Erfolgreich sein

Die Kunst ein erfolgreiches Leben zu führen

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Auf dem Weg zur Höhe, wird man mitunter geblendet

Erfolg

Zahlreiche Menschen greifen auf Erfolgsmodelle zurück, weil sie versprechen, die persönlichen Erwartungen zu erfüllen und der Erfolg mit einfachen Regeln zu erreichen sei. Geht Erfolg so einfach?

Ich sitze im Boot und rudere (Piero Ferrucci)

Erfolg ist das Ergebnis aus Bemühen und Glück. Das kann beabsichtigt oder auch auf eine zufällige Wirkung zurück zu führen sein. Erfolg er-folgt. Erst durch die jeweilige Bedeutung, die Sie oder andere diesem Ergebnis zuweisen, erhält das Ergebnis (der Erfolg) eine Bedeutung: positiv oder negativ. Zugleich ist dem Wort ein Tun und Handeln implizit. Insofern entspricht Erfolg unserem Primat einer aktiven und zielorientierten Leistungsgesellschaft. Einleuchtend ist, dass ohne aktives Tun auch kein Erfolg folgen kann.

Reicht es, Wozu zu fragen, um ein Ziel zu klären?

Trivialisieren Ziele das ratsuchende System? Heinz von Foerster meinte, dass zielorientierte Verfahren die Entwicklungsmöglichkeiten links und rechts kastrieren würden. Ähnliches zeigt uns Laszlo Merö auf.
Gibt es wirkungsvollere Verfahren, einen Menschen auf den Weg zu bringen bzw. sich selbst dahin zu bewegen? Ziele sollten, entgegen den Visionen kurzfristig sein und wie Dörner formulierte, auch immer zur Disposition stehen können.
So werden Zielformulierungen oder Zielabstimmungen zu fortlaufenden Prozessen, die mit der persönlichen Entwicklung sich wandeln.

Was wäre in Bezug auf Ihre beruflichen Leistungsprimate statt Leistungsdruck eine geeignete Frage?
Wie könnte man Berufung oder Entdeckerlust in die geforderten Ziele mit einbringen?

Erfolg stößt zu

Einen anderen Erfolgsweg geht Sun Tsu (Die Kunst des Krieges): Erfolg stößt zu. Erfolg geschieht einfach. Es ist die Logik der Neigung, die die Logik der Finalität ersetzt. Bedingung sei, im Vorfeld die tragenden Faktoren auszumachen. Ein Ziel zu setzen, wäre in diesem Sinn nicht fördernd, denn es stellte einen Bremsklotz mit Blick auf die Entwicklung in einer konrketen Situation dar. Es erinnert an den griechischen Gott Kairos, der die Gelegenheit am Schopfe zur gegebenen Zeit zu packen weiß.

Wenn Es treiben solle, ziehe nicht an den Trieben, meint eine alte chinesische Weisheit. Wie gegensätzlich verhalten sich viele Menschen im Leben, sich dabei wundernd, wenn nichts oder nur wenig blüht.

Wie war das mit dem loslassen?

Ich verstehe Erfolg als das Glück eines erfüllenden und sinnvollen Lebens auf das Etwas hin. Was das Etwas jeweils sei, mögen Sie bestimmen. Es zeigt sich im stillen Gespräch und im leisen Denken. Es ist ein Bereit-Machen, dass das Glück geschehen kann.

Ein füher Mystiker Miguel de Osuna schrieb: Das Siegelwachs wird erwärmt, damit sich das Siegel eindrücken kann.

Wieso empfinden Menschen manche Erfolge freudiger als andere?
Weshalb sind im Dunstkreis eines Erfolgreichen so viele nicht-erfolgreiche Menschen?
Wie wäre es dem zu helfen, was von alleine kommt?

Jeder ist seines Glückes Schmied

Doch nicht jeder Schmied scheint glücklich.

Erfolg allein scheint nicht zwingend glücklich zu machen. Erfolg, sinnvoll angestrebt, vermag einen Menschen jedoch zu erfüllen. Dieser Erfolg ist etwas anderes als nur die laufende Befriedigung triebhafter Strebungen. Meist sind diese Strebungen von außen durch aufoktroyierte Ziele vorgegeben.
Mit Herausforderung übersetzt die Leistungsgesellschaft viele Ziele, die sich dem Erreichen entziehen. Diese Herausforderungen führen eher zu Frust und Stress, so der Erfolgsgetriebene kaum eine Chance hat, das Leistungsziel je zu erreichen. Die Ansätze der Salutogenese zeigen, welche Parameter nützlich sind, ein kohärentes Leben zu leben (Antonowsky, Schiffer).

