Beziehungs-Weise

von | Jan 20, 2022 | Persönlichkeit

Beziehungs-Weise

Viele Menschen klagen über bestehende oder fehlende Beziehungen. Dennoch verhalten sich Menschen eher so, dass sie sich voneinander entfernen, statt zusammen zu kommen.

Beziehungs-Weise, beleuchtet Phänomene, die sich zeigen, wenn Menschen sich begegnen und näher kommen wollen. Es sind Gedanken, die immer wieder neu, wenn Menschen sich  begegnen, fortschreiben.

Lebensweisheit

Ein Freund in eineem Orden sagte mir einmal, es gäbe im Leben zwei wichtige Dinge im Leben: einerseits lieben und geliebt zu werden, andererseits die Suche nach Weisheit.

Wir sind nicht allein

Es gibt immer wieder Ereignisse, die Menschen aus Beziehungen herausreißen: privat und beruflich. Diese Situationen werfen Menschen auf sich zurück. Zahlreiche Ratgeber versagen. Ratschläge helfen wenig. Menschen fühlen sich in derartigen Kontexten, wie in einer Sackgasse. Wie können wir satt gegeneinander, mehr miteinander handeln? Wie können Menschen sich wieder spüren? Was sind Brücken, die verbinden?

Verbinden wir uns (wieder) miteinander, denn Menschen sind gut darin, etwas gemeinsam durchstehen.  Im Gemeinsamen entsteht eine positive Energie, die größeres und Neues eröffnet, das mehr ist als seine Einzelteile. Das Leitbild des Miteinander schafft uns Sicherheit, gibt Rückhalt und Zuversicht.

Ein guter Weg in die Zukunft führt über Denkweisen der Resonanz, eines Gemeinsinns und eines lebendigen Miteinanders.

Resonanz

Viele Menschen leben in einer Gesellschaft des Wettbewerbs und der Eigeninteressen.  Die jedoch bei vielen Menschen ein Gefühl der Entfremdung auslösen. Auf der anderen Seite treiben diese Phänomene ein gegenteiliges Bedürfnis voran: die Sehnsucht nach Verbundenheit, Zugehörigkeit und einem Miteinander.

Gemeinsame Schwingungen

Resonanz bedeutet in gemeinsame Schwingung zu kommen. Das gelingt wenn der Individualität eine innere Haltung, eine Denkweise gegenübertritt, die uns verbindet, mit uns, einem anderen Menschen oder einer Gruppe und der uns umgebenden Welt. 

Es geht um Unverfälschtheit, gefühlte Authentizität, ehrliche Herzlichkeit und Suchen  nach menschlicher Nähe. Menschen streben nicht nach funktional gespielten Beziehungen,  wo Menschen sich in einem mechanischen Austausch befinden. Resonanz gelingt in einer oszillierender Umgebung.

Dann vermag ein Moment der Berührung und der Selbstwirksamkeit zu entstehen. Resonanz kann nicht mit Techniken erzwungen werden. Doch können wir durch unser Verhalten in der Begegnung den Anderen einladen, dass Resonanz entsteht. So bewirkt die Begegnung und Beziehung eine gemeinsame Veränderung; gleich ob groß oder klein, in jedem Fall wird die Beziehung lebendig. Wie bei Guitarren, beginnt die entsprechende andere Saite zu schwingen; beide Saiten schwingen gemeinsam.

So schafft Resonanz eine neue Wirklichkeit, eine Wahrnehmungs-qualität und neue Kommunikationsweise. Sie vermag die Beziehung(en) zu transformieren.

Wirklichkeiten

Martin Buber schreibt in seinem Buch ‚Das dialogische Prinzip‘, das Grundwort sei Ich-Du. Doch schon die Wortbeziehung ist zwiefältig. Du und Ich sind zwei Teile einer Ganzheit, die jede zwiefältige Haltung abstreift. Das bedeutet nicht, das Ich aufzugeben. Sondern in das Spannungsfeld zu treten, wo Ich und Du oszillieren. In einem weiteren Rahmen (das ganze System umfassend) sei das Wir miteinzubeziehen. So vermag eine neue Wirklichkeit zu entstehen.

