Fragen

Miteinander reden ist nicht das Spiel von Behauptung und Widerbehauptung oder das Spiel von Befehlen und Gehorchen.

wreden
Was ich Sie noch fragen wollte...

Fragen

Was sind Gründe, dass Menschen fragen?
Könntnen Fragen Alternativen zu nichtssagenden Aussagen sein, mit denen Gespräche eingeleitet werden?
Könnten Fragen einem schüchternen Menschen helfen zu reden?
Gibt es einen Ort oder eine Zeit, die sich am besten für Fragen an sich selbst eignen?
Wie wäre es, wenn Sie Substantive in Verben verwandeln?
Was wäre ein Suchen, ohne vorher eine Frage gestellt zu haben?

Fragen können mehr sein als nur eine Form sprachlicher Gestaltung.

Interaktion

Fragen ist ein Wir und nicht ein Ich.
Sie zeigen unsere Einstellung zum Menschen, offenbaren unsere Haltung und die Art und Weise der Interaktion.
Der Mensch ist nicht nur ein Individuum, er ist auch ein Wesen, das auf soziale Resonanz und Kooperation angelegt ist. Das gelingt grundsätzlich über Interaktion und diese können im verbalen Bereich Fragen ermöglichen.
Interaktion gelingt, wenn das Interaktionsangebot im Erwartungshorizont des Anbieters liegt. Liegt es nicht im Erwartungshorizont des Anbieters, sprechen wir von misslingender Interaktion.

Da Interaktion von einem Gegenüber (Personen und soziale Gebilde) abhängt, spielt für die kommunikative Kompetenz das jeweilige Menschenbild eine erhebliche Rolle, welches Bild wir uns vom konkreten Menschen machen. Meist sind die Bilder, die wir uns machen, ganz oder doch weitgehend unbewusst. Deshalb scheint es nützlich, sich hin und wieder die folgenden Fragen zu stellen:

Was ist Ihr Menschenbild?
Welche Prinzipien, Wirklichkeiten und Prinzipien bestimmen Ihr Handeln?
Was sind Ihre Vorurteile? - Machen Sie sich eine Liste, empfahl Erich Fromm.
Was ist Ihnen wichtig?
Was wertschätzen Sie?

Mit diesen und ähnlichen Fragen können Sie die Bilder aus dem Gefängnis des Unbewussten befreien, um sie bewusst- und damit verantwortbar zu machen.

Selbst verantwortete Menschen haben den Mut, direkt anzusprechen, was ist, klar Ja oder Nein zu sagen. Sie nehmen sich nicht auf bloß funktionale Kommunikation zurück, die überwiegend im Dienst von kommunikationsfremden Zwecken steht. In den Unternehmen wird häufig sachliche oder sachbezogene Information erzeugt und auch bevorzugt. Kontaktvergewisserung, Selbstdarstellung und nicht ausgesprochene Appelle, bestimmen die Kommunikation.

Wie mag wohl das Klima in einer solchen Unternehmung sein?

Mir begegneten im beruflichen Kontext als Rechtfertigung funktionaler Kommunikation oft folgende Aussagen:

man habe keine Zeit,
es fehlt einem die Geduld,
ich habe kein Verständnis dafür,
Menschen haben im Beruf zu funktionieren,
der Druck,
Emotionen sind lediglich Störgrößen, die es zu unterbinden gilt,
der Mensch habe seine Aufage lediglich in der Sache zu erfüllen.


Früher oder später führen diese (sicher nicht abschließenden) Gründe zu Beziehungsstörungen und diese sind die Ursache von aufreibenden Konflikten.

