Positiv Denken

Positiv zu denken, eine Antwort auf Lebenskrisen?

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Florat, die Kraft der Blüte

POSITIVE Einstellung

Was das Leben lebenswert macht?

Das Leben ist eine Achterbahn. Es geht durch Höhen und Tiefen. Wem der Schwung beim hinab fehlt, schnauft mehr beim Gegenanstieg.
Dass das nicht so einfach umzusetzen ist, wie uns manch ein Guru der „positiven Denkerszene“ weiß zu machen versucht, wissen wir aus zahlreichen Lebenserfahrungen.

Was richtig ist: Menschen können trotz Belastung von Krisen profitieren und gestärkt daraus hervorgehen.
Wie so oft stellt sich die Frage: Wie?

Betrachten wir die erlebten Krisen, betreffen die meisten einen Teilbereich des Lebens. Wir haben ein berufliches Problem, doch im privaten Bereich geht es uns gut und das gilt auch umgekehrt.

Manche Krisen betreffen uns als Individuum und dann gibt es Krisen, die uns als Gruppe oder Gesellschaft betreffen.
Krise bedeutet in erster Linie eine Zeit, die häufig von Ängsten und Sorgen oder anderen negativ emotional empfundenen Phänomenen, wie Trauer über einen Verlust oder Schmerz begleitet wird. Wir fühlen uns nicht mehr so handlungsfähig.

Diese Krisen betreffen uns seelisch und auch körperlich. Verspannungen, erhöhtes Krankheitsrisiko und alle weiteren körperlichen Folgen von Stress spielen eine Rolle.

Sinn

Menschen, die einen Sinn ihres Lebens verspüren, kommen leichter durch Krisen. Sinn verhilft Menschen zu einem zufriedenen und glücklicheren Leben. Sinnentleertes Leben scheint sinnlos. Antonowsky beschrieb die Phänomene unter dem Begriff Salutogenese. Menschen, die eine Ausrichtung haben, das Gefühl besitzen, das Gewollte handeln zu können und denen ein Grund und Sinn für ihr Tun bewusst ist, halten Druck und Lebenskrisen leichter aus.

Haben Sie eine Ausrichtung?
Glauben Sie das Gewollte auch realistisch bewirken zu können?
Was ist der Grund für Ihr Tun, der IHnen Sinn gibt?

Vereinsamung

Eine Möglichkeit wäre einen Waldspaziergang zu unternehmen, doch oft fällt uns der Elan, aufzubrechen. Wir zeihen uns zurück, verlieren dadurch noch mehr Lebensqualität bis hin zur Isolation. Das ist insofern fatal, weil der Mensch den Austausch mit anderen Menschen braucht. Der Mensch ist ein Sozialwesen und Beziehungswesen, wie uns die Neurobiologie vor Augen geführt hat (Joachim Bauer, Wie wir werden wer wir sind; Prinzip Menschlichkeit). Wir verlieren durch das Zurückziehen und die Einsamkeit uns selbst, denn Resonanzerfahrungen sind nicht mehr in ausreichendem Maße möglich.

Diese Isolation trifft Menschen besonders, die ihr Leben durch Beziehungen (Gruppenteilnahme, Team) überwiegend aktiv gestalten.

Stark aus einer Krise kommen

Dr. Mangelsdorf fand Antworten, wann und wie Krisen zu einer psychischen Stärkung führen können – wie geht das?
Wachstum kann aus Leid hervorgehen, das geschieht aber nicht zwangsläufig. Bis zu zwei Drittel derer, die stark krisenhafte Momente erleben mussten, berichten danach von so etwas wie posttraumatischem Wachstum, also dem Erleben, durch die Bewältigung von herausfordernden Erfahrungen gewachsen zu sein. In der Forschung konnten wir drei Aspekte identifizieren:

I) Die Anwesenheit positiver Emotionen, und zwar auch in den ganz schwierigen und kritischen Phasen.Neues Denken, neues Handeln und Handlungsfähigkeit im Allgemeinen entstehen immer dann, wenn wir mindestens Momente von Interesse, Gelassenheit, Freundlichkeit oder sonstige Aspekte von Positivität erleben.


II) Unterstützende soziale Beziehungen. Wenn es Menschen gibt, die gemeinsam mit mir durch eine schwierige Zeit in tiefer Verbundenheit gehen, mit denen ich sprechen und mich austauschen kann, dann erhöht das die Wahrscheinlichkeit von psychischer Erholung und Reifung ganz rapide.
Das kann auch ein Begleiter*in, Coach sein (Anm. WS).

III) Der Sinn. Jede Erfahrung, egal ob positiver oder negativer Natur, die mein Leben erschüttert, bleibt so lange ein offener Aspekt meines Lebens, bis ich ihr zumindest irgendwann auch im Nachhinein einen Sinn zumessen kann.

Beispiel: „Vielleicht war die Corona-Erfahrung zunächst für mich sinnlos und schwer. Aber ich bin dadurch in das digitale Arbeiten hineingewachsen, habe viel gelernt, weiß jetzt, wer in meinem Leben wirklich wichtig ist und was ich in meiner Zukunft anders machen möchte.“ In einer britischen Studie haben 91 Prozent der Befragten berichtet, dass sie das Leben nach Corona anders weiterführen möchten als davor. Die Antwort darauf zu finden, was anders werden soll, verleiht dem Durchlittenen Sinn.