Beziehung ist kein Substantiv, sondern ein Tunwort. Und Wirklichkeit ist keine Seinsweise. Wirklichkeit besteht im Wirken. Und wo der Mensch in der Wechselwirkung zwischen Ich, Du und Wir wirkt, entsteht die tiefste und kraftvollste Wirklichkeit. Das ist kein sich versenken, sondern als ganzer Mensch dem anderen Menschen und der Gesellschaft in Zwiesprache zu begegnen.

Psycho-Logik

Wir sprachen von Wirklichkeit. Bei Wirklichkeit spielen Menschen im Bereich der Psycho-Logik. Dem steht die semantische Logik gegenüber, die sich um Wahrheit und Realität bemüht. Das bedeutet, dass wir im Bereich der Psycho-Logik immer von Gewissheiten sprechen, doch nie von einem objektiven Wissen. Trifft ein Mensch eine Aussage, ist das eine subjektive Meinung. Dieser Mensch meint subjektiv und weiß nicht objektiv (Sokrates). Menschen vertauschen diese beiden Bereiche häufig. Das Resultat ist meist ein Clash.

  • Wie wollen Menschen auf Augenhöhe in Beziehung treten, wenn beide überzeugt sind, dass jeder Recht  (objektives Wissen) habe? 
  • Wäre es nicht sinnvoll, wenn jeder Mensch zuerst die Gewissheiten des anderen zu erkennen versucht?
  • Ist es dazu nicht nützlich, die eigenen Gewissheiten und Deutungsrahmen zu kennen?

Der Glaube, es gebe nur eine Wirklichkeit, ist die gefährlichste Selbsttäuschung, schrieb Watzlawick.

Aktive Interaktion

Wie soeben gesehen, entsteht die Wirklichkeit, wenn Menschen sich in einer Beziehung begegnen. Diese Interaktion erfolgt grundsätzlich über Sprache. Ohne Kommunikationsfertigkeiten werden Sie weder in den Beziehungsraum Beruf, noch im privatem Raum den Zauber der Beziehung erleben, den anderen Menschen anstoßen oder zwischenmenschliche Beziehung vertiefen. Es bleibt meist eine Beziehung der Hierarchien und das ist Subordination.

Vom Ich zum Wir

Der Weg vom Ego-Bewusstsein zum Du- und Wir-Bewusstsein durchläuft drei Veränderungsphasen:

  1. eine verbesserte Beziehung zum Du und Wir,
  2. eine verbesserte Beziehung zum jeweiligen gesamten System,
  3. und eine verbesserte Beziehung zu sich selbst.

Randgebiete betreten

Die Praxis zeigt, dass es sich bewährt, Orte aufzusuchen, wo sich die meisten Möglichkeiten zeigen. Von wo sehen Sie die Rand- und Grenzbereiche, wo Austausch stattfindet und das Neue eindringt und das Alte aufhört? Aus der Ferne erkennt man leichter Probleme und Chancen. Es ist wie ein Blick vom Mond auf die Welt. Die Ereignisse relativieren sich. Es wird ungenauer. Sie kneifen die Augen wie ein Maler zusammen und die Konturen werden deutlicher, meinte auch Da Vinci (sfumatore).

Das Lebensnetz entdecken

Sich in Randgebiete zu wagen, bedeutet, den inneren Ort (Ich) von dem aus man blickt, zu verändern. Das gelingt, wenn man das Denken, das Fühlen und den Willen öffnet. Nur wer sich bemüht, neue Kontextbezüge wahrzunehmen, erweitert seinen Blick und kann Verbindungsfäden in einem offenen dialogischen Feld aufspüren. Man nimmt Dinge wahr, die einfach auch ohne unser Zutun geschehen. Und man erkennt die Wirkung und Bedingungen der innere Alchimie. Das ist der Raum, wo die Flamme der echten Begegnung zum Brennen Feuer fängt. Vordergründige Aspekte treten in den Hintergrund. 

An der Peripherie entzieht sich das Geschehende der Kontrolle des Ich. Sie sind nur Beobachter des Lebens. Es zieht an Ihnen vorbei.

Zweier-Beziehung

  • Haben Sie schon einmal erfahren, was es bedeutet, jemanden wahrhaft zu begegnen, weil Sie sich nicht den Risiken verschließen, sondern den Mut finden, sich dem Leben zu öffnen?

