Die Macht der Metapher

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Die Kraft der Metapher nutzen, ist wie verbal zu malen.

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Wege










"Die Gefolgschaft dürstete, da nahm Moses
seinen Stock
und schlug `wütend`
an den Felsen.
Eine Quelle öffnete sich und Wasser sprudelte hervor."
(Psalm 78:16)

Definition i.e.S.

Die Metapher wird als rhetorische Figur verstanden, bei der ein Wort nicht in seiner wörtlichen, sondern in einer übertragenen Bedeutung gebraucht wird, und zwar dergestalt, dass zwischen der wörtlich bezeichneten Sache und der übertragen gemeinten, eine Beziehung der Ähnlichkeit besteht.
Wikipedia zu Metapher
Diese Definition ist nicht neu und gibt wieder, was Aristoteles vor 2500 Jahren beschrieb: die Metapher als eine Figur der Poetik und Rhetorik.
Metapher meint Übertragung, Transfer oder Übersetzung und kommt aus dem griechischen.

Als rhetorische Form beschreibt die Metapher die sprachliche Anwendung, die ein Wort nicht im eigentlichen Sinn, sondern in einer übertragenen Bedeutung verwendet. Metaphern sind schwammig in der Bedeutung, auch wenn die Bilder gefühlt konkret scheinen (Das Wasser ist kristallklar).
Würde die Metapher die Idee 1 in der Idee 2 zu 100 % abbilden, wäre es ein und dieselbe Idee.

Ein Baum ist einmal die biologische Beschreibung einer Art. Zugleich kennen wir den Baum als Bild für Stammbaum, Lebensbaum, Entscheidungsbaum, Wachstum, Standhaftigkeit, verzweigende Struktur oder Höhe usw. Die jeweilige implizit gemeinte Bedeutung kann einmal der Sprecher vorgeben, auf der anderen Seite bestimmt ausschließlich die Erfahrungs- und Erkenntniswelt des Empfängers die konkrete Bedeutung.

„Fadensonnen
Über der grauschwarzen Ödnis.
Ein baum-
hoher Gedanke
greift sich den Lichtton: es sind noch Lieder zu singen jenseits der Menschen
.“

Paul Celan

Definition i.w.S.

Den Begriff `Metapher ́ können wir auch in einem weiteren Sinn als die rein rhetorische Figur sehen. Schon Aristoteles wandte den Begriff Metapher in einem weiteren Sinn an. Die Differenzierungen der Germanisten von Fabel, Märchen, Gleichnis, Vergleiche, Parabel oder anderen Erzählarten, poetische Zwischentöne, psychische und philosophische Zwischenreiche, subsumiere ich in der Folge alle unter den Begriff `Metapher ́.
Zur Metapher zähle ich auch Bild-Symbole, Archetypen, die Sprache an sich und Rituale. Damit gehen diese verbalen Bildmalereien über den rhetorischen Redeschmuck hinaus (ornatus). So sehe ich die Methapher als ein unentbehrliches und erfinderisches Mittel des Sprechens, um die Geschichtlichkeit des Seins zu enthüllen (Grassi).

Damit drückt sich in der Sprache aus, was wir nicht durch sie ausdrücken können. Wir nutzen den Zauber des Wortes, der Aussage.

Ziel der Metapher

Metapher hat im Business, politischen Kontext, Coaching oder der Therapie ein Ziel und einen Zweck. Metaphern wollen konkret bei Menschen, dem Gegenüber oder der "Masse" etwas anstoßen und den Menschen zu etwas bewegen, verwischen oder subliminal anregen: im Guten wie im Bösen.
Uralte Glaubenskriege im religiösen wie politischen weisen darauf hin: Die Ungläubigen (des jeweils Andersgläubigen) sind das Böse an sich. Es kann durchaus sein, dass die Aussage unbewusst getroffen wurde, da die Meinungen zum Beispiel einer gelerntern abendländischern Auffassungen und der daraus resultierenden Ängsten entspricht. (Kreuzzüge, Türken vor Wien, Islamistische Bedrohung von Europa über die iberische Halbinsel (732 bis ca. 1490)).
In einem anderen Kontext beschreibt Lakoff den Wandlungsprozess an Hand des 11.09.2001 in Amerika, als aus einer kriminellen Handlung am Nachmittag des Unglückstages aus einem Verbrechen Terrorismus und letztendlich ein Glaubenskrieg wurde. Machtpolitisch gesehen ein gelungener Coup von Bush. Von nun an konnte er und in der Folge alle Präsidenten die Freiheit der Menschen nach belieben einschränken. Als Terrorist betitelt, konnten Aktionen an der Judikative vorbei geschleust werden und die Presseberichterstattung nach belieben gesteuert bzw. zensiert werden (siehe Berichterstattung zum Irakkrieg als „sauberer Krieg“ ohne Tote, die innenpolitische Lage der Türkei und vieler diktatorischer Institutionen.
Demagogen und Politiker, aber auch Konzerne verstehen es ebenfalls, auf dieser Klaviatur zu spielen. Sie nutzen Bilder, um zu steuern und gezielt Emotionen zu wecken. Um diesen Prozessen nicht ganz hilflos ausgeliefert zu sein, sei der Blog von Wolfgang Schneider "Manipulieren" empfohlen.

