Kommunikatives Spielen

Verführung in etwas Theorie, darüber hinaus, davor und zurück in der Praxis.

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Spielanleitung

Sie können den kleinen Artikel anfangen, wo Sie wollen. Ich versuche so zu sein, wovon der Inhalt handelt. Kommunizieren im Sinn eines Miteinander-Redens ist für mich ein Spiel zweier oder mehr Personen. Und wie ein Spiel, hat dieses einen offenen Ausgang, der nicht exakt vorherzusehen ist. Ich lade Sie ein, mitzuspielen.
Anders Denken bedeutet auch, neu spielen: auf Altes mit neuen Augen hinsehen und Neuem als längst bekannt zu begegnen. Es ist eine Einladung hineinzuspüren und aktiv auf dem Feld teilzuhaben. So vermag es Ihnen vielleicht gelingen, sich mit dem Eigentlichen, der tieferen Quelle des Spiels zu verbinden und tatsächlich anwesend zu werden, indem Sie losgelöst, einfach alles kommen lassen, annehmen und Verwenden, wei es Nardone und Watzlawick vroschlugen.

Spielen

Wir sind in der Kommunikation mitten in einem neuen Spiel, das viele noch nach alten Regeln spielen. Einfach neu mischen reicht nicht. Ein Spiel sei die Gesamtheit der Regeln, die es beschreiben, schrieb John von Neumann. Bislang vermeinten Menschen, dass sie mit einer simplen schwarz-weiß-Regeln durchkämen. dass dem nicht so ist, begreifen immer mehr Menschen.

Spielen sei Kinderkram, heißt es gemeinhin und so hörte man nicht auf Schillers bekannten Satz, dass "der Mensch nur da Mensch ist, wo er spielt."

"Our method of research in those early Jerusalem days was pure fun", formulierten in 'Choices, Values, and Frames' Kahneman und Tversky, (Wirtschaftsnobelpreis 2020)

Es gibt einige Menschen, die sich des neuen Spielens annehemen und erkennen, dass die wichtigste Regel lautet: Es gibt keine Patentlösung, aber wir versuchen es einfach einmal. Spielen bedeutet in ein miteinander sich einzulassen, das keinen festen Ausgang kennt. Das verlangt von den Spielern Mut und sich auf ein Risiko einzulassen, denn vielfältig sind die möglichen Verhaltensweisen im kommunikativen Spiel.

"...changing the signs of all outcomes in a gamble almost invariably changed the direction of preferences from risk averse to risk seeking or vice versa." (a.a.O)

Wie wollen Menschen innovativ und krerativ sein, so sie nicht spielen lernten?

Mit Vollgas in die Kurve, machen es die Kinder beim Carrera--Rennbahn-Spiel. Manche fliegen aus der Kurve, doch manche bleiben drin. Was solls, wer rausfliegt, hebt sein Auto auf und stellt es wieder auf die Spur.
"Thinking outside the box" ist ein oft mantraartig wiederholte Regel in Unternehmen und in Workshops, doch viele Menschen sitzen auf der Box, den Deckel fest drauf (a.a.O).
Wer Sicherheit will, spielt nicht. Das sei kindisch. Einiges hat sich seit 2006 gewandelt, als Wolf Lotter sich in Brand Eins mit dem Thema Spielen auseinandersetzte. Manches blieb nach wie vor typisch deutsch. Arbeit darf nicht smart sein. Arbeit ist ernst. das findet sich auch heuite noch in den Einstellungen und zugleich will man mehr Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

So knüppeln manche Unternehmen Talente und Ressourcen durch eine Flut von Regulationen nieder. Allenfalls genehmigt man ein Tagesseminar oder einen Workshop, zum Thema Kreativität oder Innovation. So wird ohne Spaß schnell ernst. Denn ohne Zeit zum Spielen, gibt es auch keine Zukunft. Lediglich neu zu mischen reicht nicht.

Zum Spiel brauchst Du Glück , zum Glück brauchst Du Freiheit. Zur Freiheit brauchst Du Mut. (a.a.O.)

Befreien von Annahmen

Das Loslassen von Ihren Annahmen ermöglicht, das Nadelöhr zum anderen passieren zu können. Metaphorisch beschreibt diesen Vorgang der Bibelspruch: "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr,.." Der Spruch bezieht sich auf ein Stadttor im alten Jerusalem: Wer mit dem Kamel durch das Stadttor wollte, musste alle Taschen vom Kamel entfernen, damit es hindurch passte.

Was wäre, wenn Sie so täten, als hätten Sie sich mit dem Thema noch nie beschäftigt?

