Glücklich sein

von | Jan 14, 2021 | Persönlichkeit

„Die Welt des Glücklichen ist eine andere als die des Unglücklichen.“

Wenn dem so sei, wie Wittgenstein schrieb, und Menswchen grundsätzlich Glück als lohnendes Ziel anstreben, möchte ich mit den ausgewäghlten Gedanken, Sie anregen, über ihr Glück nachzudenken und es vielleicht sogar zu befeuern.

Vielfalt

Menschen sind vielfältig und so ist auch Glücklich-Sein vielfältig. Wer meint, für das Glück Regeln ableiten zu können, die für jeden Menschen passen, der täuscht sich selbst. „Jeder ist seines  Glückes Schmied“ und so muss jeder seine unabhängige Sichtweise auf das Glück finden.

Malaika Mihambo, Gold im Weitsprung 2019 zu ‚Glücklicher Mensch‘: ...Das ist wertvoll, ….ich arbeite …. auch sehr gern und viel alleine an mir, weil ich ja nicht nur Sportlerin bin. Ich schaue, was in mir vorgeht, versuche meinen Interessen und Bedürfnissen nachzugehen, ein glücklicher Mensch zu sein. Und wenn ich ein glücklicher Mensch bin, kann ich auch eine gute Sportlerin sein. Es heißt jetzt, nach vorne zu blicken. Jeder muss sehen, wie er gegenwarts- und zukunftsorientiert das Beste aus der Situation machen kann.

Streben nach Glück bedeutet, ein gelingendes und ein erfülltes Leben anzustreben. Das bedeutet auch an sich selbst Glauben und in sich vertrauen zu können.

Der innere Weg

Der Weg zum Glück führt über Ihr persönliches Innen, sagt Mihambo. Über fortwährendes Tun und Bemühen auf das Glück hin, führt der Weg über den Sinn und einen Handlungsgrund zum Glück.

„Glücklich leben, wollen alle, aber wenn es darum geht, zu durchschauen, was es ist, das glückliches Leben bewirkt, dann ist der Blick oftmals getrübt; und es scheint schwer, ein glückliches Leben zu erreichen.“ Je hastiger der Mensch zu ihm hineilt, umso weiter entfernt er sich vom Glück. „Wo dieser (Weg) in die entgegengesetzte Richtung führt, wird die Eile selbst zur Ursache noch größerer Entfernung,“ schrieb Seneca in De Beata Vita. Ein kleines Glücksbrevir, das in der Reclamausgabe kaum größer als ein IPhone ist und leicht in ihre Tasche passt.

Glauben können

Das Glauben-Können ist eine Voraussetzung für ein glückendes und glückliches Leben. Und Glauben-Können meint, an sich selbst, wie auch an den Anderen und an ein Übergeordnete zu glauben. Erst im inneren Zusammenspiel der Strebungen vermag sich Glück zu zeigen, weil Sie den Sinn und den Grund für ihr Streben erkennen können. Sie bemerken die Auslöser (Trigger) des Glücks.
Doch Glauben-Können setzt Vertrauen-Können voraus. Und das wiederum Mut.

Muster

Betrachten Sie Ihr Leben.

  • Welche Steinchen wirbelt es in Ihrem Lebens-Kaleidoskop derzeit durcheinander?
  • Wer oder was ist das anstoßende Moment des Glücks?
  • Wo erlebten Sie Glücksmomente?
  • Was ist ihre persönliche Erwartungsbelohnung, die auf ihr Verhaltenfolgt?

Menschen kommen oftmals nur mit „lockerem Denken“ und Humor den Treibern des Glücks auf die Schliche kommen. Graf Dürckheim formulierte, um einen Weg zum eigenen Glück zu finden:

  • Zulassen,
  • Einlassen und
  • Niederlassen.

Dass die Anfangsbuchstaben ZEN ergeben, sei kein Zufall.

