Wunder der Sprache

Sprache verzaubert. Nur wenige beherrschen diesen Zauber.

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Magie der Sprache

Magie der Sprache

Von Sprache geht ein Zauber aus. Beherrschen Sie die Zauberei, bedeutet das, dass Sie über Sprache ähnlich einem Magier einen Kontext erzeugen. Das ist die Welt, in der die Kommunikationspartner (bewusst oder unbewusst) mitspielen und ihre eigene Welt(en) erzeugen. In dieser Welt passieren dann wunderbare Sachen. Stimmungen verschwinden und neue entstehen, Worte lösen Emotionen aus und Worte bewegen Menschen und Massen, Menschen lieben oder hassen, vertrauen und haben den Mut plötzlich etwas zu wagen.

Sprache kommt über Worte zur Welt, so Worte vonSloterdijk). Worte sind der formale Träger der Sprache. „Sprache ist eine offene Menge von Zeichen und Verbindungsregeln von Zeichen, die in einer Gesellschaft zum Zweck der Mitteilung gebildet werden können“ (Manipulation durch Sprache, 1990, Rupert Lay). Sprache ist nicht ein autistischer Vorgang, sondern immer eine zwischenmenschliche Prozedur (Schulz von Thun, Spielfelder der Kommunikation). Watzlawick benennt Kommunikation als aktive Interaktion, die einer Axiomatik folgt („Menschliche Kommunikation“).
Wer die Macht und den Zauber der Sprache durch das Wort versteht zu nutzen, wird in jeglicher menschlichen Interaktion von Vorteil sein. Und Sprache läuft immer auf einer verbalen und nonverbalen Ebene ab.

Der Hörer schafft die Bedeutung

Und plötzlich gilt der Satz: Der Hörer und nicht der Sprecher bestimmt die Bedeutung einer Aussage. Sie haben mit Ihren Worten eine Stimmung erzeugt, die es ermöglichte, dass der Hörer sich eine Welt mit eigenen Bedeutung konstruieren konnte. Sie wurden zum Magier der Worte. Sie haben die kommunikative Tiefenschicht des Anderen erreicht. Haben Sie auch noch die Koordinationseinstellung angetriggert, begegnen sich zwei auf Partnerschaft eingestellte Menschen. Der manipüulativ orientierte Mensch, wird alleinig versuchen die auf Subordination ausgerichtete Ebene zu erreichen, die eher auf ängstliche Stimmungsdispositionen ausgerichtet sind oder Freude nur als Zweck für eigene Interessen benutzt. Diese so kommunizierenden Menschen (auch Führungskräfte) wollen mit ihrer Art der Kommunikation dominieren. Dazu gehören Menschen mit zweifelhafter sozialer Performanz. Oft sind das Menschen mit gering entwickelter Fehlertoleranz, Antriebsüberhang, stark ausgeprägter narzisstischer Dominanz, besonderen sozialen Ängsten, erheblichen Mindergefühlen. Auf die Übersteigerung ins Pathologische gehe ich hier nicht ein. Diese Menschen mögen manchmal kurzfristig gewinnen, aber immer das Spiel einer resonanten Beziehung verlieren.

Der Zauberstab

Diese Magie zu beherrschen lernen, bedingt einen Zauberstab, der beim Gegenüber (das kann auch eine Gruppe sein) förderliche Haltungen für ein Gespräch aktiviert, die Beispielsweise Selbstöffnung, Selbstauseinandersetzung und Selbstwert ermöglichen. Dass das alleinig mit einer rein technisch ausgerichteten Kommunikationswerkzeug nicht in der notwendigen Tiefe erreicht werden kann, sollte sich von selbst verstehen.

Auf der anderen Seite steht der Zauberer, der es verstehen muss, Magie zu erzeugen. Dass das auch bösen Zauber ermöglicht, zeigt die Geschichte, wie zum Beispiel Klemperer in seinem Buch LTI verdeutlicht.

Wir handeln hier über den ethisch verpflichteten Wort-Magier. Der Zauberstab vermag seine Wirkung zu entfalten, so der Zauberer stimmig und fassadenfrei und ohne Maske handelt. Der hier gemeinte Zauberer vermag durch Fühlen und Empathie die Welt reicher erleben und kommt so sich und dem anderen Menschen näher. Er vermag sich dem Anderen freier zu nähern, weil er sich kennt. Dass personale Qualitäten nicht in einem Wochen- oder Tagesworkshop gelernt werden, sei unterstellt. Weltbilder, Lebenswissen und Grundhaltungen des Menschen sind Fernziele.

Dass es wesentlich auch auf die Persönlichkeit des Zauberers ankommt, der den Zauberstab bedient, sei unbenommen, ist aber nicht Inhalt dieser Zeilen.

Die Wortmagie

Ein paar Beispiele der Magie seien aufgezeigt.

-Fluchen

Wir wissen, dass Stress körperlichen Einfluss hat. So löst das Aussprechen von Tabuwörtern körperliche Stresssymptome aus. Sie werden auf diesem Weg schneller im Unbewussten des anderen anlangen.
Forscher vermuten dahinter eine frühe emotionale Konditionierung: Kinder lernen, noch ehe sie die Bedeutung der bösen Wörter begreifen, dass die Eltern wütend werden, wenn sie fallen. Ein beliebtes Spiel der unfairen Dialektik und manipulativen Führungsdialektik.

