Vertrauen

„Alles Reden ist sinnlos, wenn das Vertrauen fehlt,“ schrieb Franz Kafka

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Vertrauen

Was ist Vertrauen?

Nach Stephen R. Covey ist Vertrauen die Kraft, die alles verändert. Vertrauen sei im weitesten Sinne ein Zutrauen zu eigenen Erwartungen, schreibt Luhmann. Vertrauen ist für die Beziehung eine Schlüsselkompetenz und elementarer Tatbestand des sozialen Lebens. Können Sie mir eine Beziehung nennen, die ohne Vertrauen tragfähig wäre?

Vertrauen ist aber auch ein unscharfer Begriff. Vertrauen spürt man, wenn es da ist. Vertrauen ist also seinem Wesen nach ein Gefühl, eine Befindlichkeit. Vertrauen ist in die Zukunft gerichtet und unterscheidet sich darin von der Vertrautheit, die von der Vergangenheit dominiert wird. Hier gibt es Gewissheit, weil das schon Geschehene nicht mehr ungeschehen gemacht werden kann.

Überlegen Sie, wem Sie wirklich vertrauen. Wer sind die Menschen: a) beruflich b) privat?
Woran machen Sie es fest, dass Sie meinen, einem Menschen trauen zu können?

Vertrauen ist nichts für Weicheier. Im Wort Ver-trauen ist „trauen“ enthalten. Sich trauen erfordert Mut.

Elefanten-Vertrauen

Heinz von Foerster sagte, Vertrauen zeige sich, wenn ich nicht zu prüfen brauche, ob das, was ein anderer gesagt habe oder nicht, der Fall ist oder nicht. Wenn einer mir sagte: „Schau, hinter Dir ist ein Elefant“, sage ich: „Da muss wohl ein Elefant sein.“ Dann drehe ich mich um; jetzt ist der Elefant verschwunden; merkwürdigerweise. Warum?
Ich weiß nicht warum, aber jedenfalls war hinter mir ein Elefant. Das nenne ich Vertrauen. .. „Ich nehme hin, wie er es sagt.“ …Wenn man vertraut, verschwindet das Problem der Wahrheit.


Ich fühle mich im Zustand des Vertrauens: aufgehoben, sorgenfrei, behütet, wohl, geborgen, sicher… Ein Zustand, der existenzielle Bedeutung für einen Menschen hat. Gelingt Ihnen eine Vertrauensbrücke aufzubauen, beginnt sich der Mensch zu öffnen: „Gehirne sind wie Fallschirme, sie funktionieren nur, wenn sie offen sind.“ Sie erfahren Sicherheit und auch Berechenbarkeit, und können sich mit dem Herzen öffnen.

Schattenseiten

Wen wir nicht meinen, durchschauen zu können, dem vertrauen wir nicht so recht. So bedeutet Vertrauen auch, dass uns die Schattenseiten des Anderen nicht verborgen bleiben. Misstrauen ist nicht nur das Gegenteil von Vertrauen, sondern als solches zugleich ein funktionales Äquivalent für Vertrauen, wie Luhmann sagt. Die qualitative Unterscheidung ist, dass Vertrauen (übrigens, Misstrauen auch) soziale Komplexität reduziert, also eine Beziehung vereinfacht, weil Risiko übernommen ( oder im Fall von Misstrauen abgelehnt) wird. Wer kein Vertrauen zeigen will, oder kann, stellt die ursprüngliche Komplexität wieder her. Das überfordert aber den Menschen, der weil er misstraut, nun alle möglichen negativen Ersatzstrategien konstruieren muss.

Menschen brauchen also ein gewisses Maß an Vertrautheit, um vertrauen zu können. Das sind oft Erfahrungen, wo sich der Andere oder man selbst sich bewähren musste. Das funktioniert natürlich auch bei Unbekannten. Denken Sie an den Polizisten oder den Installateur der Stadtwerke, die Sie in die Wohnung lassen, oder wenn Sie z.B: Mitreisende bitten, auf den Koffer aufzupassen.

Mut und Risiko

Vertrauen geht nicht ohne Risiko. Der Vertrauen erbringt, geht in eine „riskante Vorleistung“ (Luhmann). Das liegt daran, dass dem Vertrauensgeber oftmals Schaden zugefügt wird, mitunter erheblicher bis hin zum existenzieller Schaden. Denken Sie an den „Diesel-Betrug“ der großen Autokonzerne oder Finanzbetrügereien wie die Cum-Geschäfte.