„In der Zweierbeziehung vermag die wahre Begegnung stattzufinden, wenn Körper und Geist stärker sind, als die Idee von dem anderen Menschen“, meint Charles Pèpin. Unerwartetes kann zufallen. Die Beziehung offenbart die Veränderung der eigenen Weltsicht, indem Sie dem Anderen vertrauen.

Das bedeutet nicht, zu verschmelzen. Verschmelzen ist, sein Selbst aufzugeben. Man gäbe damit das auf, das eine Vergrößerung in der Beziehung bedeutet. „In der Liebe muss man die Zahl Zwei verstehen“, schreibt an anderer Stelle Pépin. Zwei beschreibt die Zweiheit und ist auch im Zwei-fel enthalten, der auf etwas Anderes und Andersartiges verweist, das sich meiner Wirklichkeit entzieht.

Diese Andersartigkeit, die Unsicherheit erzeugen kann, weil wir eben Neues entdecken, bewässert den eigenen „geheimen Garten“ (Französische Redewendung). Bleibt man nur in seinem eigenen Zimmer, lässt man sein Innen (den Garten) vertrocknen.

Aus der Zweiheit erwächst eine befreiende Kraft, die lebendige Begegnungen generiert. „Cogito, ergo sum“ (Descartes), weist nicht auf den anderen. Descartes verkennt, dass Menschen einander  brauchen, um selbst zu werden (Martin Buber). Das gelingt, wenn wir handeln und in die Welt treten, den Mut haben, die Maske fallen zu lassen und unsere Vielfalt zeigen.

Empathie

Wenn wir Einfühlung in den Anderen zeigen, sind wir ganz im Moment präsent. Unsere Gedanken, Erfahrungen, Vorurteile, (Deutungs-) Haltungen und Wissen kommen zum Stillstand. In diesem Innehalten im Moment vermag Empathie zu entstehen. 

Empathie ist ein Öffnen zum Du hin, die resonante Beziehungen erst ermöglicht. Das alte Beziehungsmodell, das Prinzipien und Kontrolle genutzt hat und über die Jahrzehnte gut eintrainiert wurde, weicht einem Modell, das sich auf einer eher horizontalen Ebene bewegt und in den Begegnungspunkten das Wohl der Anderen verinnerlicht. Dieses gemeinsame Bewusstsein von Ich und Du ermöglicht eine fließende und lebendige Beziehungsweise, die anpassungsfähiger und co-empathischer ist.

Empathie bringt ähnlich Sympathie Anerkennung zum Ausdruck. Im ersten Fall ist diese Verbindung eine Begegnung, im Sympathiefall eine Umarmung. Sympathie überwindet Unterschiede durch eine vorgestellte Identifikation. 

Sympathie

Während Empathie auf den anderen nach dessen Bedingungen eingeht, aktiviert Sympathie als stärkeres Gefühl, „ich fühle deinen Schmerz“ und aktiviert damit das eigene Ich.  Ich „leide“ mit. das kann nicht Sinn und Ziel des Lebens sein: Leben ist das gute Leben. Dieses „gute Leben“  ist auf prosoziales Zusammenleben, Gemeinsinn, Fairness und Empathie ausgerichtet und aktiviert genetische Programme und Körpersysteme, das menschliche Gesundheit eher fördert als mindert (biophiles Postulat).

Zuhören

Empathie ist die anspruchsvollere Übung des Zuhörens. Der Zuhörer muss aus sich selbst herausgehen und seine Vornahmen aufgeben. Empathie ist eher mit dialogischem Austausch verbunden. Die Neugier im Dialog ist sicher nicht so befriedigend, doch sie birgt einen eigenen emotionalen Lohn (Richard Sennett).