Wie können Sie dem entgegentreten?

-Etiketten

Eine andere Beeinflussung sind Etikettierungen, die zum Beispiel ein Geschmackserlebnis beeinflussen. Ein Experiment an der Hochschule Harz ergab: Heißt ein Tee "Tropical Feeling", schmeckt er nach Auskunft von Testpersonen exotischer, fruchtiger und erfrischender, als wenn der Name "Vor dem Kamin" auf dem Etikett steht. Dabei war die Teesorte im Test immer dieselbe.

Sicher kennen Sie auch die Wirkung von Worten auf die Sinne. Romane können sich wie eine zweite Realität anfühlen. Kein Wunder: Lesen wir z.B. Wörter wie »Parfüm« oder »Espresso«, wird im Gehirn auch jenes Areal aktiviert, das Gerüche verarbeitet. Werden in einem Text Bewegungen beschrieben, aktiviert das den Motorkortex im Gehirn. Man vermag sich dadurch sogar selbst manipulieren: Wenn Menschen »greifen« sagen, während sie nach etwas greifen, werden ihre Bewegungen flüssiger. Probieren Sie es aus!

Wie wäre es, Werbung zu analysieren, ob sie nicht auch damit spielt?

-Vorurteile

Es gibt annähernd keine Äußerung, die nicht der Macht der Vorurteile unterliegt: bewusst oder unbewusst. Schon Erich Fromm legte uns nahe, sich damit zu befassen. Horkheimer sagte, ein positives Vorurteil ist mit dem negativen Vorurteil eins.
Hören Sie gut zu, wenn Sie mit Menschen sprechen, Sie geben Ihnen die Vorurteile im Reden preis. Kennen Sie die gesellschaftlich verankerten Vorurteile, erkennen Sie diese "Wort-Metaphern", können diese nutzen, erfolgreich zu kommunizieren, zu verhandeln und zu überzeugen.

Greifen Sie es an!
Ist der Damm gebrochen, bemerken Sie, welche Möglichkeiten in Fluss kommen.

-Glaubens-Wissen

Glauben-können ist eine der vielen Voraussetzungen für ein gelingendes, glückendes Leben, schrieb Rupert Lay.
Zaubern ist nur im Zusammen mit Anderen möglich, kann sich nur in diesem Zusammen entfalten. Es setzt Vertrauen voraus. Vertrauen in den Menschen, dem wir glauben und wir vertrauen in seine Stimmigkeit. Was präsentiert der Zauberer. Menschen wissen, dass der Zauberer der Worte zaubert, dass er uns täuscht. Das schließt aber nicht aus, dass wir uns täuschen lassen wollen. Erinnern Sie ein Gedicht oder liebe Worte, die Sie wärmten, diese Worte vermochten, in Ihnen eine zauberhafte Welt zu erzeugen: oder aber das Gegenteil.

Vertrauen ist wie eine Matrix für die Magie der Worte. Zu vertrauen, bedingt aber Mut.

Kritisch hören

In LTI schireb Klemperer: "Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwrikung da."
Hören Sie genau hin! Sind Sie mit allen Sinnen bei dem anderen Menschen, wenn er Ihnen etwas erzählt. So werden Sie das Gift rechtzeitig bemerken. Ein Gegenmittel sind Fragen, was denn der Andere mit seinen Worten meine.
Doch möchte ich Sie auch anregen und ermutigen trotz prüfender Einstellung, Menschen zu vertrauen und die Wahrnehmung der Farben und zauberhaften Möglichkeiten der Sprache sich bewusst zu machen und mit dieser Farbenpracht und Welt der Möglichkeiten auf das Spielfeld der Kommunikation und Interaktion zu treten und auch öfter den ersten Spielzug zu wagen, um dem angestoßenen Zauber zu folgen.

Das ist riskant, denn Ihre Welt ist nicht die Welt des anderen Spielers. Wenn Sie das Wort gesprochen haben, ist es fixiert. Der Angespielte hört das Wort erst zeitlich versetzt. Er hat eine andere Assoziationswelt. Er interpretiert das Wort vielleicht anders. Doch ohne den Mut des ersten Spielzugs, werden Sie nie erfahren, wie es ist, wenn er Ihren Ball aufnimmt und mitzuspielen beginnt. Erst im gemeinsamen Spiel, vermag sich der Zauber zu entfalten und etwas Magisches entstehen, das Resonanz auf verscheidenen Ebenen zu erzeugen vermag. Ohne Mut und Vertrauen wird das Spiel nicht gelingen. Formale und technokratische Kommunikationsregeln, vermögen zwar manche Erfolge generieren, aber der Zauber erschließt sich Ihnen nicht. Sie mögen eine Schlacht gewonnen haben, aber den Krieg haben sie verloren.

Mein Aufruf ist: Zaubern Sie!
Haben Sie Mut, sich Ihres Verstandes bedienen und indem sie einfühlend Ihrem Hörer eine Welt öffnen, die ihn zumindest für eine kurze Zeit erfreuen kann.

Wie sähe ein Gespräch aus, in dem Sie ihrem Gesprächpartner*in eine Welt eröffnen?

Wollen Sie sich zum Thema austauschen: Kontakt zu Wolfgang Schneider