Kraft der Sprache

von | Juli 15, 2025 | Kommunikation

Einblicke in die Wunderkraft der Sprache

Was ereignete sich, wenn Sprache so eingesetzt würde, dass das, was man sagt auch klar verstanden wird und Zuversicht schenkt?

Zauber der Sprache

„Sein, das verstanden werden kann, sei Sprache“, schrieb Gadamer.

Von der Sprache geht Macht aus. Es gibt den Zauber der Sprache, aber nur wenige Menschen verstehen es, sich des Zaubers zu bedienen. Zauberer sind mächtig: manche böse, manche gut.

Zauberer verstehen, bei ihren Hörern einen Kontext zu erzeugen, in dem Kommunikationspartner (bewusst oder unbewusst) mitspielen. In dieser Welt entstehen wunderbare oder auch furchtbare Sachen. Stimmungen kristalisieren sich heraus und verschwinden, Worte lösen Emotionen und Affekte aus und die gewählten Worte können Menschen und Massen zu Handlungen bewegen und dirigieren.

..Aber Sprache dichtet und denkt nicht nur für mich, sie lenkt auch mein Gefühl, sie steuert mein ganzes seelisches Wesen, je selbstverständlicher, je unbewusster ich mich ihr überlasse. (LTI, Klemperer)

Giftwirkung der Sprache

„Worte können sein wie winzige Arsendosen, sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“ (LTI)

Die „giftigen“ Worte sind selbstschöpferisch geprägt, diese Worte waren schon lange in der Sprache gebräuchlich. Aber die Giftmischer ändern die Wortwerte und Wortbedeutung, indem sie den Wortgebrauch in einen anderen Kontext stellen. So werden diese Wörter der Giftmischer Allgemeingut, durchtränken Worte, Wortgruppen und Satzformen mit ihrem Gift, was früher nur in einer kleinen Gruppe gebräuchlich war.

Enzensberger: Worte können tödlicher wirken als tausende von Maschinengewehren.

Allmacht

Was diese „giftige“ Sprache auszeichnet, ist Eintönigkeit und Armut. Diese Einfachheit war aber gerade das Wirksächliche. Die Worte verstreuten sich in alle Himmelsrichtungen. Sie ergreifen Besitz von vielen Menschen: gleich welcher Bildungsschicht diese Menschen angehören. Gleich, ob man dafür oder dagegen ist, alle benutzen diese Sprache und Worte. Es scheint mir eine ähnliche Wirkung wie die einer ansteckenden Krankheit.

Die Giftmischer gebrauchen und durchtränken so die Welt durch ihre giftige Sprache, indem sie den Kontext oder die Bedeutung verändern. Die Wirkung durchdringt (meist unbewusst) den individuellen Raum wie in der Öffentlichkeit: unvermittelt ist die Wirkung da.

Erickson „ Sprach-Methode“

„Was sich in Sprache ausdrückt, kann nicht durch sie ausgedrückt werden“ (TLP 4.121, Wittgenstein).

Milton Erickson (Psychotherapeut) verstand es, nicht durch direkte Sprachanweisungen Macht (im therapeutischen Kontext) auszuüben, sondern er nutzte die implizite Wirkung der Sprache, die den Menschen selbst veranlasst, Macht gegen sich auszuüben. Er nutzte den Effekt des „Zwischen-den Zeilen-Lesens“ und wusste, dass der Hörer interpretiert und die Bedeutung des Gesagten festlegt.

  • „Ich habe dich ungeheuer gern.“
  • „Ich habe dich –Ungeheuer gern.“

Durch veränderte Betonung, Gestik, Mimik akzentuierte Erickson verschiedene Wörter oder Satzinhalte und erreichte so unterschiedliche Bedeutung und Akzeptanzmöglichkeit beim Gegenüber.

„Es ist gut, dass Sie mich angerufen haben.“ Durch die Betonung des Wortes ‚gut‘, spricht man implizit ein Lob aus, das den weiteren Gesprächsablauf positiv beeinflussen kann. Hier wird mehr durch die Sprache ausgedrückt, als die Worte sagen. Im Optimalen erreicht man durch die Betonung beim Hörer ein gutes Gefühl.

