Ein starker Selbstwert

Wie ein positiver Selbstwert im Leben hilft

adria-2010-324
Inwändig

Selbstwertschätzung

Einer starken Persönlichkeit widerfährt eher Erfolg und Glück. "Die Selbstachtung ist wichtiger als jegliche von außen kommende Anerkennung."

Selbstwertschätzung

Was ist Selbstwertschätzung?

Der Begriff ist vielfältig. Es ist das Ausmaß, wie ein Mensch sich selbst einschätzt bzw. wertschätzt. Im Alltag werden zahlreiche Begriffe verwandt. Astrid Schütz nennt z.B: Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Selbstbejahung oder Selbstbhauptung. So zeigen Menschen, die sich selbst positiv einschätzen meist auch ein höheres Wohlbefinden. Selbstwertschätzung ist eine subjektive Haltung.
Menschen hingegen mit einer niedrigen Quote der Selbstwertschätzung sind häufig nicht so leistungsfähig, neigen eher zu Depressionen und Stimmungsschwankungen.

Während das Selbstkonzept ein Bild der eigenen Person ist, bezieht sich Selbstwertschätzung auf die Bewertung der eigenen Person.

Selbstwertschätzung kann sich zeigen:

1. der Mensch kann stabile soziale Beziehungen aufnehmen,
2. er ist sich seines (Selbst-)Wertes bewusst,
3. er ist fähig Gefühle auszudrücken,
4. der Menschen kann sich anderen gegenüber öffnen und hat ein ausgewogenes Verhältnis zu Distanz und Nähe
5. er hat ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Aktivität und Passivität (wie z.B durch Zuhören) in der sozialen Interaktion

Schattenseiten

Wie vieles in der Welt kann ein Zuviel der Selbstwertschätzung zu selbstgefälligen, eitlen, selbstverherrlichenden, selbstverachtenden Verhaltensweisen führen. Auch Arroganz, Selbsthass oder Minderwertigkeitsgefühle können Auswirkungen fehlgesteuerter Selbstwertgefühle sein. Facebook und Instagram führt uns das bildhaft vor.

So scheint es wichtig, das Augenmerk auf die Diskrepanz zwischen Ich-Ideal und Ich-Real zu richten. Ich-Ideal ist die Wunschvorstellung, die Menschen von sich in Bezug auf Verhalten, Werthaltungen, Zielvorstellungen, Absichten und Interessen haben. Es wird meist als Ich-Wirklichkeit internalisiert. Dem steht das Ich-Real gegenüber, das die Menge aller möglichen wahren Abläufe in der Welt seien, sagt R. Lay. Ein authentischer Mensch wird Sorge tragen, sein Ich-Ideal am Ich-Real auszurichten, auch wenn das ihm nie zur Gänze gelingen vermag.
Gelingt der Ausgleich überwiegend nicht, wird der Mensch versuchen die Defizite zu kompensieren. Vielfach finden wir bei Menschen mit Führungsfunktion dieses Defizit, da sie die mangelnde eigene Selbstwertschätzung und unrealistische (Selbst-)Einschätzung von Ich-Ideal und Ich-Real über hierarchische Ebenen undlegale Autorität zu kompensieren suchen.

Wie kommen wir zum Wissen über unser Selbst?

Eine Weise ist, sich selbst zu beobachten. Wie manifestiert sich inneres Erleben körperlich? Etwa, wenn Menschen bemerken, es wird ihnen bei einer Präsentation warm, oder Menschen empfinden einen Druck auf der Brust. Andere berichten, es schnüre ihnen die Kehle zu, wenn sie in einem Bewerbungsgespräch oder einer Verhandlung sitzen.
Menschen gelangen zu ihrem Wissen dadurch, dass sie sich an diese Imprints (Ereignisse) in der Vergangenheit erinnern. Diese Menschen empfinden sich dann oft als unsicher oder nicht belastbar. Ist eine Präsentation sehr gut gelaufen, weiß dieser Mensch nun, dass er trotz Anspannung eine Aufgabe gut meistern kann. Er wurde sich selbst bewußt: er schätzt sich selbst in der Zukunft positiver als in der Vergangenheit ein.

Grundwort: Ich-Du

Ein anderer Zugang zum Selbst, ist das Feedback. Feedback basiert auf sozialer Rückmeldung. Menschen entwickeln ihr Selbst durch Resonanz, schreibt Joachim Bauer (2019). Es ist neben anderen Faktoren ein Lebenselexir, das das menschliche Motivationssystem anspricht. Wird es, wie unrühmliche Experimente der Isolation über längere Zeiträume zeigten, nicht angesprochen, schaltet es einfach ab. Der Mensch wird so leicht zum Treibholz und Spielball anderer. Das Selbst komponiert sich im Laufe des Erwachsenwerdens durch Spiegelung und Resanz (s.o.). Dass das Selbst mit dem Du unauflöslich verbunden ist, stellte schon Martin Buber (Das dialogische Prinzip) fest und erhielt in den letzten Jahren die neurobiologische Bestätigung.

Wichtigste Quelle ist aber die Selbstbeobachtung und Selbstbewertung. Diese Beobachtung der eigenen Kompetenz in Form der Selbstbeobachtung, ist die wichtigste Quelle der Selbstwertschätzung. Der Vorteil ist, dass der Mensch das alleine vornehmen kann, vorausgesetzt er verfügt über die notwendige Sensitivität.