Sie suspensierten sich von allen persönlichen Annahmen, Prinzipien oder Überzeugungen. Sie wären wahrscheinlich nicht irrtiert, wenn die Darbietung des Themas so ist, wie sie eben ist. Sie haben noch keinen Vorstellung. Sie könnten ganz beim Anderen, ganz beim Thema, ganz im Jetzt sein. Nichts würde Sie beim Hinauf noch beim Hinab belasten, wie es Johannes von Kreuz im 16 Jahrhundert formulierte.

Gewöhnlich spüren Menschen allerdings leichten Ärger oder Missmut. Dann können Sie fast sicher sein, dass Sie es mit etwas zu tun haben, das anders ist, als es Ihren Erwartungen und Weltkonstrukten entspricht. Würden Sie sich jedoch von Ihren Zweifeln oder (Vor-)Urteilen, inneren Stimmen der Überheblichkeit, des Besserwissens oder des Zynismus befreien und emanzipieren Sie sich über Ihre Ängste, was könnte das für das Gespräch bedeuten?

Das Gespräch könnte zu einem Spiel werden, wo Sie sich plötzlich auf neuen Spielfeldern sehen würden: parallel, abwechselnd und mit vielen Spielbällen und Mitspielern und auf mehreren Spielfeldern zugleich (Multitasking).

Wie könnten Sie ein Spiel komplex spielen?

Trampelpfade verlassen

Wenn Sie eingetretene Pfade verlassen, werden Sie irritiert. Wer keinen Spaß daran findet, macht einfach so weiter wie bisher. Er wird bemerken, dass er sich an eine Umwelt angepasst hat, die es so längst nicht mehr gibt (Hoffer). Haben Sie jedoch Lust zu spielen und zu erfinden, dann beginnen Sie sich zu drehen wie dereinst die Derwishe. Es vermag Sie in einen Rausch zu bringen, der eine erweiterte Wahrnehmung beiwirkt. Ein erweitertes Bewusstsein, bunte Kommunikation, Modelle, neue Formen, offene Systeme öffnen sich. Sie sehen Welten, die sich Menschen konstruieren. Sie erweitern Lebenswissen, Weisheit und finden in ihrem Interagieren Sinn.

Was wäre, wenn Menschen den Kontext wechseln?
Was könnte sich ereignen, wenn neue Speilregeln für das Miteinander erfunden würden?
Was geschähe, wenn sich Menschen statt zu ärgern, mit dem Wundern beginnen?

Risiko

Sie lesen diese Zeilen und beobachten, was ich gerade schreibe. Doch Sie beobachten die Worte in Ihrem Jetzt. Das ist ein anderes Jetzt als mein Jetzt. Mir ist es nur sehr eingeschränkt möglich, ihr Jetzt und ihr Erleben oder Ihre Situation, in der Sie das lesen, zu erkennen. Ich kann mein Tun nicht an ihr Erleben und Reagieren anheften. Das Schreiben dieser Zeilen ist ein riskantes Unternehmen.

Sie haben ein anderes Erleben und eine andere Deutungswelt und kommen zu anderen Folgerungen, als ich sie plante, während ich diese Zeilen schreibe. Sie haben andere Erwartungen und treffen andere Entscheidungen zu dem Text. Mir bleibt nur ein vages Bemühen, mir vorzustellen, ob der Text auch so wirken möge, wie ich es in meinem Jetzt dachte.

Das Kommunizierte ist kontingent. Es kann so sein wie es ist (war oder sein wird), aber auch Anderes ist möglich. So sehr ich mich bemühe, in ihr Denken einzudringen, mir bleibt nur die Hoffnung, sie zu verblüffen und sie damit einzuladen, anders zu denken. Oder eben dieses Andere einzubeziehen. Sie entscheiden. Was ich brauche ist, Mut und Lust mit dem Risiko zu spielen.

Perception

Miteinander-Reden will den Spielraum der Wahrnehmung (= perception) öffnen. Ein geschützter Raum ermöglicht die Gesprächsfelder von der Diskussion und Debatte zum Dialog zu führen. Hier werden weniger Argumente ausgetauscht, sondern neue Dimensionen eröffnet. Ein gemeinsames Bewusstsein vermag zu entstehen. es ist eine Chance und keine Garantie. Dieses interaktive Feld (Ich-Du) erfordert Qualitäten, die Menschen öffnen und und den Mut Gemeinsames zuzulassen. Dem wirkt eine andere Kraft entgegen: Diese versucht zu leugnen, festzuhalten an Altem. Manipulieren, Missbrauchen, Erstarrung bis hin zur Vernichtung sind einige Phänomene und Verhaltensweisen.