Metaphern nützen,

Einige Berispiele der Metapher i.w.S.
- wenn ein Sachverhalt nur sehr komplex beschreiben werden kann (Klimawandel, Globalität, wirtschaftliche Verflechtungen)
- wenn eine bezeichnete Sache nicht direkt beschrieben werden soll, weil unerwünschte (Neben-)Wirkungen befürchtet werden (Lebensabend, Eisberg, versiegender Strom
- wenn kein Wort an sich existiert, um einen Gegenstand zu beschreiben: das Tisch- oder Stuhlbein.
- wenn eine besondere Eigenschaft hervorgehoben werden soll: bärenstarke Aktion, Verhalten von Mitarbeitern wie Karpfen im Karpfenteich
- wenn Emotionen über Bilder leichter beschrieben werden: eine kühle Verhandlungsatmosphäre, heiße Liebe, schwammige Ausdrucksweise


Metapher, eine Art des Denkens

Das grüne Land...

These: Menschen denken in Bildern.
Innere Bilder sind Vorstellungen, die wir in uns tragen und die unser Denken, Fühlen und Handeln bestimmen. Es sind Ideen und Visionen von dem, was wir sind, was wir für erstrebenswert finden und was wir vielleicht einmal erreichen wollen. Diese Bilder sind abgespeicherte Muster, die uns helfen, um uns in der Welt zu orientieren und komplexe Sachverhalte zu erfassen. Wir brauchen die Bilder, um Handlungen zu planen, Herausforderungen anzunehmen und auf Bedrohungen zu reagieren. Die inneren Bilder bestimmen, ob etwas schön und anziehend oder hässlich und abstoßend erscheint.

Kommunizieren und Denken bedeutet, Benennen von Dingen so wie sie im eigenen Gehirn vorhanden sind; und das ist in metaphorischer (bildhafter) Form. Das ist niemals die Realität im Außen (näheres bei Luhmann, Frirtz B. Simon, Heinz von Foerster/ Konstruktivismus). Wenn auch die Neurobiologen den Vorgang als hochkomplexe Nerven- Verschaltungen beschreiben, so haben wir dennoch zu diesen Vorgängen Vorstellungen, die wir als Bilder bezeichnen können (Gerald Hütter). Für den Neurobiologen verbirgt sich hinter all den Gedanken, was den Menschen antreibt sein Leben zu gestalten, immer das Gleiche: biochemische Abläufe, die zu Mustern führen. Diese verankerten Verhaltensmuster zwischen den Nervenzellen formten sich im Lauf des Lebens aus unterschiedlichsten Eindrücken. Immer wenn eine Verschaltung aktiviert wird, entsteht ein bestimmtes Erregungsmuster, das sich auf andere Bereiche ausweitet und so das Denken, Fühlen und Handeln in eine Richtung lenkt. Je stärker eine Nervenzelle und die Verbindungen genutzt werden, desto stärker werden sie. Das zeigt uns, dass Denken ein physischer (körperlicher) Vorgang ist. Es ist wie in einem Fitnesszentrum, wo Sie ihren Bizeps trainieren; er wird immer stärker werden.
Bei bekannten Bildern, wirkt das Phänomen der kortikalen (die Großhirnrinde betreffend) Entlastung: Das Gehirn benötigt weniger Gehirnaktivität und weniger Energie. Das bekannte Muster im Hintergrund wirkt somit entlastend.

Verändern

Wenn ein Therapeut, Coach oder eine Führungskraft sich bemüht, die bisherigen Überzeugungen, Haltungen und Einstellungen eines Menschen zu verändern, arbeiten sie an diesen inneren Mustern und versuchen sie umzuformen. Dass das nicht so einfach ist, bemerken Sie, wenn Sie Menschen beobachten, die trotz Direktionsanweisung oder wohlgemeinten Ratschlägen, dennoch wieder in das alte Muster (zurück-)fallen.
Eine Lösung zum Beispiel ist, die Menschen in die Lage zu versetzen, Sicherheit bietende Bilder wach zu rufen, die in ihnen schon angelegt sind. Diese können die Sackgassen wieder öffnen, auflösen oder lockern. Der Mensch erhält mehr Möglichkeiten.