Erfolg entzieht sich um so mehr, je mehr er begehrt wird , meinte Victor Frankl.

Viele Erfolgs-Coachs verheißen den Erfolg und das Glück der Menschen durch gebetsmühlenartiges Wiederholen von standardisierten Regeln und Formaten. Mit motivationalen grundsätzen und der neurobiologischen Möglichkeit von Veränderungen, haben sich die Lehrer wohl kaum befasst. Sie würden einen anderen Weg einschlagen. Das beispielhafte Anführen von Menschen mit äußerem Erfolg, soll das Verkündete beweisen. Ein nachhaltiger Beweis ist das aber kaum. Erfolg ist komplexer. gepredigt werden Sekundärtugenden wie Fleiß, Disziplin, Ordnung, Sauberkeit, Gehorsam und Pünktlichkeit. Sicher brauchbare Tugenden, die aber so absolut postuliert, immer zu Untugenden werden.

Grundsätzlich nehmen sich Menschen, die diesen Regeln folgen, eher als getrieben wahr, als ein Gefühl zu spüren, selbst etwas bewegt zu haben. Diese so erfolgreichen Menschen, erleben das Erreichte lediglich als Befriedigung, jedoch kaum als Erfüllung.

Kann ich nicht

Mangeldenken und Frustration werden der Treibstoff, für ein nicht erfülltes Leben: Unzufriedenheit, Schuldverschiebung oder Ablehnung der Selbstverantwortung und Mindergefühle sind oftmals die Folge. Sicher scheint bequemer ist es, auf eine Menüleiste zu drücken - wie es manch ein Erfolgsbuch nahe legt, um den Erfolg zu automatisieren. Dieser Weg funktioniert im Gestaltraum des Lebens nur, wenn man an der Oberfläche schwimmt. Man geht zwar zumindest vorderhand nicht unter, doch dietragenden Schätze der Tiefe bleiben diesen Menschen verborgen.

Gingen Menschen näher an das Problem, könnten sie den Gestaltungsraum entdecken, der Möglichkeiten einer erfolgreicheren Zukunft aufzuzeigen vermag und verhindert, sich in Krankheit, Depression oder Mangeldenken zurückzuziehen. Manch einer tritt als Agitator ungestüm eine Flucht nach vorne an. Diese Flucht verursacht Wirbel und der damit einhergehende hecktische Atem, geht sehr schnell aus. Nur wenige Menschen halten diese Geschwindigkeit über längere Zeit durch. Manche vermag dieser Hype und Lärm zu täuschen, doch bleibt es nur eine Wolke, die verraucht; der tragende Grund war nur Bequemlichkeit und Oberflächlichkeit.

Die dahinter liegenden tragfähigen Möglichkeiten, das Potenzial, der innere Grund wie auch eine integrierende Haltung erreichen diese nur auf das Äußere und nur auf Geschwindigkeit ausgerichteten Menschen kaum.

Wahrnehmen und Achtsamkeit

Ein dreiteiliger Weg führt zur Wahrnehmung:

1. Sinnliches Erfassen des Ereignisses
2. Analyse und Durchdenken
3. Wahrnehmen der daraus resultierenden Gefühle.

Dieser Weg braucht Zeit. Ist schon das Ereignis an sich weder gut noch schlecht. Es ist einfach da. Regen ist nützlich für die Blumen, doch wenn ich die Terrasse liebevoll zum Essen gedeckt habe, werde ich mich mitunter ärgern.
Die Gefühle, die Menschen empfinden, folgen auf die Bedeutung, die Menschen den Themen geben - und nicht auf das Ereignis.

Wie wäre es, Ereignisse nicht persönlich zu nehmen?
Wie verhalten sich diese Betrachtungen mit Blick auf den Erfolg?

Die innere Burg

In diese tieferen Wirkräume, die zum erfüllenden Erfolg führen, werden Sie nicht mit der Tür hinein fallen können. Kierkegaard meinte, dass die Tür zum Glück und Erfolg nach außen aufgeht. Der innere Raum ist wie eine Burg durch Wälle umgeben, die überwunden werden müssen, um in den innersten Hof zu gelangen und das Erfolgsgeheimnis zu erkennen.