Buber schrieb: Trotz aller Ähnlichkeit hat jede …Situation,….auch ein neues Gesicht…. Die neue Situation erwartet von dir eine Antwort, die nicht im Vorhinein vorbereitet werden kann. Sie erwarte nichts aus der Vergangenheit, sie erwartet Präsenz, Verantwortung sie erwartet -dich.“

Empathie ist nicht analytisches Verstehen. Beim Zuhören geht es nicht darum, Mitleid zu empfinden (siehe auch Tanja Singer, Matthieu Ricard).  Der Mensch verbindet sich nicht mit seinen, sondern mit den Gefühlen des Anderen. Spüre ich eigene Gefühle, habe ich die andere Person verloren (M. Rosenberg). Ihre Aufmerksamkeit ist woanders. Bei Empathie hören wir, was der Andere sagt. Das bedeutet nicht (zwingend) Zustimmung. Das scheint oft verwechselt zu werden. Gerade wenn jemand provozierende Dinge sagt, oder eine andere Meinung äußert. Was dahinter beim anderen fließt, sind Bedürfnisse und Gefühle (Rosenberg).

Sprache der Beziehung

Was sich in der Sprache ausdrückt, können wir nicht durch sie ausdrücken, schrieb Wittgenstein in TLP 4.121).

Das bedeutet, dass bei jeder Äußerung noch anderes rüber kommt. Gleich, was ihr Beziehungsgegenüber ausdrückt, er hat z.B. nicht nur gesagt: „Ich will zum Schwimmen gehen“. Da ist nicht nur die Aussage, die aus Worten besteht, sondern „mit Schwimmen gehen“ drücken sich noch andere Dinge aus: Freude, Lust, Aktivsein, Sport, Gesundheit….

Milton Erickson Sprache

Milton Erickson wurde für seine Sprache berühmt. Er war im Stande zwei Sprachen zu sprechen. Die eine ist die ganz normale. Er hat beispielsweise gefragt: „Sie kamen gut hierher? Gut, dass Sie hergefunden haben“ usw. Durch unterschiedliche Betonung oder Akzentuierung, gab er den Worten unterschiedliche Bedeutung. So zeigte er uns auf, wie bedeutend die Betonung, Mimik und Gestik sein kann, was Sie innerhalb einer Beziehung sagen. Das ist eine Sprache, die Sie später nicht nochmal sagen können.

LTI

Sprache denkt und dichtet nicht nur für mich, sie lenkt auch mein Gefühl, sie steuert mein ganzes seelisches Wesen, je selbstverständlicher, je unbewusster ich mich ihr überlasse, schrieb Victor Klemperer in LTI.

Wird die Sprache aus giftigen, eher trennenden oder Zustände beschreibenden Wörtern gebildet, was geschähe dann mit zwei um Beziehung bemühte Menschen?

Die Worte werden unbemerkt geschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun und nach einiger Zeit ist die zerstörende Wirkung doch da. Wenn einer sagt, „ich mag Sie“, „wie geht es Ihnen“ oder Erwiderungen mit „aber,…“ verwendet, sind die Wörter meist nicht selbstschöpferisch geprägt. Es sind schon vorher tausendfach in Filmen oder Begegnungen gehörte Worte, die wir unbewusst annahmen.

  • Verwundert es bei funktionaler oder ritualisierter Sprache wie z.B:  in Textbausteinen, dass bei Menschen, die zusammentreffen, selten etwas zündet und keine „Bindungshormone“ zünden?

Das Kommunikationsquadrat

Schulz von Thun und Thomann haben bildhaft 4 Ebenen einer Aussage beschrieben, welche Bereiche sich gegenüber stehen, wenn zwei oder mehr Personen ihre Beziehung intensivieren wollen. Diese Ebenen sind der Inhalt, die Selbstdarstellung, die Emotion und der Appell. Da sowohl beim Sprecher wie beim Hörer diese Bereiche aufeinander wirken, verwundert es nicht, dass sich der sprachliche Austausch mehr oder weniger verstrickt. 

  • Wie wäre es, wenn Sie diese Ebenen im Blick haben, wenn Sie eine Beziehung aufbauen, damit das, was Sie sagen auch verstanden werden kann?
  • Welche Ebenen des Quadrats sind beziehungsförderlicher?

Analog und Digital

Analoge Kommunikation lässt sich oft auch in einer anderen Sprache über Gestik und Sprechausdruck leichter ableiten, als digitale und abstraktere Kommunikation.