Virginia Satir schrieb, dass Menschen, die bereit sind, Risiken einzugehen, auch wenn noch nicht alle Befürchtungen ausgeräumt sind, eher stimmig und lebendig wirken. Das bedeutet, dass diese Menschen auch in Unsicherheiten eher handlungsbereit sind, als Menschen, die nur auf ihre Sicherheit bedacht sind. Eine gerade in der heutigen Zeit notwendige Qualität.

Mutige Menschen bauen eine ungeheure Innergie (innereKraft) auf. Mut, der Mut macht, bedeutet, Ja zu einem aktiven Leben und dem gewählten Beruf zu sagen. Vertrauen zu haben, ermöglicht zu entscheiden. Und Leben ist immerwährendes sich entscheiden.
Leben umfasst viele Dimensionen: das physische, das emotionale, das soziale, das mentale, das intellektuelle, das kognitive, das religiöse, das sinnvolle... Leben. Alle Dimensionen werden von Vertrauen getragen.

Herz

Vertrauen wirkt wie eine gute Kapitalanlage, deren Wert im Lauf der Beziehung steigt.
Rapport bedeutet sich auf den Anderen einzulassen. Doch erst, wenn Sie in diesen Menschen auch "einzusteigen" vermag Resonanz zu entstehen. Das mag Empathie zu erzeugen. Rapport reicht allein nicht aus, um tieferes Vertrauen aufzubauen. Um Vertrauen aufzubauen, muss das „Herz“ angesprochen werden. Sprich mit Herzen, empfiehlt David Bohm. Die Fassadentechnik vermag keine Herzen zu öffnen. Guter Putz hält nur auf festem Untergrund und wenn er sich fest mit dem Untergrund verbindet. Fassadenhafte Menschen bieten diesen Untergrund nicht.
Grundrahmen aller vertrauensbildenden Handelns ist eine den Menschen wertschätzende Haltung, die von Ethik und einem aktiven Humanismus getragen wird.

Selbstvertrauen

Das Zentrum von Vertrauen sind wir selbst. Vertrauen geht immer von innen nach außen. Glaubwürdigkeit strahlen Menschen nur aus, wenn Sie mit sich „im Reinen“, stimmig, authentisch und kongruent sind. Gewöhnlich vertrauen wir nur Menschen mit diesen Qualitäten. Der Vorteil von Selbstvertrauen ist, dass es grundsätzlich in Ihrer Hand selbst liegt, dieses Vertrauen zu entwickeln.

Glaubwürdigkeit strahlen Sie aus, wenn Sie in Ihrer Mitte sind. Desorientierten, nicht-zentrierten oder nicht-integrierten Persönlichkeiten wird das nicht gelingen. Das sind oftmals Menschen, die Masken tragen und/oder Fassaden aufbauen (s.o.). Diese Menschen haben keine handlungsleitenden inneren Werte, oder nur sehr schwache. Auch Menschen, die Ihr konkretes Sozialverhalten nicht im Griff haben oder Menschen, die das Gefühl für die Realität verloren haben. Ein weitere Gruppe sind Menschen, die an einmal gefunden handlungsleitenden Werten oder Charakterstrukturen festhalten, die schon längst nicht mehr gelten, weil sich z.B: der Markt, die Organisation, die Lebensumstände geändert haben.

Ein Zuviel des Vertrauens

Wie vieles im menschlichen Leben, bestimmt die rechte Dosis das Maß. Ein Zuviel an Vertrauen kann zu Leichtsinn führen, der jeden Zweifel ausblendet. Vertrauen Sie, aber vertrauen Sie niemals unbegrenzt. Vertrauen ist für menschliches Zusamenspielen unablässig. Doch jeder Mensch erinnert sich an Situationen, wo mehr Kontrolle sinnvoll gewesen wäre. So könnte die Kontrolle die positive Gegentugend zu Vertrauen sein. Aber auch ein Zuviel der Kontrolle führt wieder zu Unselbständigkeit und Einengung der Selbstentfaltung und einer von gegenseitigem Misstrauen getragenen Beziehung. Je nach Situation wird sich in diesem dialektischen Viereck das angemessene Verhalten für mehr Kontrolle oder mehr Vertrauen ergeben. Die Mitte ist dynamisch. Die Mitte lebt.