Metapher und Wissenschaft

Wie verbindet sich die exakte Wissenschaft mit einem schwammigen Bild?
Das unscharfe Bild ermöglicht neuen Einsichten. Erst wenn die Bilder verschwimmen, verschwimmen auch die Grenzen und ermöglichen, über die Grenzen zu gehen.
Kékulé träumte von tanzenden Schlangen und wachte mit dem Bild des „Benzolrings“ im Kopf auf. VW stellte sich vor, wie die Welt mit einem Netz von Werkstätten überzogen ist, um überall die Sicherheit der Hilfe zu haben. Diese Ansprache des überall aufgehoben seins und der Sicherheit, hat die Menschen überzeugt: er lief und lief.
Methapern sind innere Bilder, die sich hinter äußeren, sichtbaren und messbaren Phänomenen verbergen. Sie lenken unsere Handlungen und Reaktionen.

Rahmen

Lakoff stellte die These auf: Metaphern sind Deutungsrahmen. Die Deutungsrahmen strukturieren Informationen und Wissen, ordnen Sinn zu. Wir begreifen Dinge, indem wir sie neuronal simulieren. Wir geben den Dingen eine Bedeutung (= Rahmen = Frames). Außerhalb von Rahmen können Menschen nicht denken. Denken schließt immer Imagination ein, meint George Lakoff. Er sagt, es gibt zwei Arten von Frames:

1. Surface Frames
2. Deep Seated Frames

Surface Frames bezeichnen die sprachliche Ebene, auf der wir die Bedeutung einzelner Sätze und Worte (bewusst) erfassen. Deep Seated Frames sind in unserem Gehirn tief verankerte Rahmen. Diese strukturieren unser Weltverständnis. Es sind Haltungen, Wertannahmen, Prinzipien, Moral, politische Ausrichtungen, kurz das, was der einzelne Mensch oder die Gruppe für wahr (wirklich) hält.

Was gegen diesen subjektiven „Commen Sens“ verstößt, prallt an den im Gehirn verankerten Rahmen ab. Diese selektieren die Informationen, die in uns eindringen wie ein Filter. Ob ein Faktum relevant ist oder nicht, dass wir ihn zur Kenntnis nehmen, entscheiden wir nicht bewusst.
Menschen können unmöglich außerhalb dieser Rahmen denken (Lakoff). Denken ist immer eine Imagination, weil wir Dinge begreifen, indem wir sie neuronal simulieren. Max trinkt ein Glas Wasser. Dieser Satz bleibt bedeutungslos, wenn Sie sich „Glas Wasser trinken“ nicht vorstellen können. Sie brauchen eine Vorstellung von „Glas“, „Wasser“ und „trinken“. das ist eine Behältnis-Metaher.
So sind Frames wie Metaphern physisch in den Synapsen unseres Gehirns vorhanden. Wenn Fakten einmal Bestandteil der Deep Seated Frames sind, können wir sie nicht mehr ändern oder nur mit einem meist sehr langwierigen und aufwändigen Prozess überlagern.
Was Menschen jedoch können ist, dass sie einen alternativen Frame ansprechen. Menschen besitzen in ihrem Gehirn viele Frames, die sich auch widersprechen. Wir können diese Frames nie simultan aktivieren, sagt Lakoff.

Wir können aber „umschalten“. Die Kunst ist, beim Zuhörer einen anderen Rahmen anzusprechen. Viele Deutungsmöglichkeiten sind in uns angelegt. Und wir können nicht beide Rahmen gleichzeitig betrachten. Damit können Sie Menschen „umschalten“ und in einen neuen Rahmen stellen.
Verwenden Sie das entsprechende Bild, führen Sie die andere Person in einen neuen Rahmen. Eine hilfreiche Methode in festgefahrenen Gesprächen.

