht zum Spielball: Er ist Multi-Logiker, versteht Vertrauen aufzubauen, verfügt über ein Gespür, die Dynamiken wahrzunehmen und versteht offene und bewegliche Kommunikationsstrukturen aufzubauen.


Wollen Sie wissen, mit welchen Mindsets und welchem Neuem Denken diese Kompetenzen zu erreichen sind oder wünschen Sie weiterführende Literaturhinweise, sprechen Sie Wolfgang Schneider an, oder kommen zu den Abendforen für das Business, wo kommunikative Themen diskutiert werden. Ich freue mich, von Ihnen zu lesen und danke für ein Feedback.