  • Wie könnte eine Gesprächseröffnung in ihrem Bereich lauten, die ein gewünschtes Gefühl implizit bei ihrem Gegenüber auslösen könnte?

Materieller Träger der Sprache

Der Mensch ist der materielle Träger. Er ist ein sensibles und beeinflussbares Wesen. Das liegt daran, dass der Mensch ein auf Kommunikation und Interaktion angewiesenes Wesen ist. Über das Du erst finden wir zum Ich und vermögen uns selbst zu erkennen (Martin Buber).

Spannungen sind hier vorprogrammiert. Gelingt es dem Menschen nicht, eine Balance zwischen innerer Stimmung und Ausdruck zu finden, können mit der Zeit Störungen im psychischen Haushalt auftreten: Die Persönlichkeit wirkt desorientiert, nichtzentriert oder nicht-integriert.

Platons Regeln

Um Macht im Gespräch (Z.B: Diskurs, Diskussion, Debatte) auszuüben, seien nach Platon folgende vier Punkte nützlich:

  • Sei alterozentriert
  • Spreche die Emotionalität an
  • Beachte die kommunikative Intention des Gegenübers
  • Erkenne die Gewissheiten des Gesprächspartners 

Selbstreflexion

  • Welche Alternativen gibt es zu den nichtssagenden Floskeln, mit denen Gespräche normalerweise eröffnet werden?
  • Halten Sie ein Gespräch für erfolgreich, das ihre Vorurteile bestätigt?
  • Wie sähe eine Landkarte der Gesprächswelt des Anderen aus?
  • Ist es möglich, mit einem Menschen ein Gespräch zu führend, der immer Recht hat?
  • Wie könnte ein technisches Gespräch, die poetische Empfindsamkeit steigern?
  • Wie könnte ich den Gesprächsraum gestalten, um die Art des Denkens und Redens zu beeinflussen?
  • Welchen Einfluss hat elektrisches „Spielzeug“ auf die Unterhaltung?
  • Ist es im Gespräch ergiebiger, über Vorlieben zu sprechen oder über Unterschiede?
  • Gefällt es Ihnen, wenn Sie im Gespräch Ihre Meinung ändern?

(Nach Theodore Zeldin, Wie ein gutes Gespräch ihr Leben bereichert)

Verdinglichte Sprache

Menschen meinen, dass die Verdinglichung der Sprache unsere Welt vereinfacht. Doch das Gegenteil scheint wahrscheinlich. Vieles bleibt bleibt bei einer formalen Sprache seitlich liegen. Ridderstrale und Nordstroem verdeutlichen vier Weisen in „Funky Business“, die Kommunikation erfolgreich machen:

  • Der Verstand,
  • das Gefühl,
  • die Intuition,
  • das Verlangen.

Kommunikationsquadrat

  • Wie steht es mit der Selbstmitteilung, dem Appell oder der Beziehung der Gesprächspartner (Schulz von Thun)? 
  • Sind Sie der Meinung, dass die inhaltliche Mitteilung ausreicht?
  • Fühlen Sie sich von behördlichen Anordnungen angesprochen?
  • Was löst Subordination bei Ihnen aus?

Businesskommunikation

Klaus Doppler schreibt zu Emotion und Kommunikation im Business, dass Emotion der Kern der Kommunikation sei. Das Primat, sich um Sachlichkeit zu bemühen, rührt eher von der Angst des Menschen, sich nicht über die personalen Gefühle emanzipieren zu können. Der Glaube, ein Gespräch sei in der Gänze perfekt zu steuern, sei ein Aberglaube. Das Verhalten im Gespräch zu beeinflussen, geschieht nur über die Emotion. 

Dennoch halte ich Doppler entgegen, dass es formale Gesprächsabläufe zum Beispiel am Gericht oder bei diplomatischen Begegnungen gibt und diese mitunter aus taktischer Erwägung sinnvoll sind. 