Das können Sie üben, indem Sie kleine Pausen machen, nur auf Ihren Atem achten, etwas betrachten oder einfach nur still sitzen. Weitere Anregungen finden Sie in unzähligen Büchern. Keines der Bücher hat das neu erfunden. Es ist seit Jahrtausenden verankertes Menschheitswissen: blättern Sie zu Meister Eckhardt (etwa 1200), den christlichen Mystikern (16 Jahrh.), dem Bhagavad Gita (etwa 300 a.C.) oder Rumi (etwa 1000) zurück.
Sie brauchen dazu keinen Kurs buchen. Sie selbst genügen! Wieso beschränken Menschen einen Kirchenbesuch nur innerhalb kultureller Pflichten abhacken? Nutzen Sie den Raum der Stille in einer Kirche, nur für 3 Minuten. Es geht nur um das In-der-Stille -Sein und um kein Glaubensbekenntnis!

Stärkung des Selbstwerts

Quelle der erhöhten Selbstwertschätzung sind, nach einer Diplomarbeit von Müller & Gegenfurtner/Uni Bamberg:

> Menschen beeinflussen können
> Direkt-sein
> Bestätigung der eigenen Schönheit
> Die Welt offener und wahrer wahrnehmen
> Sich zugehörig zu fühlen
> das Gefühl aus "gutem Stall“ zu kommen
> Ein persönliches Gefühl, erfolgreich zu sein
> Als Freund verlässlich zu sein
> Gut zuhören zu können
> Hilfsbereit zu sein

Es zeigt, dass die Quellen des Selbstwerts vielfältig sind. Und wie vieles im Leben kommt es auf das rechte Maß an: die oben aufgezählten Selbstwertquellen führen in einem Zuviel zur „negativen Gegentugend“. So erhöht Erfolg zwar den Selbstwert, doch gleichzeitig führt die Leistungs- und Wettbewerbsorientierung schnell zu einer psychischen und körperlichen Überlastung.

Selbstakzeptanz

Grundsätzlich bestärkt eine Ausgeglichenheit zwischen Ich-Real und Ich-Ideal das Selbst.
Kann an sich ein Mensch so akzeptieren, wie er ist, ohne dies ausschließlich von äußeren positiven Rückmeldungen oder persönlichen Leistungserfolgen abhängig zu machen, wird das eine besonders stabile Quelle der Selbstakzeptanz.

Kulturelle Gegebenheiten und Vorgaben der Gesellschaft oder sozialer Institutionen verändern sich je nach der Zeit, in der sie stattfinden. Diese zeitlichgeschichtlich variierenden Phänomene stehen mit dem Selbst und den menschlichen Verhaltensweisen im Zusammenhang. Das positive Selbstbild war zur Zeit der Römer ein anderes als zu Freuds Lebenszeit und hat sich in den letzten Jahren auch wieder transformiert. Oft geschieht es unbemerkt und wird erst im Rückblick auf die Quellen deutlich. Als Beobachter*in können wir die Zusammenhänge und Muster im Rückblick sehen. Das setzt einen Menschen voraus, der sich gedanklich und emotional in eine andere Welt und Vorstellungen versetzen kann. Ohne Kreativität und innere Dialogfähigkeit gelingt das nicht. Diese erschließt sich durch eine Art intellektueller Empathie.

Anders gesprochen, ist Kreativität originär. Sie erschließt eigene Zugänge und ermöglicht anderen, ebenfalls eigene Zugänge zum Selbst zu finden.

Wie bei Kritik, können manche Menschen können damit umgehen und wieder andere, werden stark verunsichert. Zwei Motive kommen in Konflikt: Einerseits möchten Menschen grundsätzlich positiv wahrgenommen werden (= Selbsterhöhungsmotiv) und andererseits möchten Menschen auch zutreffend (= Konsistenzmotiv) wahrgenommen werden.

Dynamisierter Selbstwert

Selbstwert ist wie die überwiegenden Persönlichkeitseigenschaften, durch eine Eigenschafts- (trait) und Zustandkomponente (state) gekennzeichnet. Einmal basiert er zu etwa 50 % auf genetischen Einflüssen und der Lebensgeschichte. Zum Anderen schwankt er in Anbhängigkeit von kontextualen Veränderungen (s.o.).
Verhalten und Selbstwahrnehmung koppeln sich zurück. Zwei Wege zeichnen sich ab:
der personale, bei dem die Internalisierung durch beobachten des eigenen Verhaltens geschieht.
Beim sozialen Weg der Internalisierung spielen andere Menschen die vermittelnde Rolle. Experimente zeigten, dass dieser Weg einflussreicher auf die Selbsteinschätzung ist: das, was ein Mensch vor Anderen tut, wirkt nachhaltiger, als das, was Menschen unbeobachtet tun.

Und nun?

Hohe Selbstwertschätzung ist nicht uneingeschränkt günstig, wie die Betrachtungen und Hinweise zu einem "Zuviel" an Selbstwerteinschätzung zeigten. Die Steigerung des Selbstwerts kann nur dann ein sinnvolles Ziel sein, wenn der ganze Mensch mit einbezogen wird. Zu vielschichtig ist ein Mensch und seine Zusammenhänge.

Die primären Tugenden können als Regulator dienen, um das rechte Maß zu hinterfragen, das den Selbstwert nicht als manifeste Größe sieht, sondern diesen in Abhängigkeit der Situation dynamisiert. Man sollte Schwimmen können, bevor man ins tiefe Wasser geht, meinte Theresa von Avila. Es ist wichtig, auf einer sicheren Basis zu stehen. Der eigene Selbstwert sollte (überwiegend) nicht in Abhängigkeit von Erfolgen und Anerkennung stehen. Er sollte nicht immer wieder verteidigt werden müssen, schreibt Astrid Schütz.

Stehen Sie zu sich!
"Die Selbstachtung ist wichtiger als jegliche von außen kommende Anerkennung."