Logik des Glücks

Der Mensch kann sich darum bemühen, schreibt Viktor Frankl, Glück zu erreichen. Der Gegenpol zu Glück ist Unglück. Wittgenstein konsatatierte, die Welt des Glücklichen sei eine andere, als die des Glücklichen. So kann Unglück  kein falsches Glück sein. Es gibt zwischen beiden keine Schnittmenge. Tun sich deshalb Menschen so schwer, Glück zu finden, weil sie ihren Fokus überwiegend auf die unglücklichen Ergebnisse richten? Diese (Fehler-Unglück)Sichtweise haben Menschen seit ihrer Kindheit und Schulzeit gut eingeübt: Viele Menschen suchen immer erst den Fehler, sehen das Unglück oder brauchen erst einen Leidensdruck (Schmerz), um sich dem Glück zuzuwenden. Die so geprägten Menschen haben oft auch in glücklichen Zeiten das Gefühl, dass „etwas fehlt“, dass sie das Glück nicht verdienten und geben sich dem Aberglauben hin, dass Glück zwangsläufig gleichermaßen eine Qual des Glücklichseins verursache.

Was sind Ihre Einstellungen zum Thema Glück?

Die Begriffe  Glück und Unglück bestimmt ein Unterschied und es gibt keine Schnittmenge. Diese Frage weist ein Entweder-Oder von Unglück und Glück. Es kann das eine, oder das andere gegeben sein. Der Mensch entscheidet frei, ob die persönliche Welt glücklich oder unglücklich ist.

Zum Glücklichsein geboren?

Alle Menschen wollen glücklich sein, schrieb Aristoteles in seiner Nikomachischen Ethik.

  • Ist es möglich mit einem Menschen ein glückliches Gespräch zu führen, wenn der oder die Andere immer Recht hat?
  • Fühlen Sie sich in Gesprächen wohl, wenn sie sich klein vorkommen?

Einer meiner spirituellen Lehrer erinnerte mich, dass die Tür zum Glück nach außen aufgehe. Das bedeutet Geduld und Beharrungsvermögen mitzubringen.

Geduld erreicht alles, schrieb Theresa von Avila.

Leistungsprimate können schnelle Erfolge zeitigen, doch das meint ein anderes Glück. Glück ist leise und innwändig. Glück fällt zu. Glück kann nicht verordnet werden. Sie können auf dem Weg zum Glück nichts falsch machen.

Eine Bedingung gibt es auf dem Weg zum Glück mit: Du musst es selbst tun! Du musst Verantwortung übernehmen!
Da meint wieder Seneca: ..“wir sollen nicht wie das Vieh der Herde der Vorausziehenden folgen...“ Es ist Ihr eigenes höchst persönliches Glück, Sie treffen Ihre Entscheidung: „Machen Sie Ihr Ding.“

Glück und Erfolg

Erfolgreich sein, gilt in unserer heutigen Leistungsgesellschaft mit als eins der schönsten Attribute. Können Menschen Glück und Erfolg Zusammendenken?

Folgen wir Viktor Frankl, der sagt, dass Erfolg das Ergebnis aus Bemühen und Glück sei. Dazu ist ein richtungorientiertes Handeln wesentlich. Zielgerichtet bedeutet für eine Handlung, dass der Mensch eine Richtung habe. Gepaart ist das Tun mit dem Gefühl, er könne es selbst erledigen und die Aufgabe reizt ihn, wobei er diese auch sinnvoll findet.

Bei Frankl bedeutet erfolgreich handeln, dass durch das Tun der Zufall abnimmt, je mehr der Mensch sich in Richtung Glück bewegt.

Eigenverantwortlichkeit

Allein der einzelne Mensch kann die Erfolgsortung bewirken. In einer zweiten Betrachtung kann der Mensch das Glück nur anbahnen, indem er in die Richtung Glück weiter handelt. Dabei sei Glück hier  Synonoym für Erfolg gesehen, weil es in dieser Abhandlung um den erfüllenden Erfolg geht, der innerlich berührt.

Menschen kommen nur zum selbstverantworteten Handeln, wenn sie einen Grund zu ihrem Tun erkennen. Damit wird die Gefahr minimiert, dass Menschen vom Erfolg besessen werden und ihr Verhalten in Arroganz mündet. Der glücksvolle Erfolg geschieht als Folge des Grundes (Viktor Frankl, Alfried Längle).

Gunst der Stunde

Notwendig bewirken kann ein Mensch das Glück nicht (Insuffizienz der Glücksrealisierung). Es bedarf auch der „Gunst der Stunde“, damit es „glücken“ kann. Die Griechen erkannten die Wichtigkeit und hatten dafür den Gott Kairos, der die „Gelegenheit zur rechten Zeit am Schopfe packt.“ Ein spiritueller Mensch nennt das vielleicht Vorsehung oder Gnade.