Gründe für Fragen

- Der Fragende weiß etwas nicht und vermutet, dass der Befragte ihm eine sinnvolle Antwort geben kann (eigentliche Frage)
- Der Fragende weiß etwas und will sich vergewissern, ob der Befragte es auch weiß (prüfende Frage).
- Der Fragende weiß etwas und ist sich sicher, dass der Befragte es nicht weiß (sokratische Frage).
- Der Fragende weiß keine Antwort und vermutet, dass auch der Befragte keine kennt (fangende Frage).


aus Ruppert Lay (seminar für Führungskräfte)

Kann man falsch fragen?
Wenn ja, wie fragt man richtig?

Falsches Fragen

- Ein Mensch stellt eine Frage, die eine Antwort provoziert, mit der er nicht einverstanden ist.

- Jemand stellt eine Frage, die den Zweck hat, den Anderen hereinzulegen oder ihnen zu beweisen, dass sie töricht oder eingebildet sind

- Fragen, die den Intimbereich bedrohen

- Frage, die etwa wie beim Meta-Modell einem Verhör gleichkommen

- Fragen, die demonstrieren, dass sie ein Genie seien

Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig sozial sensibilisiert manche Fragende sind. Das trifft im privaten wie auch beruflichen Bereich gleichermaßen zu.

In einer Vielzahl der Fälle, halte ich es für angebracht, einen lästigen Frager auf das Deplazierende seines Verhaltens aufmerksam zu machen. Die Fragespiele mancher scheinbar rhetorisch geschulter Menschen (das meinen meist nur diese selbst) sind unter die oben erwähnten Kategorien zu subsumieren und einer eine Beziehung aufbauenden Kommunikation gegenläufig.

Sie fragen nur gut, wenn der Befragte gern antwortet. Antwortet er widerwillig, werden Sie kaum die erwünschte Information erhalten und mitunter auch Falschantworten.

Richtiges Fragen

Richtiges Fragen ist darauf gerichtet die Gesprächsbasis zu bessern und sich Informationen zu verschaffen. Fragen Sie nur, wenn Sie eine optimale Disposition für die Beantwortung der Frage geschaffen haben. Richtiges Fragen bohrt den anderen nicht an, sondern schließt ihn mit Fragen auf, auch wenn der Fragenschlüssel ein paar Mal gedreht werden muss oder ein Dietrich oder anderer Schlüssel erforderlich ist.

Optimal ist die Disposition, wenn

+ der Befragte den Sinn der Frage erfassen kann

+ ein angemessenes Klima ziwschen Frager und Befragten herrscht

+ Sie niemals aus der Position des Besserwissens heraus fragen

+ einen Fragestil wählen, der verdeutlicht, dass Ihnen an der Antwort gelegen ist und Sie diese für wichtig halten

+ die Frage berücksichtigt die Seiten des Kommunikationsquadrats (Schulz von Thun)

Fragen als Trigger für ein intensives Gespräch

Gespräche leben von verbalem Austausch und offener Interaktion. Aussagen innerhalb der Kommunikation sind jedoch nicht immer klar und dürfen nicht immer wörtlich genommen werden, denn der Befragte antwortet zwar sehr wohl etwas, könnte aber etwas ganz anderes meinen oder hat Bedenken, eine offene Antwort zu geben. Die Gründe können vielfältig sein und reichen von Angst, mangelndem Selbstwert und Selbstbewusstein bis zu taktischen Interaktionsspielen. Es gibt schließlich auch Fragen, zu denen das Bewusstsein über keine Antworten (Entscheidungen) verfügt, weil der Bereich in tieferen neurologischen und psychologischen Bereichen wurzelt (Bateson). Hierzu ist Mitgefühl und Sensitivität notwendig. Inwieweit das im beruflichen Alltag Thema sein kann oder einen anderen Rahmen bedingt, sei einem extra Blog vorbehalten.

