Richtiges Zuhören

Für jegliche Gesprächsform gilt das Postulat: Zuhören.

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Ich höre....

Hören

„Das aufmerksame Zuhören ist ebenso wichtig wie das klare und verständliche Reden,“ meint Carl Rogers.

In diesem kleinen Blog, will ich einige Gedanken rund um das Thema zum Zuhören ansprechen.

Es ist erstaunlich, dass in unserer so kommunikativen Welt Menschen scheinbar kaum zuhören können. Das verwundert nicht, denn die Welt ist laut, wir hören vor lauter Lärm nichts und Menschen beenden das offene Zuhören relativ früh. Entspricht das Gehörte den eigenen Bedürfnissen, Interessen und Erwartungen nicht, beenden die meisten Menschen einseitig die Aufmerksamkeit und mitunter das Gespräch. So überhören die Menschen oft wesentliche Details, die noch mit- bzw. nachschwingen. Nicht umsonst postuliert Platon in seinen drei Regeln zur Kommunikation: Richte die Aufmerksamkeit zum Anderen (alterozentriert sein).
Die digitale und virtuelle Welt ist eher flüchtig und kratzt nur die Oberfläche der Persönlichkeit, umsomehr bedarf ein Mensch eines Gefühls des Gehörtwerdens, denn Zuhören ist Zuwendung.
Diese wenigen Zeilen legen den Fokus auf Wahrnehmung durch aktives Zuhören. Das erschließt Ihnen die Macht und den Zauber der Sprache.

Unsicherheit

Der große Unsicherheitsfaktor in der Kommunikation ist: Wie mache ich es, dass der Hörer das hört, was ich hoffe, das er hört. Immer entscheidet der Hörer, was er gehört hat. Er ist immer frei zu entscheiden, ob er dem Sprecher jetzt zuhört und ob das, was er gesagt hat, von Hörer akzeptiert wird.

Miteinander sprechen, und das meint nicht Zureden, ist der Kern innerhalb jeglicher Kommunikation. Und das bedeutet, dass einer schweigt, während der Andere redet. So werden Sprecher in einem Miteinander-Reden abwechselnd schweigen müssen. Beherrschen sie diese Kunst nicht, belibt es ein Zureden mit kaum zu steuerndem Ausgang. Die Kunst in jeglichem Gespräch ist, das zu erkennen, was der andere Mensch annimmt. Das ist seine Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit zu erkennen, kann zu einer gemeinsamen Grundlage führen.

Dennoch bleibt der Zuhörer immer frei, zu entscheiden, ob er dem Anderen jetzt zuhört oder nicht oder ob das, was der Andere gesagt hat, vom Hörer, so verstanden und akzeptiert wird. Der Hörer will gehört werden. Und erst, wenn er das Gefühl des Gehörwerdens empfindet, ist er bereit, sich auf die weitere Kommunikation einzulassen. Das hat viel mit Empathie-Kompetenz und subjektiver Wahrnehmungskompetenz zu tun.

Zuhören will gelernt seinn.

Warum das so ist? Weil Menschen oft so mit sich beschäftigt sind, dass sie den Anderen gar nicht hören. In verbaler Interaktion sehen sich viele nur als Geber und für manche ist Kommunikation nur lustvoller Selbstvollzug. Wird Sprache auf Appell und Informationsfunktion zurückgenommen, erliegen diese Menschen dem Containerrealismus, der längst überholt ist. Diese Menschen unterliegen dem Missverständnis, es sei leicht herauszufinden, worin der eigentliche Kern der Botschaft eines sprechenden Menschen bestehe und sie werden täglich neue "Wunder" erleben. Banale Regeln "Lügen erkennen", ist es hier nicht getan. Kommunikation und Verhaltensweisen der Menschen sind zu vielfältig.