Glück, im Sinn von Glücklichsein, werden Menschen bei Erfolg nur empfinden, wenn das Bemühen aus der Hand des Menschen selbst voran ging. Wenn jemand den Goldschatz ohne Suchen findet, hat er keinen Erfolg, sondern eben nur Zufall. Es ist wie eine Schatzsuche am Ende eines Regenbogens.

Reflektion

Wird Glück und Erfolg nur miteinander identifiziert, so wird Glück zum Handlungsmaßstab und zum Handlungsziel im Rahmen des institutionell und rituell Möglichen gemacht. Menschen werden zu Systemangepassten ( Systemagenten). Nicht wenige Unternehmungen scheinen das vor allem im Vertrieb anzustreben. Man macht die Mitarbeiter passend. Denn sonst wird der Mitarbeiter kaum dem vorgegebenen Glück nacheifern.

Wer definiert ihr Glück?

Pessimistisch oder optimistisch

Wir handeln von einem glücklichen Leben und Lebensfreude. Leipniz bedauerte, dass bei Erwachsenen die Bereitschaft Neues zu entdecken, abstumpft.
Leibniz wollte „das in Menschen schlummernde Kind wecken“. In jedem Menschen sei eine andere Persönlichkeit, so vielfältig wie ein Garten voller Pflanzen, ein See voller Fische. Er glaubt an die Freiheit, weil er über die Gegenwart in eine unendliche Zukunft sah. Sein Held, Harlekin, war vielseitig, schlau, immer auf der Suche. Leibniz sah auch die Tiefen eines Zuviel des Optimismus, der in Übertreibungen und Dekadenz verfällt. Optimismus ist eine Haltung, die zugibt, dass das Auge weiter sieht, als die Arme greifen können. So gibt es für ihn immer noch einen Hoffnungsschimmer. Ein Leben ohne Hoffnung ist für Leipniz nicht vorstellbar.
Optimismus sei, schreibt Zeldin, das Bewusstsein, dass es außer Bosheit und Dummheit noch etwas anderes gibt. Pessimismus sei Resignation, das menschliche Unvermögen, einen Ausweg zu finden; Hoffnungslosigkeit.

Weg zum Licht

Das ewige Auf und Ab von Optimsimus und Pessimismus ist durch Menschen selbst bestimmt, deren Weltbild eher von der Nabelschau als vom Mut neuer Abenteuer geprägt wird. Diese Menschen führen eher „ein Leben in der Nacht“. Das Glück ist nicht wie bei Louis-Ferdinand Céline eine Reise ans Ende der Nacht, sondern der helle Weg zum Licht.

Kritischer Intellekt

Optimisten zeichnet ein kritischer Intellekt aus. Diese Menschen bemerken die Verengung des Horizonts, sehen die Arroganz, die Heuchelei der Menschen, die unfähig sind, aus Fehlern zu lernen oder den Anderen auch mit seinen Fehlern und Andersartigkeit anzunehmen. Glücklichsein bedeutet nicht immerwährende Freizeit oder Paradiesvorstellungen wie sie Bruegel malte.

Dem Glücken zugewandte Menschen wissen, dass die Fantasie sich nicht erschöpft und das Abenteuer Leben mit jeder Begegnung neu beginnt. Ein dynamisches Leben ist riskant, der Mensch muss sich einlassen, hoffen können und den Mut aufbringen, Neues zu wagen. Nur mit dieser Einstellung kann dem Menschen (sinnvolles) Glück zufallen.

Es gibt keine Garantie auf das Glück und den Erfolg. Den glücklichen Menschen begleitet das Pech ein Leben lang. Der Optimist weiß das, und kennt die Haltestellen, wo er umsteigen kann oder sich ausruht, um neue Kraft zu tanken.

Wie sähe ein Gespräch über glückendes Leben aus, das Seelenverwandte führten?

„Glück auf!“

riefen die Bergleute und schossen im Korb hunderte Meter in die Tiefe. Dass für diese Menschen in tiefen Stollen das Glück oben ist, liegt nahe. Zwar finden Sie das Glück, arbeiten zu können in der Tiefe, doch ist ihr Glück zu Leben über Tage.

Wo finden Sie das Glück? Lokalisieren Sie es!

