Sind Feinde notwendig?

Erkenne Dich selbst, durch deine Feinde.

bilderarchiv-03-07-2010-169
Lernfall Feindschaft

Warum Feinde notwendig sind

Das Zusammenleben mit Freunden ist ein wesentliches Element des Glücklichseins. Freundschaft bedeutet gegenseitige Anerkennung, Achtung, Respekt und Vertrauen.
Freundschaft sei indes kein Grund, auf Kritik zu verzichten. Es geht hier nicht um strategische Kampfführung gegenüber anderen Menschen. Es geht darum, persönliche Kontraste zu schaffen und ein Profil zu entwickeln, um auch wahrgenommen zu werden. Dabei bedeutet Kontrast auch, für das Umfeld eine neue Bedeutung zu eröffnen. Das ermöglicht Respekt und wir gewinnen für den Anderen bedeutung. Erst dann haben wir auch eine erhöhte Chance zu überzeugen.
Ein weiterer Aspekt ist, dass Menschen auch brauchen Feinde, um ihre Feindaggressivität in Gegneraggressivität zu transformieren. Feindlich meint in dieser Bedeutung, danach zu streben, den anderen Menschen zu vernichten. Gegeneraggressivität ist das "Gegnerspiel", wo Menschen gewinnen wollen, ohne das Gegenüber zu vernichten.

Ob es sich um eine offene oder stillschweigende, bewusste oder unbewusste Aggressivität handelt, sei belanglos. Im Fall „offen und bewusst“ liegt es auf der Hand, dass der Mensch aggressiv angegangen wird. Im Fall „stillschweigend und unbewusst“ werden oftmals Ersatzfeinde gesucht. Dies mindert bei dem sich so verhaltenden Menschen das soziale und emotionale Potenzial, zum Beispiel Freundschaftsbildungen einzugehen oder eine auf Vertrauen beruhende Kommunikationsgemeinschaft auszubilden. Oftmals sind diese Menschen von einem starken Ur-Misstrauen geprägt.

Ursachen von Feindschaften

Beispiele:

Feinde als Identität stiftender Faktor
Feinde als Aggression ableitender Faktor
Feinde als Image sichernder Faktor

Betrachten Sie die aktuelle gesellschaftliche und politische Diuskussion unter diesen drei Faktoren, um ein Gespür für diese Phänomene zu bekommen und finden Sie Beispiele.

Rechtfertigung von Feindschaften

Meist werden von Menschen pseudorationale Sekundärgründe geltend gemacht, um die Feindschaft zu rechtfertigen: z.B. Egoismus, Habgier, Machtversessenheit, Ignoranz, Unrecht, Arroganz, böse Absichten oder auch nur Unfähigkeit personale Verhaltensweisen oder überhaupt Beziehungen aufzubauen und einzugehen.

Typen von Feindschaften

Ein Mensch lehnt einen anderen feindschaftlich ab.
Eine Institution lehnt einen Mensch feindschaftlich ab.
Ein Mensch lehnt eine Institution feindschaftlich ab.
Institution lehnt eine andere feindschaftlich ab.

Suchen Sie jeweils Beispiele aus Ihrem oder gesellschaftlichen Bereich. Welche Folgen machen Sie aus? Wie könnten Sie Menschen in den jeweiligen Situationen, Möglichkeiten eröffnen?

Menschliches Sein: zwischen Polen

Menschliches Sein spielt einmal zwischen Sozialisation, Individualität und Grenzhaftigkeit. Verschiebungen zwischen diesen drei Polen führen oft zu Spannungen und Konflikten.
Fromm schreibt: "Eine weitere Vorraussetzung (für ein authentisches Leben) ist die Fähigkeit, die sich aus Polaritäten ergebenden Konflikte und Spannungen zu akzeptieren, anstatt ihnen aus dem Weg zu gehen...... Es ist ein allgemein verbreiteter Irrtum, Konflikte seien schädlich und daher zu vermeiden. Das Gegenteil trifft zu. Konflikte sind die Quelle des Staunens, der Entwicklung der eigenen Kraft und dessen, was man als „Charakter“ zu bezeichnen pflegte.....“