Abschließende Fragen

  • Lassen Sie Gefühle zu oder spielen Sie diese nur?
  • Fördern Metaphern (metapherein= wo anders hintragen) einen Gesprächsablauf?
  • Kennen Sie die sozialen Bedürfnisse, die Anerkennungs- oder Sicherheitsbedürfnisse ihrer Gesprächspartner?
  • Wie erzeugen Sie einen freien Gesprächsraum, der Gelassenheit auch bei gegenteiligen Meinungen ermöglicht?

Dinge zeigen sich im gelassenen Raum immer mehrseitig und eröffnen nicht nur einen rechnenden, sondern auch besinnlichen Denkraum. Dieses „be-sinnliche Denken“ reicht weiter als die Arme greifen können. Dieser Raum ist ruhig und einfach, meint Heidegger (Gelassenheit).

ZEN-Weisheit (unbekannt)

Die Gedanken habe ich unter der Vorannahme vorgetragen, dass Menschen bestrebt sind, sich besser verstehen lernen zu wollen. Wenn Sie aber vermuten, sich selbst verstanden zu haben, und dabei die Regeln dieses Darstellung verwenden, haben Sie nichts verstanden.

Manipulieren

Sinn der Gedanken zur Manipulation ist, Sie zu sensibilisieren, um nicht durch andere Menschen manipuliert zu werden.

Resilienz

Die Welt erscheint zunehmend unkalkulierbar und von unvorhersehbaren Phänomenen bestimmt. Individuen, Gesellschaften und Institutionen werden durchgewürfelt. Sicherheiten sind in komplexen, globalen und digitalen Welt höchst fluid.

Dialog, um gemeinsam zu denken

Dialog, miteinander Denken, um sich im Gespräch zu begegnen und gemeinsames Verstehen zu fördern. Es ist mehr als nur Informationsvermittlung.

Mut ist ein Schlüsselfaktor

Ohne Mut, können Sie nicht aktiv kommunizieren und spontan agieren. Ein selbstverantwortetes, moralisches und sittliches Leben ist erst möglich, wenn Haltung, Ausstrahlung und klare Ansagen jenseits "biedermeierischem Gedankenfurze" in sozialen Medien gezeigt werden....

Zuhören

„Das aufmerksame Zuhören ist ebenso wichtig wie das klare und verständliche Reden,“ meint Carl Rogers.   Höre ist das Leitwort  der Klosterregeln des heiligen Benedikt als Vorsteher eines Klosters im 6. Jahrhundert.  Heute wird der Ausruf Benedikts, in einer Welt...

Vertrauen

Glauben-können und Vertrauen sind zwei von vielen Voraussetzungen für ein gelingendes Leben und Beziehungen. Menschsein spielt sich auch im Begegnen mit dem Anderen ab. Der Mensch ist auf Zuwendung hin ausgerichtet, schreibt Joachim Bauer. Sich auf die Begegnungen...

Respekt

Respekt ist ein zwischenmenschlicher Vorgang und bedeutete ursprünglich, „sich gegenseitig auf gleicher Ebene anzublicken.“

Kommunikationstipps von 1530

Kommunikation ist grundlegend für lebendige Beziehungen und Erfolg im Leben. Blick zurück Im 16. Jahrhundert, empfahl es sich, sorgsam zu kommunizieren. Das Sprechdenken war überlebensnotwendig, angesichts der kirchlichen und weltlichen Inquisitionspraxis. Folgte dem...

Mutig denken

Mutig Denken, um in unsicheren und komplexen Zeiten gestalten zu können.

Selbstwert

Finden, was wirkt. Selbstwertschätzung Definition Selbstwertschätzung ist eine subjektive Haltung. Der Begriff ist vielfältig. Es sei das Ausmaß, wie ein Mensch sich selbst einschätzt bzw. wertschätzt. Im Alltag werden zahlreiche Begriffe für Selbstwertschätzug...

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