Glücklich werden

Viele Menschen würden glücklicher, wenn sie sich die Zeit zur Reflexion gäben, in der die Intuition einen Weg aufzeichnen kann. Denn langsames Denken, öffnet Emotionen, Geist und Perspektiven. Perspektiven zu sehen, sei die höchste Kunst, die ein Mensch lernen könne, schreibt Karathigi.

  • Was fühlen Sie sich, wenn Sie sich Zeit nähmen?
  • Was können Bewertungsmaßstäbe  verändern, wenn  sie sich unglücklich fühlen?
  • Ist es erfolgversprechend, in ein Gespräch mit der Einstellung zu gehen, ich habe Pech?

Das Leben ist eine Achterbahn

Glückendes Leben scheint kein Dauerzustand zu sein. Das Leben ist wie eine Achterbahn. Glückendes Leben geht nicht zwangsweise mit dauerhaften Glückszuständen einher. „Wann immer du in Schwierigkeiten bist, bist du es, weil du das Walten der Natur vergißt. Du selbst schaffst dir dadurch Ängste und Begierden„. schrieb Epikur in seinen Fragmenten. Menschen haben des Glück in der Hand. denbn so wie Menschen ihr Unglück konstruiieren, so können sie auch Glück konstruieren.

  • Was sind Trigger und Driver des Glücks in Ihrem Leben?
  • wo sind die Turbulenzen, die Glück in Zukunft ermöglichen?

Zwei Wege zum Glück

In einem Büchlein beschreibt seine Heiligkeit, der Dalai Lama, zwei Wege, die Ursachen für Glück sein können:

  1. Der erste Weg ist äußerlich.
  2. Der zweite Weg bringt inneres Glück hervor.

Doch nicht jedes Glück ist gleich  für ein glückendes Leben zweckdienlich. Äußeres Glück, dem das innere Glück als Fundament fehlt, wird nicht lange dauern. „Wie gewonnen, so zerronnen“, spricht eine Volksweisheit. Menschen, die auf äußeres Glück bauen, nehmen wir als getrieben wahr. Dieses Glück ist das ständige Weiterschreiten von einer Begierde zur nächsten (Hobbes). Sie sind vom Erfolg besessen. Das Erfolgsglück frisst sie auf. Diese Jagd nach dem Glück führt nicht zu Wohlsein und Sinn, sondern „notorisch unglückliche Menschen gebirt, die sich einsam, von Versagensängsten gequält, deprimiert, destruktiv, mitunter oft ungesund, abhängig“ fühlen, schrieb Erich Fromm. Es sind die Menschen, die am Montag schon den Freitag in der Arbeit herbeibeten, die froh sind, wenn sie die Zeit totschlagen können.

Wandel zum Glück

Es scheint sich die Bedeutung des Glücks bei den Menschen zu verändern. Ein glückendes und menschlich erfüllendes Leben rückt wieder mehr in den Fokus Gerade junge Menschen bemerken, dass es etwas im Leben zu geben scheint, das mehr mit dem Sein und Grund zu tun hat und weniger mit dem ausschließlich materiellen Glück und den gesellschaftlich vorgegebenen Leistungsprimaten.

Loslassen

Kennen Sie Hans im Glück und das Märchen von den Gebrüdern Grimm? Als Hans völlig befreit und von aller Last losgelöst, zurück zu seiner Mutter kommt, erkennt er das wahre Glück. Das zu erkennen war ein langer Weg in die Fremde. So verkehrt sich das Sprichwort:“Als das Glück zerronnen, es gewonnen“.

Glück und Chaos

Wenn das Leben uns Beziehungen, unsere Umwelt, durch gesundheitliche Einwirkungen oder Eruptionen das Leben durcheineander wirbeln, übersteigt die Komplexitzät der Ereignisse häufig unser Fassungsvermögen. Wir werden orientierungslos. Meist feuern noch frei flottierende Gefühle dazu und befreien uns über Burn-Out aus den Arbeitsfesseln. Haben wir wieder Ruhe gefunden, steigen wir wieder in das Hamsterrad und der Kreislauf beginnt erneut. Manchem Menschen gelingt, sich durch den Druck zu emanzipieren. der Nebel verzieht sich und neue Freiräume öffnen sich.