Beispiel: Sagt ein Araber am Telefon „كرسي“, werden Sie wenig damit anfangen können.  كرسي hat wenig كرسي-artiges an sich. Treffen Sie aber den Araber persönlich und er deutet zugleich auf einen Stuhl, ist Ihnen sofort klar, was das Wort bedeutet. Es ist die Analogiekommunikation, die durch Betonung und begleitende Körpersprache zum gegenseitigen Verstehen führt. Die analoge Kommunikation verweist auf bestimmte Beziehungsformen zwischen den Beteiligten. Die semantische Bedeutung „Stuhl“, tritt in den Hintergrund: Es scheint jedoch naheliegender, dass Sie den Araber als zuvorkommend und wertschätzend empfinden. 

Das Schwierige an Aussagen ist, dass analoge Mitteilungen  auch einen „Gegensinn“ in sich tragen können. Es gibt Tränen des Schmerzes und der Freude. Das Hinweisen auf den Stuhl kann auch nur ein steife Höflichkeitsform oder der Hinweis: „Hinsetzen!“ sein. 

Bei allen Bemühungen erinnern Sie immer Montainges Katze: „Wenn ich mit einer Katze spiele – wer weiß, ob ich nicht mehr ihr zum Zeitvertreib diene als sie mir?“

Digitale Welt

Für viele Menschen gehört die digitale Welt zum Alltag, andere empfinden diese immer noch als Fremdkörper. Doch längst sind das Analoge und Dialoge in Beziehung getreten und untrennbar. Kommunikation enthält immer digitale und analoge Elemente. So wächst eine neue soziale Nähe, mit neuen Chancen, oszillierenden Verbindungen. Diese Vernetzungen führen zu neuer Verbundenheit. „In dieser neuen Gesellschaft ist das Betriebssystem das Internet und führende Kommunikationsmedium. Die Geschwindigkeit des Wandels ruft neue Denkmodelle in sozialer, kultureller und ökonomischer Weise ins Leben“ (Dirk Baecker).

Diese Möglichkeiten aufzuzeigen und auch kritisch zu hinterfragen, führt zu fluiden Netzwerken, wo sich Menschen auf einer offenen Plattform treffen und sich über den laufenden Austausch neu definieren. Einen guten Einblick gibt die Trendstudie ‚Digitale Erleuchtung‘ und die darin enthaltenen Ausführungen von Dirk Becker.

Ich will das Thema Beziehung analog weiter verfolgen.

Emotion

  • Berührt Sie Ihre derzeitige Beziehung?

Die Beziehungspartner müssen aus dem Funktionieren, Fassadenhaftem und Rollenklischees herauskommen. Viele Menschen können vorausschauend arbeiten und planen, aber nicht im Jetzt leben. Diese Menschen unterdrücken oftmals ihre psychosozialen Belastungen in Beziehungen. Wut, Trauer, Schmerz, Eifersucht lassen sie zugunsten ihres hohen Funktions- und Leistungslevel nicht zu.

Berufliche Treffen werden meist sachlich und wissensorientiert geführt. Es werden Beispiele angeführt und auf statistische Größen abgestellt. Was das mit dem betroffenen Menschen macht, wird überwiegend nicht artikuliert oder einbezogen. Fatal bei der Verhaltensweise ist, dass die Emotionen auf der unbewussten Ebene wirken, bevor auf einer kognitiven Ebene das Geschehen bewusst wird. „Die Emotionen sind unsere Richtungsgeber, die ernst genommen werden müssen, um nicht Fehlschlüssen und Fehlverhalten zu erliegen“ (Kahneman).

Unterschied

  • Nur was sich unterscheidet, können wir zusammenfügen. Was sind Ihre Grenzen zum Anderen?
  • Was ist die Andersartigkeit?
  • Womit heben Sie sich vor dem Hintergrund ab?

Diese Grenzen geben Kontur, trennen und eröffnen in dem komplementären Verhältnis Möglichkeiten, sich zu ergänzen.

  • Ist eine Beziehung nur interessant, wenn ein Unterschied besteht?
  • Was könnte der grund sein, dass komplementäre Beziehungen länger halten?

Watzlawick führte die symmetrische und komplementäre Beziehung als Begriff ein. Nach ihm sind komplementäre Beziehungen die länger währenden. Bedingt doch Konsens die Auseinandersetzung. Wer nur nach Harmonie strebt, übersieht, dass eine gute Symphonie des Lebens durch Spannung und Entspannung lebendig wird.