Individuation ist immer eine bezogene Individuation, die sich im sozialen Feld ereignet. Folglich hat eine Interaktion zwischen Menschen immer die Möglichkeit von Konfrontation einzuschließen.
Eine zentrale Frage ist:
Wie ist es möglich, dass sich die Mitglieder einer Gemeinschaft oder zwei Menschen immer wieder voneinander abgrenzen, so dass keiner dabei verliert, keiner das Gefühl haben muss, emotional oder sozial ausgebeutet zu werden und ohne dass langwierige Abnutzungskämpfe entstehen?
Das bedarf professioneller Kommunikationstechniken, Konfliktkompetenz, Sozialität und eine fortlaufende Persönlichkeit. zu entwickeln.

Reflektion

Trennen Sie Sach- und Beziehungsebene?
Sind Sie vorbehaltslos konstruktiv in Ihrer Kommunikation?
Versuchen Sie Gefühl und Vernunft stets im Gleichgewicht zu halten?
Bemühen Sie sich um eine alterozentrierte Sichtweise?
Vertrauen Sie- aber nie unbegrenzt?
Hören Sie zu?**
Beobachten Sie eher als, dass Sie beurteilen?**
Können Sie abwarten (Geduld)?**
Nehmen Sie die Gegenseite, den anderen Menschen ernst?

Die mit Doppelstern** markierten Punkte, sind Tugenden „aktiver“ Passivität.
Wie kann eine Kommunikation aussehen, die diese Punkte berücksichtigt?

„Homo homini lupus“
(„Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“) Plautus, Eselkömödie

Plautus hat jedoch nicht Recht, wenn er meint, wir seien diesen aggressiven Mächten hilflos ausgeliefert. Bestimmt können wir keine gewaltfreie Welt schaffen, doch wir können zumindest in unseren Einflussbereich - und da im Besonderen wir selbst! - Gewalttätigkeiten mindern.
Schaffen wir es, bei uns die Feindaggressivität in eine Gegegneraggressivität umzuwandeln, werden Sie sich im Umgang mit ihren "Feinden" nicht aufreiben, sondern den Spielball aufnehmen und konstruktiv spielen.

Welche Sprache sprechen Sie?
Benutzen Sie eher eine Sprachmetapher aus den Reihen des Mitlitärs?
Sprechen Sie in einer technokratischen und funktionalen Bildernsprache?
Nutzen Sie Bilder der Natur in Ihrem beruflichen oder privaten Alltag?

Der Artikel beleuchtete einige Punkte, weshalb Faktoren wie Feindschaft, Aggressivität und Konfliktkompetenz das menschliche Miteinander in privat- und Wirtschaftsleben beeinflussen. Es gibt Menschen, die scheinbar Freundschaften ablehnen. Sie wurden unfähig, freundschaftliche Beziehungen aufzubauen. Das hat weniger mit den anderen Menschen als mit Ihnen selbst zu tun. Spannen Sie den Rahmen weiter, wird deutlich, weshalb wir Feindbilder brauchen und warum es für eine offene Gesellschaft wichtiger und auch interessanter sein kann.

Freundschaft

Zum Ende sei Freudnschaft als Kontrapunkt der Feindschaft gesetzt. Freundschaft sei der Grund alles Guten und Feindschaft der alles Bösen, schrieb Empedokles. Aristoteles schrieb in seiner NIkomachischen Ethik, dass das Zusammenleben mit Freunden ein wesentliches Element des Glücklichseins sei. Doch Freundschaft sei kein Grund auf Kritik zu verzichten. Freundschaft ist ein stabiler und belastbarer emotionaler Gleichklang auf verschiedenen Ebenen einer zwischenmmenschlichen Beziehung (R.Lay). Gegenseitige Anerkennung, Achtung und Vertrauen sind notwendig mit Freundschaft verbunden. Während Feindschaft von fundamentalem Misstrauen gepräg ist, gründet Freundschaft in einer psychisch-sozialen Grundbegabung, das wir als Urvertrauen bezeichnen.

Näheres bei Wolfgang Schneider der BS Akademie an:Kontakt