Zukunft

Wirklich positive Lerneffekte für die Zukunft entstehen erst beim Duchgang durch das "Tal der Tränen". Erst das ermöglicht loszulassen und umzukehren. Dann ist der Weg in die Zukunft frei.

Bei jeder aufgetretenen Krise können Sie sich fragen:

Was habe ich gelernt über meine Arbeitswelt und mein Privatleben, über mich selbst?
Wie habe ich die Unterbrechung meines gewohnten Ablaufs wirklich (stärkend für mich) genutzt?
Was will ich davon beibehalten?
Wie können wir das für eine neue und vielleicht auch bedeutungsvolle Zukunft nutzen?
Erzählen Sie ihre Zukunft. Etzählen Sie diese als Erlebnisaufsatz, der begeistert.



Frust, Ärger, Sorgen

Jede Emotion, gerade auch die negativen, zeigt, was in unserer Psyche gerade vorgeht: Wenn ich trauere, sagt das, verliere ich etwas. Wichtig ist, an dieser Stelle nicht zu versuchen, diese Gefühle einfach wegzuschieben oder zu verdrängen, sondern sie ernst zu nehmen, wahrzunehmen, zu benennen und die Frage zu stellen:
Was will mir dieses Gefühl gerade jetzt sagen?
Und was sind konkrete Schritte, die ich unternehmen kann, um mit diesem Gefühl umzugehen? Aber negativen Emotionen einfach nachzugeben, in grüblerisches Denken zu verfallen und damit diese Emotionen immer größer werden zu lassen – damit tun Sie sich selbst keinen Gefallen (a.a.O.).

Folgen der Krise

Einmal fallen viele Menschen wieder auf das Niveau vor der Krise zurück. Themen Sie die Digitalisierung der Schulen. Im Grunde hat sich nach der ersten Coronawelle nicht wirklich etwas verändert. (=bounce back)
Zweitens kommen Menschen, die durch eine sehr schwierige Zeit gegangen sind und neue Bewältigungsstrategien durch ein krisenhaftes Erleben gelernt haben, gestärkt aus der Krise hervorgehen. (bounce forward)

Bemerkenswert sind Ergebnisse der Untersuchungen mit resilienten Menschen, dass diese zwar unbeschadet durch Krisen gehen, aber diesen Menschen der Lerneffekt der Krise fehlt. Hier sei auf Nassim Taleb verwiesen, der sagt, dass der lebenskompetente Mensch an der Unsicherheit und der „Unordnung“ wächst. Er wird antifragil.

Ressourcen-Garten

Überlegen Sie, wann Sie in Ihrem Leben schon mal eine für Sie schwere Krise gut bewältigt haben.
Profis nutzen ein Notizbüchlein und machen eine Liste all der Menschen, die Ihnen damals geholfen haben. Wenn Sie das nächste Mal in eine krisenhafte Situation kommen, nehmen Sie diese Liste hervor, und machen Sie mindestens zwei oder drei der Dinge, kontaktieren Sie zwei oder drei der Menschen auf dieser Liste ganz bewusst wieder.
Zweitens: Sorgen Sie für so viel sozialen Austausch wie möglich. Wir Menschen sind soziale Tiere (s.o.). Tauschen Sie sich mit anderen aus. Vermeiden Sie allerdings Ratschläge.
Drittens: Notieren Sie Glücksmomente in Ihrem Leben.

Glück

Selbst in dunkelsten Zeiten des Lebens leuchtet ein kleines Licht. Was sind Ihre Glücksmomente in Ihrem Lebe, die immer wieder aufleuchten? Geht es Menschen nicht so, dass Sie im lockeren emotionalen Zustand leichter Lösungen finden?
Wo ist Ihr Platz, wo Sie gerne sitzen oder laufen und in die Sonne blinzeln?

Vernunft

Erich Fromm schrieb, dass zu unseren emotionalen Verhaltensweisen auch unsere Vernunft kommen solle. Wie sieht die rationale Sicht des Themas aus? Was würde ein neutraler Berater rein rational empfehlen?

Tun und Übungsmöglichkeiten

All die genannten Einsichten scheinen einsichtig. Weshalb setzen viele Menschen diese vernünftigen Ratschläge nicht um? Ich will nicht auf die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Willpower und Prokrastination eingehen. Das tat ich an anderer Stelle.
Wie wäre es auch ohne Problem, zu üben? Könnte es sein, dass man das, was angenehm scheint noch angenehmer machen kann?

Übungsmöglichkeit 1

Problem

Was ist das Problem ? In welchen Bereichen/Phänomenen zeigt es sich?
Der Lösungsraum muss größer sein als der Problemraum, um das Ganze zu erfassen. Wo hätte sonst ein Lösungsgedanke Platz?
Welche Lösungen zeigen sich?
Resümee?

Übungsmöglichkeit 2

Ho’ oponopono

Was ist Ihr Anteil am Problem? Womit haben Sie den Konflikt erschaffen? Gibt es einen Grund, weshalb Sie das Problem in Ihr Leben gezogen haben?
Wie können Sie sich verzeihen?
Wie können Sie sich lieben und das Übergeordnete in sich respektieren?

Übungsmöglichkeit 3

Agil denken

Bewegung ins Problem bringen. Wie probleme ich?
In welche Richtung soll die Lösung gehen?
Wie wäre es mit einem Spaziergang?
Was wäre das Gegenteil von dem „Problem-Machen“? Tun Sie das Gegenteil!
Wie erhöhen Sie Ihre Flexibilität?

Viel Spaß beim positiv Denken!