  • Wann haben Sie sich das letzte Mal Ruhe gegeben, um eigenen Gedanken Raum zu geben?
  • Wann ist der rechte Zeitpunkt, wo die Zeit reif für Ihr neues Glück scheint?
  • Woran erkennen Sie, dass Ihnen Glück zugestoßen ist?
  • Mit was müssten Sie fertig werden, wenn Ihnen das Glück widerführe?
  • Was wäre ein Zuviel des Glückes?
  • Was würde eine gute Freundin auf den Zettel Ihres chinesischen Glückskeckses schreiben?

Glücksbremsen

Verhalten sich viele Menschen häufig eher nicht so, dass das Gelingen von Glück eher unwahrscheinlicher wird?

Glück stößt zu. Jeder ist seines Glückes Schmied, und doch ist nicht jeder Schmied glücklich.

  • Was wäre, wenn Ihre Frustration der Treibstoff sein könnte?
  • Weshalb wissen Menschen oft genau, was sie nicht wollen: im Beruf, in der Beziehung, in der Freizeit?
  • Was haben Sie noch nicht unternommen, um das Hinderniss auf dem Weg zum Glück zu beseitigen?
  • Stimmt es, dass Sie von zuviel Glück Schlafstörungen bekommen?

Es kommt nicht darauf an, was wir bewältigt haben. Es kommt darauf an, mit welcher Haltung wir Arbeit bewältigen. Viele Menschen bemerken das Glück erst, wenn es gewesen ist. Glückt es einem, so glückt es Hunderten nicht.

Was wir tun können ist, dass wir in Richtung unseres Glücks etwas tun. Mit jedem Tun in Richtung Glück reduziert sich der Zufall. Miguel de Osuna schrieb, dass es sich wie mit dem Siegelwachs verhalte; indem das Wachs erwärmt wird, macht es sich bereit, den Eindruck des Siegels aufnehmen zu können.

  • Wie machen Sie sich bereit?
  • Welche Neigungen haben Menschen zu pflegen, damit Glück zufallen kann?

Ambivalenz

„Da muss er in ein Vergessen und Nichtwissen kommen“, schrieb Meister Eckhart
in Mystische Schriften, Seite 30

„Wie kann ich dem helfen, was von alleine kommt?“ fragte Francois Julliens. Unsere technokratisch orientierte Welt steht dem ’sich treiben lassen‘, im Fluss schwimmen, scheinbar entgegen. Westliche Menschen denken die Natur überwiegend betriebsam, entschlossen, willensbestimmt und sich Ziele setzend. Dem steht die Sichtweise im Sinn von Sun Tsu entgegen, menschliches Tun als Prozess natürlicher Werdung zu denken.
Es geht darum, mit Polaritäten zusammenzudenken. Ein Merkmal eines authentischen Menschen sei, auch das Dazwischen zu denken und nicht nur zu Polarisieren. Aus dem Widerklang (ying und yang) geht der Einklang hervor. Menschen, die mit sich stimmig scheinen, fühlen sich überwiegend auch glücklich. das liegt daran, weil diese Menschen die Prozesshaftigkeit wahrnehmen, verstehen und danach handeln können. Menschen im Gleichklang mit sich selbst und der Welt, verstehen Treiben-lassen, ohne dem Fatalismus zu verfallen. Sie lassen zu, dass sich das Etwas von selbst entfaltet. Das bedeutet sich auf Epikie, Realisierung nach Werten, Alterozentrierung, Toleranz, Geduld, Großmut, Besonnenheit, Liebe und Vertrauen  einzulassen, um sich selbst führen zu können. Das gelingt mit  Demut.

Sind die modernen Weisen des Management wie agile Teams, Scrum, Kanban oder Digital Thinking ohne das Phänomen der Prozesshaftigkeit wirksam umzusetzen?

  • Welche Gedanken kommen Ihnen im Hinblick auf Glück
  • Wie können Menschen lernen, ES einfach geschehen zu lassen?

Meditation, Möglichkeit zum Glück?

Meditation kann ein Weg zum Glück sein, wenn Glück auch sinnvolles und gelingendes Leben bedeutet. Sie kann bewirken, Menschen in einer anderen Bewusstseinsweise Räume zu öffnen, um eine innere Ausgeglichenheit, sichere Beherrschung von negativen Emotionen (Niedergeschlagenheit, Ärger, Neid, Hass, Unterlegenheitsgefühl, Unluststimmungen..) zu erreichen, das Wichtige aus der Fülle des Unwichtigen zu filtern oder Sehen und Hören lernen. All das vermag den Sinn zu öffnen, Glücksmomente wahrzunehmen.