Erfolg handelt neben der rationalen Betrachtung auch immer vom Lebenswissen. Wenn Sie sich Ihrer personalen Weisheit und Motive bewusst werden und diese in der Folge mit Ihrem Handeln zusammenführen, beginnt es in Ihnen zu brennen: Ihre Innergie, Ihr eigentliches Potenzial.

Sie werden sich Ihrer Individualität bewusst („Man verkauft sich auch immer selbst“) und Sie sind nicht einfach die Kopie von Etwas. Sie werden zunehmend selbst bewusster (= Selbstbewusstsein) und eine zentrierte und integrierte Persönlichkeit. Sie bemerken, das der Erfolg sich in dem Anderen spiegelt und Ihr Narzissmus durch das Oszillieren mit dem Du als Gegenüber zu Leben beginnt udn ins rechte Licht gerückt wird: Das Ich-Du wächst zur Persönlichkeit.

Besitz

Sinnerfüllter Erfolg will Sie nicht besitzen, sie besitzen ihn.

Der wirkliche Erfolg hat ein echtes Bemühen zur Grundlage, bemerkte ich schon oben. Das Bemühen erhöht die Chance für das Eintreten des Erfolgs. Unser Tun bedarf noch der Verlängerung durch die Gunst der Stunde (Kairos). Viele verkennen in der Systematik, dass die Handlung des Menschen allein noch nicht reicht, denn das andere muss „von selbst“ dazukommen.

Weshalb dem so ist?

Nun das bleibt uns verborgen. Doch wer versucht hineinzuwirken, der wird bemerken, dass sich der Erfolg um so schwerer einstellt, je mehr wir ihn begehren. Viele Menschen die das Loslassen üben, bemerken dieses Phänomen.

Die Geschichte der zwei Frauen vor dem Gericht von Salomon berichtet schon im alten Testament über das Thema Besitz. Eine Frau gibt vor die Mutter eines kleinen Kindes zu sein. Die andere Frau behauptet das auch. In dieser so nicht zu entscheidenden Sachlage, greift der höchste Richter Salomon zu einer dramatischen Taktik. Er zückt sein Schwert, hebt das Kind an einem Bein und spricht: Da ich nicht feststellen kann wer die richtige Mutter sei, werde ich das Kind teilen und jeder habe dann eine Hälfte.
Tief entsetzt, schreit die echte Mutter: Gib mein Kind der anderen Frau.
Salomon wusste nun, dass nur wahre Liebe das eigene Kind aufgibt, um es am Leben zu halten.

"Wahres" Erfolgskonzept

Das "echte" Erfolgskonzept liegt darin, sich auf das angemessene Bemühen zu beschränken, ohne sich vom Erfolg abhängig zu machen. Ein Wille, der ausschließlich auf den Effekt (Erfolg) zielt, unterliegt einer folgenschweren Verwechslung, die vom Wunschdenken und Illusionen genährt wird.

Erfolg braucht zwei Elemente:

1. Das Bemühen und
2. die „Gunst der Stunde.“

Ist die Motivation nur darauf gerichtet, Erfolg zu haben, unterliegt dieser Mensch der irrigen Meinung, dass Erfolg eine Willenserklärung sei. Das Bemühen alleinig ist es, das ein Mensch alleinig bewusst beisteuern kann; „Der Zufall entzieht sich“ Victor Frankl. Dieses innere Wollen und das Bemühen (aktive Tun) führen dazu, Glück zu finden. Ausdauer ist gefragt. Geduld erreicht alles, sagt ein spanisches "Mantra".

Vernachlässigen Menschen diese innere Dimension des Erfolgs, führt das im wesentlichen zu drei Effekten:

1. Innere Verkrampfung,
2. geistige und seelische Verunsicherung,
3. einem Gefühl der Leere (meist als depressiv)

Und hier kommt wieder Sun Tsu ins Spiel: Er beschreibt wie Prozesse des Loslassen-Könnens in einem sich „logisch“ ergebenden, erfolg-endenden Ergebnis münden.

Sie können diese Sehnsüchte nicht magisch erwirken oder erzwingen. Doch es kann jede „Herzenssehnsucht“ als freie Geste der Einladung, die Erfüllung antworten lassen, meint Bert Hellinger.

Viel Erfolg