Beides begegnet uns in der Welt der Kommunikation, wo wir gegen den Anderen feststecken, anstatt das Herz zu öffnen, wie uns David Bohm in seinen Ausführungen zum Dialog nahe legt.

Menschen sind in diesen dynamischen Feldern hin- und hergerissen. Brüche (Disruptionen in Gesellschaft, Politik und priaveten Beziehungen) rütteln uns durcheinander und verunsichern uns. Der Ruf nach mehr Sicherheit und Ordnung wird laut. Ein deutliches "So-ist-es" scheint den Menschen Sicherheit zu geben. Nur es bleibt beim Scheinbaren, das die blinden Flecken überstrahlt.

Nur durch ein Gewahrwerden der beiden Antipoden, eröffnet sich die innere Quelle, die der Kommunikation das Herz öffnet. Perception ist eine Methode vom Schammers entwickelt, die diese Wahrnehmungsfelder öffnnen kann.

Auf unser Thema "Kommunikation" bezogen bedeutet das zu allererst, danach zu streben, den persönlichen inneren Raum wahrzunehmen und Klarheit zu finden, wohlwissend, dass es Winkel bei Ihnen gibt, die sich mir im Moment nicht erschließen und dennoch den Mut zu finden, zu entscheiden, ins Außen zu treten und sich mündlich oder schriftlich zu äußern, wie es sich einem gerade darstellt.

Um die obigen Ausführungen aufzunehmen, bedeutet das, darauf zu vertrauen, dass Sie als Leser bemerken, dass ich mit dem Herzen schreibe. Mein Jetzt liegt beim Leser immer schon in der Vergangenheit. In der mündlichen Kommunikation können die Beteiligten jeweils ihr Verhalten situativ anpassen, weil sie sich hören und -abgesehen vom Telefon- auch sehen.
Dennoch kann das Ergebnis einer Kommunikation (Interaktion) immer symmetrisch oder komplementär sein. Das Risiko bleibt. Die Interpunktion wechselt.

Gucklochmensch und Teil der Welt

Ich kann die Welt aus zwei Richtungen betrachten: Ich entscheide mich das Thema Kommunikation zwischen Menschen durch ein Guckloch zu betrachten und zu berichten, was ich da sehe. Dann bin ich ein Beobachter.
Oder: ich habe kein Guckloch. Ich bin Teil der Welt. Was immer ich schreibe, tue ich in der Welt, und was immer die Welt tut, tut sie mir
(Heinz von Foerster).
Zu entscheiden, wer da Recht hat, ist völlig unsinnig. Es handelt sich um eine Haltung und eine rein persönliche Strategie (a.a.O.).
Beziehe ich die erste Position, irritiert mich das insofern, dass es wahrscheilich Einfluss auf meine Kommunikation hat. Ich versuche beim Schreiben das, was in Zukunft sein könnte, mit Erfahrungen aus der Vergangenheit abzugelichen. Beide Zeitbetrachtungen träfen sich in der Gegenwart. Und dennoch lesen Sie die Zeilen zu einem anderen Zeitpunkt, einem "späteren Jetzt" und wie ausgeführt, sicherlich mit anderer Erwartungshaltung.

Nun ist mir nicht egal, was andere bei meinen Zeilen empfinden. Mein Problem beim Kommunizieren ist: Wie mache ich es, dass der Andere das hört (liest), was ich hoffe, dass er hört (liest). Immer entscheidet der Leser/Hörer, was er gehört hat (gelesen hat). Der andere ist immer frei, ob er mir zuhört/ es liest oder nicht oder ob er das, was ich gesagt/geschireben habe, akzeptiert.
Das macht Kommunikation grundsätzlich riskant.

Möglichkeiten

Man sagt, dass es nützlich sei, die Zahl der Möglichkeiten zu erhöhen. Ein Handeln, das die Möglichkeiten einschränkt, wäre eher nekrophil (Ich folge hier Erich Fromm). Ein biophil agierender Mensch versucht die Zahl personales Leben eher zu erhöhen, statt die Möglichkeiten zu vermindern.
Nicht wenige Menschen begrüßen die Einschränkung der Freiheit, weil ihnen Verantwortung genommen wird und sie nicht mit der Schwierigkeit einer eigen verantworteten Entscheidung konfrontiert werden. Selbstverantwortete Menschen werden einen aufmerksamen Blick auf Anweisung, Regeln oder ein Gesetz haben, weil diese die Freiheit und Möglichkeiten grundsätzlich einschränken.