Leerer Raum

Es wird Zeit, dass wir uns auch bei der Suche nach Glück zumindest einiger der Barrieren entledigen, die uns daran hindern, diesem Streben näherzukommen und auch andere Menschen daran teilhaben zu lassen. Und David Bohm schrieb in seinen Betrachtungen zum Dialog:

….. Wir haben gelernt, hauptsächlich Wert auf explizite, äußere Ordnung zu legen, die durchaus nützlich für die Ziele ist, die wir gewöhnlich im Sinn haben– das Verdienen unseres Lebensunterhalts und dieses oder jenes zu tun. … Wir brauchen einen leeren Raum, zeitlich oder räumlich, wo nichts uns beschäftigt…., dann laden wir das Glück ein uns zu begegnen.

Glücksregeln

Und jetzt doch Regeln des Glücks? Glück sei ein Teil des Erfolgs, schreibt Victor Frankl. Erfolg ist Bemühen und Glück. Dabei ist Glück etwas Zufälliges, das nicht aktiv bewirkt werden kann. Menschen können sich durch ihr Bemühen bereit machen, dass Ihnen Glück zufällt. Mit dem Bemühen erhöhen Menschen die Wahrscheinlichkeit des „Glückens“. Damit steigert ein Mensch mit seinen Fähigkeiten, Geschicklichkeit, Übung, Einstaz und Erfahrung die Erfolgschancen und schraubt den Zufall zurück, wie Alfried Längle schreibt. Ein echtes Erfolgskonzept ist, sich auf das bemühen und Ausbauen der personalen Kompetenzen zu beschränken, ohne sich vom Erfolg abhängig zu machen.

Der Philosoph Karl Popper beschreibt sie in seinem Buch „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“: „Von allen politischen Idealen ist der Wunsch, die Menschen glücklich zu machen, vielleicht der gefährlichste. Ein solcher Wunsch führt unvermeidlich zu dem Versuch, anderen Menschen unsere Ordnung ‚höherer‘ Werte aufzuzwingen, um ihnen so die Einsicht in Dinge zu verschaffen, die uns für ihr Glück am wichtigsten zu sein scheinen; also gleichsam zu dem Versuch, ihre Seelen zu retten. Dieser Wunsch führt zu Utopismus und Romantizismus…….“ Popper schließt: „Der Versuch, den Himmel auf Erden zu errichten, erzeugt stets die Hölle.“

Beziehung, ein Glückshormon

Ein kurzer neurobiologischer Blick. Wohlwissend, dass es für den Neurobiologen das Glück als Gefühl in seiner Wissenschaft nicht gibt. Doch auch die Neurobiologen entgeht nicht, das beglückende Gefühl, das man in der Begegnung und Beziehung mit anderen Menschen spüren kann. Dieses Gefühl bewirken die „Glücksstoffe“, die ausgestoßen werden, wenn Mernschen sich begegnen. Geben sei mehr als Nehmen, meint Prof. Adam Grant. Die Glücksbotenstoffe sind endogene Opioide, Oxytozin, und Dopamin. Für interessierte Leser empfehle ich die guten Darstellungen von Joachim Bauer in dem Buch „Prinzip Menschlichkeit“ oder bei Gerhard Roth.

Einheitserlebnisse

Wenn Herausforderung, Fähigkeiten und Handlung Hand in Hand gehen, gleitet ein Mensch in einen Bewusstseinszustand, indem er sich tief verbunden fühlt und sich von grübelnden Gedanken löst und aus tiefstem Herzen alles bejaht. In der Kindheit begegneten uns häufig solche Momente. Kinder vergessen diese Momente allerdings schnell, weil sie gar nichts Besonderes sind. Für ein Kind sind diese Erlebnisse normal.
Oft berichten Menschen von einem solchen Bewusstseinszustand der Verbundenheit beim Wandern oder Sport in der Natur, bei erfüllenden sexuellen Begegnungen, beim Malen, Spielen, erfüllender Arbeitsbetätigung, der Meditation und im Gebet.