Strebt eine Beziehung danach, nur einen sozialen Zustand zu erhalten, der sich symmetrisch verhält, wird mit der Zeit diese Verbindung zusammenhanglos und auseinander driftend. Man lebt nebeneinander her und hat sich oftmals nichts mehr zu sagen. Der Kitt hält nicht mehr.

Beziehungsintelligenz

Beziehungsintelligenz meint die Kompetenz, Beziehungen zum wachsen und blühen zu bringen und zu leben. Beziehung bedeutet Nähe zuzulassen. Lebenswissen, Neugier, persönliche Haltung, soziale Ebene, Emotion und Temperament sind einige Phänomene, die Begegnung zulassen und ich als Beziehungs-Weise benenne.

Eine alterozentrierte Haltung ist die Grundlage, wenn Menschen Menschen begegnen. Ohne diese Haltung wird Sprechen immer ein Zu-Reden bleiben. Sie erreichen ihr Gegenüber nicht. 

Beziehung und Aggression

Die Aggression des Menschen versetzt ihn in die Lage, Beziehungen gegen Angriffe zu verteidigen und Störungen innerhalb der Beziehung zu regulieren und auch Beziehungen überhaupt einzugehen. Beziehung bedeutet auch ein Eindringen in den Raum des anderen Menschen. Das Wissen um die Aggression eröffnet Möglichkeiten, das Entstehen schwerwiegender und anhaltender Aggression in Beziehungen zu vermeiden und gegen zu wirken.

Es gilt immer die Feind-Aggression in Gegner-Aggression zu verwandeln. Während der Feind besiegt werden will, geht es beim Gegner des Spiels darum zu gewinnen und das Bewusstsein, auch einmal verlieren zu können. Im Begegnungs-Spiel begegnen die Phänomene, Auseinandersetzung, Wertschätzung, Anerkennung und Zuwendung.

Werte

Die Verbindung mit anderen Menschen ist nach Joachim Bauer  bedeutend.  Er führt weiter aus: Eine personale Koppelung mit einem anderen Menschen kann auch -ohne persönliche Bekanntschaft auf einer Wertekopplung basieren. Diese bedarf zwar eines anderen Menschen, dieser muss aber nicht im unmittelbaren Umfeld sein. Werte sind transpersonal. So kann sich der Mensch mit einem Propheten oder dem Dalai Lama identifizieren. Die Vereehrung einer Persönlichkeit oder „Helden“ bewirkt, dass sich  die psychische und neuronale Pepräsentanz des Selbst mit der verehrten Person überlappt.

Über die Wertekopplung werden sie zu nahestehenden Personen, auch wenn sie sich nicht persönlich kennen.

Werte sind grundsätzlich nichtpersonaler Natur und aus Sicht neuronaler Systeme nicht beziehungsfähig. damit Menschen sich über gemeinsame Werte nahekommen, bedarf es der Bezugnahme auf ein personales Gegenüber oder einer dritten Person, die als Träger verbindender Werte fungiert.

Eine Frage nach dem, was dem anderen wichtig erscheint, ist immer auch eine Einladung zur Selbstvertiefung. Diese Koppelung zwischen den Beziehungspartnern, kann ein Türöffner  sein, personale Veränderungenprozesse anzustoßen.

Werte zeigen sich in der zwischenmenschlichen Beziehung. „Gelten solle nicht, was nur aus meiner eigenen Sicht sei, sondern was für alle Menschen akzeptabel sei…“. In Kants kategorischer Imperativ ist implizit der perspektivenwechsel enthalten, beschreibt Joachim Bauer.

Ausblick

-Wenn die angesprochenen Phänomene  anregen, Ihr Beziehungs-Kaleidoskop, zu drehen, um andere Sichtweisen und Gedankenanstöße zu erhalten und weiter zu vertiefen, um ein wenig beziehungsweise  zu werden, ist mein Ziel erreicht. Ein neuer Ratgeber war nicht beabsichtigt. Viele Bereiche sind noch offen. Vielleicht spreche ich Sie später einmal  an.

Ist Ihnen bewusst, dass Sie sich mit jeder Beziehung auch die Trennung miteinkaufen?

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