Sprache ist Verstehen

Was sagt sie?
Was verschweigt sie?
Was ist der Sinn des Gesagten bzw. Geschriebenen?
Ist die Welt wirklich so, wie wir sie wahrnehmen?
Viele Physiker und Philosophen sind sich zwischenzeitlich einig, dass die Welt, die wir wahrnehmen und die Welt, wie sie „wirklich“ ist, sich unterscheidet. Wir sehen nur, was wir wissen, formulierte schon Goethe. Und das Wissen über die Welt ist bei jedem Menschen subjektiv, geprägt durch viele bewusste und unbewusste Erfahrungen und Erkenntnisse. Heinz von Förster sagt, dass die Landkarte, die wir von einem anderen Menschen sehen, schon eine Landkarte der Landkarte des Gebiets sei. Die Landkarte des Menschen als „Modell der Welt“, spiegelt nicht 1 zu 1 die reale Welt oder das Gebiet wider. Es ist nur dessen Struktur. Menschen müssen genau zuhören, um die „geistigen Landkarten“ und den „inneren Kompass“ des Anderen zu bemerken. Keine Konstruktion der Welt eines Menschen gleicht der eines anderen Menschen. So scheint es ein Wunder, dass Menschen dennoch immer wieder kommunikativ zusammenfinden?
Und das beginnt mit Zuhören.

Verstehen wir die Hintergründe des anderen und dessen Wirklichkeiten nicht, kann unsere Kommunikation schnell zusammenbrechen, in beliebige Richtungen gehen oder eskalieren. Miteinander-Reden ist aktive Interaktion (Watzlawik, Buber). Das gilt übrigens auch für Organisationen, Teams und Gruppen gleichermaßen, da Kommunikation deren Kit ist. Ohne aktive Kommunikation zerfällt eine Organisation (Niklas Luhmann).

Mitgefühl, Empathie

Aktives Zuhören umfasst das analytische, verstehende Zuhören und das empathische Zuhören, das neben den Worten auch die Gefühle zu erfassen sucht. Das meint nicht Mitleid. Überzeugen können wir nur, wenn es gelingt die emotionale Ebene anzusprechen.

Mitgefühl ist eine Grundlage des Zuhörens. Nur so vermögen Sie den anderen Menschen zu verstehen. Empathie stellt sich ein, wenn sich der Sprecher von seinen Vorurteilen, Überzeugungen und Meinungen frei machen kann. Emphatische Verkäufer bemitleiden Menschen nicht, Sie zeigen echtes Mitgefühl. „Gefühle und Bedürfnisse wollen ernst genommen werden. Trost, Beschwichtigen, Ratschläge und Ermutigungen sind hier fehl am Platz“ Marshall B. Rosenberg..

Passives Zuhören

Der Gesprächspartner gibt keinerlei Statements, sondern demonstriert Aufmerksamkeit durch Laute, Blicke der Zuwendung oder manische Rückmeldung. Unterschätzen Sie diese Form des „stillen“ Zuhörens nicht, denn Menschen sind es nicht gewohnt, länger die Klappe zu halten.
Es ist die Grundform der wertschätzenden Zuwendung.

Für den Coach bedeutet es maximale Konzentration auf den Klienten und seine Darstellungen.

Aktives Zuhören

Beim aktiven Zuhören handelt es sich um eine Form des Feedback im Sinne von: „Habe ich Sie richtig verstanden?
Über Erfolg oder Nicht-Erfolg
Varianten des aktiven Zuhörens können zum Beispiel sein:

1. Paraphrasieren,
2. Zusammenfassen,
3. Nachfragen.

Drei Weisen des Zuhörens

Geduldiges Zuhören
Mit Aristoteles wird geduldiges Zuhören als Tapferkeit verstanden. Nicht gemeint sind: resignierendes Dulden und Ungeduld. Es ist immer aktives Interesse Voraussetzung. Das kölnnen Sie üben, indem Sie erst sprechen, wenn 3 Sek. vergangen sind.

Genaues Zuhören
Versuchen Sie immer alle vier Botschaften (Schulz von Thun) in dem richtigen Verhältnis wahrzunehmen. Ungenaues Zuhören ist oft begründet in: Stress, Angstzuständen, Scham, Schuld, Mindergefühlen, Projektionen, Rückübertragungen, starker Emotion (Neid, Zorn, Liebe, Ehrgeiz..).

Analytisches Zuhören
Analytisches Zuhören bedeutet schnell und sicher die sachlichen und logischen Voraussetzungen, Implikationen und Konsequenzen des Gesagten zu erkennen und mitzubedenken.
Was muss bei einer Aussage alles herausfinden, damit man sagen kann, der Satz sei zutreffend?
Was hätte es für Folgen, wenn der Satz wahr wäre?