Diese Einheitserlebnisse (Maslow) ereilen Menschen unvermittelt, bei alltäglichen Tätigkeiten, Musikhören und Musizieren, unter Drogen. Beschrieben wird das Gefühl als ozeanisch, Angenommensein, als völlig angstfrei oder als Lichterlebnis.

Abraham Maslow entwickelte ein Modell, mit dem er solche Einheitserlebnisse beschrieb. Seine Frage war: Was zeichnet gesunde Menschen psychisch besonders aus? Dabei bemerkte er, dass seelisch stabile Menschen sich an tief berührende Einheitserfahrungen erinnern, daraus Kraft schöpfen und darauf vertrauen, sie wieder zu erleben.

Peak Experience

Entgegen zu Csikszentmihalys (=MC) Ausführungen vergleicht A. Maslow Einheitserlebnisse mit Berichten von Gotteserfahrungen. Maslow formulierte folgende Kriterien für das Gipfelerlebnis („Peak experience“):

  • Das alltägliche Zeit- und Raumgefühl verändert sich, die Zeit vergeht wie in Zeitlupe.
  • Das Beurteilen kommt zur Ruhe. Man akzeptiert die Umwelt in diesem Moment so, wie sie ist.
  • Man erlebt die eigene Identität als etwas, das zum einen einzigartig ist, zum anereren mit allem verbunden.
  • Wer Gipeflerlebnisse hat, wird spontaner, liebender und toleranter.
  • „Seins-Werte“ wie Wahrheit, Gutheit, Schönheit entwickeln sich.

Beschrieben wurde der Zustand im Sport, spirituellem Tun, Musizieren, Malen, Bergsteigen oder Beruf im Sinn von Berufung mit Formulierungen wie: „Es fließt, es läuft, es arbeitet, es ist wie ein „Rausch…..“. Es ist ähnlich einem autotelischem Zustand. Der Zustand ist außergewöhnlich, weil er sich vom normalen Bewusstseinszustand qualitativ unterscheidet.
M.C. wies aber auf den „Suchtcharakter“ und das Risiko etwa beim Extremsport hin (z.B: Red Bull-Wettbewerbe), Gefahren auf  Kosten des Kicks zu unterschätzen. Ebenso warnt er vor Manipulation bei rituellen und choreografierten Massenereignissen, die Menschen zu einem Flowereignis (fremd) bewegen.

Csikszentmihaly, der Glücksprofessor

Der Psychologe Mihaly Csikszentmihaly prägte in seinem Klassiker „Flow – das Geheimnis des Glücks“ das Wort “Flow” (fließen, schweben) für diese Zustände. Er befragte über Jahrzehnte immer wieder Menschen aus verschiedenen Berufsgruppen, die in der Erfüllung ihrer Tätigkeiten scheinbar „unendliche“ Zufriedenheit und Ressourcen hatten; Dabei stellte er fest, dass dieses Glücksgefühl losgelöst von Ruhm oder von finanziellen Belohnungen war. Im Flow gingen die untersuchten Personen z.B. oft an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit, nahmen sogar häufig große körperliche Belastungen auf sich und waren dennoch motiviert vom Aspekt des alleinigen Tuns.

Dieses „Gefühl“ stellte sich bei Menschen nicht ein, wenn sie sich alltäglichen Wohlstandsgenüssen hingaben (Hedonismus als Untugend (zu viel desselben) oder das Leben einfach geschehen ließen (‚Fatalismus’, ‚So-what-Syndrom‘). Flow stellte sich auch nicht ein, wenn die Menschen nicht über eine ausgezeichnete fachliche Qualität in dem jeweiligen Bereich verfügten, denn das führt notgedrungen zu Stress bei der Ausführung.

Flow richtet den Fokus auf die Aktion. Was sich hinter dem Phänomen Flow verbirgt, ist noch nicht abschließend erklärt. Lohnenswert scheint das Bemühen um einen Flow-Zustand und die Flow-Erfahrungen dennoch zu sein, weil der Fokus auf den aktiven und weniger passiven Pol unseres Handlungsspektrums anzusiedeln ist.