Beispiele zu Frames

Fassen Sie einen Gedanken? Einfassen wird in Verbindung mit Bauwerken verwendet. Damit haben Sie im weitesten Sinn die Metapher „Gedanken sind Gefäße“ benutzt. Sie werden die Gedanken griffig formulieren, zu fassen versuchen, das Überfrachtete abtragen, das Fundament festigen, Mauern versetzen oder den Gedanken begraben.
Weitere Beispiele:

# Metapher: Objekt (Gefäß, Gebäude)
# Metapher: Nahrungsmittel (verzehrend, sauer, dick, nährreich)
# Metapher: Fluss, Natur
# Metapher: Krieg (einnehmen, besetzen, belagern, überwältigen)
# Metapher: Orientierung (wegweisend, nach hinten führend, zielend, Futur,..)
# Metapher: Reise (auf dem Weg sein, Rastplatz, Einpacken, )
# Metapher: Oben ist gut, unten ist schlecht (die Treppen hinauf, ..)

Wie wir denken, ist entscheidend für die Verschaltungen der Nervenzellen. Unser Gehirn kann dadurch stabilisiert, ausgebaut und gelockert werden. Im Extremfall löst sich die Verbindungen auf. Erkennen wir die inneren Bilder vermögen wir, diese zu nützen, und blockierende Bilder umzuwandeln. Sie nutzen die Wirkung des anderen Rahmens.

Menschen, die das besonders gut konnten, waren zum Beispiel Moses, der ein ganzes Volk bewegte, große Religionsstifter, Gandhi, Alexander der Große, Demagogen, Philosophen oder Politiker.
Es waren vor Jahrtausenden deren Visionen, die zu mächtigen Strömen erwuchsen und die heutigen Weltreligionen und philosophischen Richtungen formten. In diesem Flussbett der großen Visionäre treiben wir heute noch und es bestimmt unser Denken, Fühlen und Handeln.

Kraft der Metapher

Die kraftvolle Wirkung der Metapher liegt daran, dass Sie direkt im Gehirn des Hörers Bilderassoziationen zündet. Sie ist besonders wirkungsvoll, wenn Sie sich der Wahrnehmungswelt des Empfängers bedient und dessen kulturelle Prägungen und Rituale anspricht.
Erfahrene Menschen und Führungskräfte erkannten, dass mit der Bildsprache und Bildgeschichten mehr zu vermitteln und bewegen ist. Es ist wie der Schlag auf einen großen Gong, der durch alle Flure im Gehirn dringt.

Unser Denken bleibt uns verborgen. Die heimlichen Machthaber, die uns durch unser Leben führen, folgen den BIldern und Assoziationen und lassen in den Köpfen der Menschen die jeweilige "Wirklichkeit" entstehen.

Erkenne dich selbst

Tauchen wir in die Welt der Bilder, bedarf es viel Mutes, die Tür zu dem Raum: „Erkenne dich selbst“ aufzustoßen. Dahinter hört der Spaß der
Gedankenakrobatik auf. Es schlägt uns bisweilen eine beängstigende Dunkelheit entgegen. Wir mögen neue Sterne entdecken und weitere Galaxien finden, aber in der Welt der inneren Bilder kennen wir uns nicht aus. Sie scheint mit dem immer weiteren Eindringen dunkler zu werden. Rationale Konzepte versagen. Sis sollten Schwimmen können, wenn Sie in das tiefe Wasser tauchen. Leicht mag einem Menschen der Mut vergehen. Ein Lehrmeister sollte Sie begleiten. Dieser sollte, wie es schon in alten Vedentexten vor tausenden von Jahren empfohlen wurde, diese tiefen Wasser schon durchschwommen haben. Wie sollte er ansonsten die wegweisenden Bilder erkennen?
Mit dieser Begleitung werden Sie aber auch einen großen Schritt machen, das Sie Ihre BIlder sehen, die Sie steuern und erkennen.

Innere Bilder und deren Bedeutung bestimmen unsere Weltsicht, das Verhalten und die Interaktion zwischen den Teilen. Geeignete Bilder vermögen das Zusammenleben und –wirken zu erleichtern, können aber auch zu einem Clash führen. Einige Menschen nützen die Machtausübung der Metapher. Sie öffnen die geheimen Kanäle ins Gehirn, weil sie gezielte Bilder, Assoziationsketten lostreten. Genaues und analytisches Zuhören kann Menschen vor den Angriffen der Manipulation in Form gezielter Metaphern bewahren.
Andererseits eröffnen Ihnen die Bilder einen immensen Reichtum an Ressourcen. Sie halten verschiedene Schlüssel in den Händen, welcher der richtige ist, der Ihre Bildergalerie erschließt, ist eine spannende Reise.

"Da sah ich, dass die Weisheit die Torheit übertraf wie das Licht die Finsternis;
dass dem Weisen seine Augen im Haupt stehen, aber die Narren in Finsternis gehen;" (Grassi)

"Nun schwiegt das Wort"