Zauber

Stimmungen erzeugen, die so ist, dass alle in der Kommunikation mitspielen, ist das Geheimnisvolle. Dieses gemeinsame Spielen ergibt sich, wenn man es mit der Kommunikation schafft, beim Anderen eine Welt aufzubauen, in der das geschieht, was der Leser gehofft hat, dass geschehen und gedacht würde. Das ist Zaubern und das ist die Magie der interaktiven Kommunikation. Der Kommunikator versucht eine Relationsstruktur im Dialog, Gespräch, Schriftstück aufzubauen. Damit tut der Kommunikator etwas Wunderbares, er überredet den Leser, eine Welt zu konstruieren, in der Wunderbares passieren kann. Das Gegenteil funktioniert auch. Man legt das Buch beiseite.

Wenn sie Zaubern können, haben sie auch gelernt, wie man souverän wirkt, wenn man nicht weiß, was man sagen soll. Dieser Punkt sei dem Seminar zur Bühnenwirksamkeit vorbehalten. Diese Energien zu wecken, kann nur in der Gruppe geübt und erspürt werden.

Kommunikation in Zeiten Industrie 4.0 und Digitalisierung

Industrie 4.0 verstanden als weitere "Computerisierung" und effiziente Nutzung der anfallenden Daten, wird oft rein technisch gesehen. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt.

Die folgenden Fragestellungen mögen die Vielfalt aufzeigen:

Wie sieht die Kommunikation mit einer Maschine aus?
Welcher Grammatik folgt eine Kommunikation, wenn die variablen Zunehmen?
Wie kommuniziere ich, wenn logisches, lineares Denken nur noch bedingt greift?
Wie können die starren und nichtliniearen Kommunikationsabläufe dynamisiert werden?
Welche Sprache und welche Denkmodelle ermöglichen eine Kommunikation, die abhängig von den Bedarfen, wie ein Motor hochdreht, abbremst und wieder hochdeht?
Wie bezieht Kommunikation Emotionalität, Intuition, Erkenntnis und neues Denken mit ein?
Welche Interkations-Module können diese kommunikativen Prozesse steuern?
Welches sind geeignete Medien?
Wie kann ich Personen an Kommunikationsprozessen beteiligen - oder eben nicht?
In welchem ethische Rahmen spielen diese neuen Mind-Sets, die eine offenere beweglichere Kommunikationskultur fördert?

Wenn Menschen zum Beispiel in Ihrem Unternehmen nach vereinfachenden kommunikativen Verfahren und Regeln rufen, werden Kommunikationsmodelle und -Regeln versagen, die Kommunikation und deren organisationale Abläufe nicht dynamisieren oder neue Orientierungsmuster und Semantiken liefern. Es gilt die digitale Achtsamkeit zu fördern wie zum Beispiel das "Perception Driven Training" der BS Akademie.

Für Unternehmen gilt, dass die Kommunikation und der Dialog zu einem Möglichkeitenraum für kundenzentrierte und ganzheitliche Innovation (Matthias Horx) führt. Das bdeutet, dass es außer dem Cashflow etwas geben muss, das dem Ganzen Sinn einhaucht. Das kann die Dimension Ökologie (Morton, Ecoligical Thought) unter dem Aspekt der Erreichbarkeit oder eine ganzheitliche Qualität sein. Daraus können neue Nutzungen werden und aus der Vernetzung und Erweiterung neue Beziehungen.
Ein einfaches Kommunikationstraining oder Vortrag durch eine Lichtgestalt wird kaum erlechtend wirken.

Komm kommunikativ spielen!

Kommunikation erschließt sich durch spielen in der Interaktion. Der Speilverderber sagt, das Leben sei kein Spiel! Maturana hält dem entgegen: Spiele! Forschung und Wissenschaft zeigen uns, dass ohne Spielraum Zukunft nur schwer funktionieren kann. Und gespielt wird im Jetzt.
Nehmen Sie Ihre Spielsachen!
Suchen Sie sich Ihre Mitspieler oder springen Sie auf ein neues Spielfeld, wo andere schon spielen.
Spielen macht den Kopf frei, eröffnet Perspektiiven, bringt Menschen zusammen und vermag neue Identitäten zu stiften.

Sie brauchen Zeit, Humor und Geduld.
Sie fangen einfach an , ohne ein konkretes Spielziel. Das Spielende ist nicht absehbar. Gewonnen hat, wer mitspielt.

Viel Spaß beim Spielen wünscht Wolfgang Schneider