Phänomene des Glücksflow nach Csikszentmihaly (2002):

  • Intensive und fokussierte Konzentration auf die zu erledigende Aufgabe
  • Verlust an reflexivem Selbstbewusstsein (Es stößt zu)
  • Ein Gefühl, die laufende Handlung immer unter Kontrolle zu haben
  • Veränderung des ZeitempfindensErfahrung, dass die Handlung intrinsische (innerliche) Verstärkungsqualitäten besitzt.
  • Ein weiteres Merkmal ist der „soziologische bzw. soziale“ Komplex. In vielen Bereichen muss die Umgebung fördern, dass dieser Zustand geschehen kann und nicht unterbrochen wird. („Schlagbohrmaschine im Nebenraum“).

Kultivierung von Glück im Alltag

Das Glück zeigt sich im ganz normalen Alltag. Drei Menschen schärften meinen Blick geschärft haben: Ein Senner,  Onkel R und eine Schwester im Karmelorden .
O.R öffnete meinen Blick auf das kleine Unscheinbare in der Natur: ein gelbes Huflatichblümchen auf den Schotterhaufen entlang eines Wanderwegs im Frühjahr, die Farbenpracht der Blüte. Walter, der Senner, verband den Blick des Details mit der Ferne. Und meine Freundin aus dem Karmelorden weitete meinen spirituellen Blick.

Wo finden Sie einen Raum der Stille?

Nutzen Sie ruhige Räume. Das kann die Parkbank sein, die Bank in einer Ausstellung, das kurze Verharren in einer schönen Erinnerung, ein gemeinsames Essen, eine Kirchen beim Stadtspaziergang.

Demut

Die Glücklichen sollten sich fragen, ob sie ihr Glück wirklich so ganz allein erreicht haben oder ob sie womöglich außer Acht lassen, wie viel sie ihrer Umgebung, ihren Lehrern, ihrem Land, ihren Lebensumständen und schließlich sogar dem schieren Zufall verdanken, der ihnen auf ihrem Lebensweg geholfen hat. Den Wert des kleinen Glücks am Wegesrand in unserem Leben schätzen zu lernen, das könnte zu einer notwendigen neuen Bescheidenheit führen. Ein Teil der Unzufriedenheit und des Strebens nach immer mehr, liegt oft darin, dass es vielen Menschen von heute erheblich an Bescheidenheit fehlt. Und diese Demut es zu üben, ist ein wichtiger Schritt zu einem zufriedenen und glücklichen Leben. Diese Qualität erdet.

Und was ich noch sagen wollte

Einige Menschen erzählten mir, es gäbe augenscheinlich eine Steigerung von Glück. Diese Menschen berichteten von mystischen Erfahrungen, von Augenblicken großer Ehrfurcht, Augenblicken eines intensivsten Glücks, einer Verzückung, Ekstase oder Glückseeligkeit, die den Zustand umschreiben, wo das Wort Glück das Erleben nicht umfasst. In solchen Fällen schreibt Abraham Maslow verlor sich sogar das Bewusstsein, alles Trennende schwand. Diese Menschen wurden eins mit der Welt, dem Universum.
Es ist das Ende der Anstrengungen und des Strebens, die Erfüllung selbst. Es ist wie das plötzliche Stolplern in den Himmel; wie das Wunder, das geschehen ist, wie die schließlich erlangte Vollkommenheit. Jeder Mensch ist ein Mystiker, schrieb Maslow.

Mögen das viele als Illusion, vielleicht sogar als Halluzinieren oder Realitätsverlust abtun. Diese Menschen haben noch nicht erfahren, dass es „Gipfelerlebnisse“ gibt. Diese Erlebnisse kann jeder machen, das ist nicht auf Religion beschränkt, sondern  dem Menschen wesenhaft.
Gipfelerlebnisse ereignen sich häufiger als man denkt. Menschen müssen den Blick nur wieder lernen, diese leisen Augenblicke des Glücks zu erkennen. Es sind nicht die spektakulären und lauten  Quellen, die diese Zustände auslösen. Es sind die kleinen gelben Huflattichblümchen am Wegrand von Menschen, es ist das kleine Leuchten im Alltag.

Je mehr sich Menschen mit diesen Gipfelerlebnissen befassen, desto mehr habe ich die Hoffnung, eine Haltung des Gewährenlassens ohne Störung und Eingriff zu empfangen.
Wer in die Welt des Glücks und der Peakerlebnisse eintaucht, wird den Genuß der Gipfelerlebnisse erfahren; früher oder später.

Viel Glück und Fülle!

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