Beziehungs-Vertrauen

Covey stellt einige Vertrauensregeln auf, die die Beziehung zu Ihrem Gegenüber aufbauen.

1. Ehrlich sein
2. Respekt zeigen
3. Zuhören
4. Anderen Vertrauen schenken
5. Sich der Wirklichkeit stellen
6. Transparenz schaffen

Ausstrahlung

Weil Vertrauen viel mit der eigenen Persönlichkeit zu tun hat, ist es nützlich Ausstrahlung zu erwerben. In Experimenten ergab sich, dass Menschen mit einer guten Ausstrahlung eher vertrauenswürdig sind. Es gibt Menschen, die brauchen nicht viele Worte, um sich Ihnen zu öffnen.
7 Schritte trainieren Ausstrahlung:

1 Ziele bewusst machen
2 Überzeugen mit Bilder und Metaphern
3 Wir-Gefühl erzeugen
4 Zuhören können
5 Leidenschaft und Herz
6 Zuversicht ausdrücken
7 Mit beiden Beinen auf dem Boden stehen

Sicher gibt es noch weitere Methdoen, Ausstrahlung zu trainieren, doch der kurze Aufsatz heißt: Vertrauen.

Sprechen ist riskant

Was sagt sie?
Was verschweigt sie?
Was ist der Sinn?

Viele Physiker und Philosophen sind sich zwischenzeitlich einig, dass die Welt, die wir wahrnehmen und die Welt, wie sie „wirklich“ ist, sich unterscheidet. Wir sehen nur, was wir wissen, formulierte Goethe. Und das Wissen über die Welt ist bei jedem Menschen subjektiv, geprägt durch viele bewusste und unbewusste Erfahrungen.

Menschen erschaffen sich eine Landkarte ihrer Welt. Die Landkarte ist nicht das Gebiet, ist ein Axiom des NLP. Und Heinz von Förster korrigierte lang vor NLP, dass die Landkarte, die wir sehen, schon eine Landkarte der Landkarte des Gebiets sei. Die Landkarte als „Modell der Welt“, spiegelt nicht eins zu eins die reale Welt oder das Gebiet wider. Es ist nur dessen Struktur.

Keine Konstruktion der Welt eines Menschen gleicht der eines anderen Menschen. Ist es nicht ein Wunder, dass Menschen dennoch immer wieder kommunikativ zusammenfinden? Die Welt wird durch die Unterschiede vielfältig. Menschen, die nicht vertrauen können und eher misstrauen werden stark verunsichert oder verstummen.

Beispiel:
Was ich hier schreibe, ist für mich klar. Doch jeder Leser, liest Unterschiedliches aus den Zeilen heraus: nach seinem Vorwissen, seiner Erwartung, seinem Interesse, seinen Zielen und Überzeugungen. Der Hörer/Leser - also Sie- bestimmenm die Bedeutung. Das ist für mich während des Schreibens des Skripts ein riskantes Unternehmen: Wie wird es ankommen?
Sie beobachten mein Skript anders als ich. Sie relativieren anders als ich. Sie kommen zu anderen Gedanken, als ich sie habe, während ich das Skript abfasse. Auch wenn ich bemüht bin, Sie zu erreichen, sind das lediglich Annahmen und Vermutungen. Wissen kann ich es nicht. „Ich kann über mich sagen, dass ich Ihre Beobachtung meiner Beobachtung unter Beobachtung halte“, schreibt Silke Seemann.
Egal wie, Kommunikation bleibt ein riskantes Unterfangen. Täglich erleben wir dieses Phänomen: Wir sagen etwas und bekommen manchmal etwas Unerwartetes zurück.

Verstehen wir die Hintergründe des anderen und dessen Lebensraum nicht, kann unsere Kommunikation schnell zusammenbrechen oder eskalieren. Da Beziehung auf Interaktion basiert, verwundert es kaum, dass immer wieder Unterschiede entstehen. Das gilt für Organisationen, Teams, Gruppen gleichermaßen, da Kommunikation deren Kit ist. Ohne aktive Kommunikation zerfällt eine Organisation (Niklas Luhmann). Und ohne Vertrauen bleibt Kommunikation ein Zu-Sprechen, aber niemals ein Miteinander-Sprechen.

Aufforderung

Trauen Sie sich zu vertrauen. Die Welt wird weniger komplex und Sie werden in der heutigen von Brüchen geprägten Welt spielen lernen und Spaß finden und offen auf Menschen zugehen