Was könnte geschehen, wenn Sie in die Welt hinter den geäußerten Bildern einsteigen?
Haben Sie schon einmal darauif geachtet, welche Metaphern Ihr Gesprächspartner oder Ihre Gesprächspartnerin nutzen?
(Näheres bei Lakoff: Auf leisen Sohlen ins Gehirn)

Praktische Anwednungen

Es gibt jede Menge Literatur und Aufbereitung zu Fragearten, diesen will ich nicht noch eine Liste anfügen. Was für mich wesentlich ist, dass Sie sich Ihre Einstellung dem Menschen und sich selbst gegenüber klarmachen. Sie können hier differenzieren, in welcher Rolle Sie die Fragen stellen: Als Elternteil, als Führungskraft, als FreundIn, als SeelsorgerIn usw.

Wichtiger als alle Kataloge scheint mir jedoch zu prüfen, ob Sie sich als Mensch zentriert, integriert und orientiert erfahren. Aus einem solchen Selbst werden Sie Ihre unbewussten und bewussten Inhalte versuchen zur Deckung zu bringen. Sie handeln aus Ihrer Mitte: Sie Fragen in dieser Haltung richtig (siehe oben). Sie erkennen, wann es die Zeit ist, alterozentriert und mitfühlend zu fragen. Die Gespräche werden für Sie zu Geschenken, wo es um mehr geht als nur Nehmen, Recht zu behalten und zu überzeugen. Ihr Gegenüber wurd Sie als wertschätzend empfinden, und mit der erforderlichen Zuwendung, Respekt und Toleranz begegnen.

Das bedeutet nicht, dass jegliches Missverständnis ausgeschlossen wird, denn auch wenn Sie dem Prinzip Menschlicheit folgen, bedingt das nicht, dass Ihr Gegenüber diesem Ideal auch folgt.

Fragen verlangsamen ein Gespräch. Fragen zeigen Hinwendung. Ich meine hier nicht die rhetorischen Spielchen, die nur dem Zeitgewinn oder der Manipulation des Befragten dienen.

Fragen an Sich selbst:

"Was soll das Ziel der konkreten Unterhaltung sein?"
"Fällt es Ihnen schwer, Ihre Standards und Meinungen zu verlassen?"
"Wie könnten Sie Allerweltsgespräche interessant gestalten?"
"Welche Fragen könnt Sie stellen, die den Gesprächspartner öffnen?"
"Kann eine gute Frage unpersönlich sein?"
"Welches Gegenmittel gibt es für Fragen, die einen klein vorkommen lassen?"
"Ist es möglich richtige Fragen zu stellen, wenn man meint immer recht zu haben?"
"Wie können Sie in der Frage Bewunderung ausdrücken?"

Weitere Übungsmöglichkeiten:

Erinnern Sie:

Wie verliefen gewöhnlich Gespräche, bei denen Sie (richtige) Fragen gestellt haben?
Welche Fragen wurden in erfolgreichen Verhandlungen gestellt?

Stellt im Beruf ihr Gegenüber meist nur rhetorische Fragen?
Welche Fragen begegneten Ihnen, wo Sie in dem Gespräch das Gefühl hatten, dass es dem Gegenüber in keiner Weise interessierte, was Sie geantwortet haben?
Wie können Sie Ihr Gegenüber dazu bewegen, diese Spiele zu verlassen?

Erinnern Sie ein Gespräch, wo Sie sich verkniffen, das, was Sie interessiert hätte, zu fragen.
Wie hätte das Gespräch verlaufen können, wenn Sie diese Frage gestellt hätten?
Was veranlasste Sie, diese Frage nicht zu stellen?
Was könnte im schlimmsten Fall geschehen?
Was könnte im besten Fall sich ereignen?
Welche Form oder Gestaltung der Frage, hätten Sie wählen können, um den Inhalt zu erfragen?

Abschliessende Fragen

Was kann eine Frage, das eine Aussage nicht kann?
Welche Räume sind notwendig, um richtige Fragen zu stellen?
Haben Sie den Mut, den Zauber der Frage zu entdecken?

Noch Fragen?
Wolfgang Schneider
http://www.bs-akademie.de/8/kontakt/