Zuhören

von | Jan 14, 2021 | Kommunikation

„Das aufmerksame Zuhören ist ebenso wichtig wie das klare und verständliche Reden,“ meint Carl Rogers.

 

Höre

ist das Leitwort  der Regeln von Benedikt als Vorsteher eines Klosters im 6. Jahrhundert.  Heute scheint die Besinnung auf den Tipp Benedikts zuzuhören, in einer lauten Welt sinnvoll und aktuell.

»Wer Ohren hat zu hören, der höre.«

Über-Hören

Laut ist es in der Welt. Kommen Menschen zusammen, beenden sie das offene Zuhören relativ früh. Viele Menschen betrachten den Beitrag des anderen nur als Vorspann zum eigenen Reden. So überhören die Menschen wesentliche Details, obwohl das Hören auf die Worte des Anderen eine Bedingung für Verstehen ist.

Egoismen allerorten

Bei einer ausschließlich Ich-bezogenen Haltung beim Zuhören, wird vieles, was zwischen den Zeilen mitschwingt nicht wahrgenommen. Es wird, wenn überhaupt, nur an der Oberfläche der Persönlichkeit des Anderen gekratzt.

  • Ist es so verwunderlich, dass sich der Andere abwendet?

Oft liegt hier ein Grund für Aggressionen, die je nach der Persönlichkeit des so Überhörten, dann in Wut, Antipathie oder Ablehnung umschlagen.

  • Wie wäre es, Sie gingen hinter dem gehörten Wort her?

Motivation

Untersuchungen der Neurobiologie zu den menschlichen Motivationssystemen zeigten, dass die „Motivations“-Systeme im Gehirn abschalten, so sich ein Mensch dem Anderen zuwendet. Die Abgelehnten wenden sich ab. So verhält es sich auch beim „ziellose n Zuhören“, wie es jüngst in einem Managementjournal erwähnt wurde.

Nicht-Zuhören

Nicht zuzuhören, geschieht bei verbalen Interaktionen  täglich. Dem Hörer geht etwas durch den Kopf; schon hört er nicht mehr zu. Er wird abgelenkt, weil der Empfang einer Nachricht auf dem Smartphone durch Vibration angezeigt wird. Das geschieht meist unbewusst.

  • Was  signalisiert ein am Tisch liegendes Smartphone?

Ich beobachte Menschen in Restaurants, die zusammen zum Essen gehen und jeder mehr Augenkontakt mit dem Telefon hat als mit dem anderen Menschen. Manche fingerln sogar fortwährend am Mobilephone.

  • Weshalb gehen diese Menschen gemeinsam zum Essen?

In Lehrvorträgen, Meetings oder Vorlesungen geschieht Ähnliches. Zugleich beschweren sich die Menschen mit Informationen so überladen zu werden, sich nicht konzentrieren zu können.

  • Was geschähe, wenn Sie das Mobiltelefon zum Essen nicht mitnähmen?

Privat gehe ich nicht mit Menschen zum Essen, die ihr Telefon gleich auf den Tisch legen. Ein ungestörter Imbiss kann ein herrlicher Genuss und Austausch sein. Für mich ist das Verhalten unhöflich, wenig wertschätzend und deutet eher auf wenig  Kompetenz des Umgangs miteinander hin.
Hören ist gelebtes Wertzuschätzen: man achtet und schätzt den Menschen.

  • Ist Einfühlen (Empathie)  in Gesprächen möglich, wenn ich eigenen Gedanken nachhänge?
  • Weshalb treffe ich mich mit einem Menschen, dem ich keinen Raum des Hörens einräume?
  • Was ist wichtiger als der mir im Gespräch gegenüber sitzende Mensch?

Schweigen

„Miteinander-Sprechen, und das meint nicht Zu-Reden, sei der Kern  jeglicher wertschätzenden Kommunikation“ (Rogers).  Für Watzlawick ist Kommunikation  aktive Interktion. Hören bedeutet, dass einer schweigt, während der Andere redet. So werden Sprecher in einem Miteinander-Reden abwechselnd schweigen müssen. Beherrschen sie diese Kunst des aktiven Schweigens nicht, bleibt es ein Zureden mit einem kaum zu steuerndem Ausgang.

Der Hörer bestimmt die Bedeutung des Inhalts

Die Herausforderung  der Kommunikation ist immer:

Wie mache ich es, dass der Hörer das hört, was ich hoffe, dass er hört?

Immer entscheidet der Hörer, was er gehört hat oder hören will. Er ist immer frei, das zu entscheiden. Diese Kunst des Gesprächs das Verstehen beim Anderen zu ermöglichen, beherrschen nur wenige.

  • Was ist die Wirklichkeit des Hörers?
  • Welche Gewissheiten teilt er mit?

Der Gewinn, der ein Gespräch vielschichtig und spannend macht, ist das neu Gehörte. Dies wechselseitige Hören während des Gesprächs erzeugt ein Resonanzgefühl, das nicht wie ein Echo verhallt.

Zuhören will gelernt sein.

Menschen sind oft so mit sich beschäftigt, dass sie den Anderen gar nicht hören. In verbaler Interaktion sehen sich viele nur als Geber. Für diese Menschen ist Kommunikation nur lustvoller Selbstvollzug. Dabei wird Sprache auf Appell und Informationsfunktion zurückgenommen und die so Kommunzierenden erliegen dem Containerrealismus. Sie unterliegen dem Missverständnis, es sei leicht herauszufinden, worin der eigentliche Kern der Botschaft eines sprechenden Menschen bestehe.

  • Erleben wir nicht täglich erleben in Gesprächen Überraschungen, die uns aus dem Konzept werfen?
  • Nehmen Sie überraschenden Bälle in der Kommunikation auf?
  • Ist es nicht ein Wunder, dass sich Menschen überhaupt zumindest teilweise doch verstehen?

Sprechen ist riskant

  • Was sagt sie?
  • Was verschweigt sie?
  • Was ist der Sinn des Gesagten bzw. Geschriebenen?
  • Ist die Welt wirklich so, wie wir sie wahrnehmen?

Sprechen ist ein Schritt in eine fremde Welt. Ohne Mut werden Sie diesen Schritt kaum meistern und allenfalls nachsprechen.

Wirklichkeiten

Viele Physiker und Philosophen sind sich zwischenzeitlich einig, dass die Welt, die wir wahrnehmen und die Welt, wie sie „wirklich“ ist, sich unterscheidet. Wir sehen nur, was wir wissen, formulierte schon Goethe. Und das Wissen über die Welt ist bei jedem Menschen subjektiv durch viele bewusste und unbewusste Erfahrungen und Erkenntnisse, geprägt. Heinz von Förster sagte, dass die Landkarte, die wir von einem anderen Menschen sehen, schon eine Landkarte der Landkarte des Gebiets sei. Die Landkarte des Menschen als „Modell der Welt“, spiegelt nicht 1 zu 1 die reale Welt oder die Landkarte des Gebiet wider. Es ist nur dessen Struktur. Indem Menschen genau zuhören, können sie  die „geistigen Landkarten“ und den „inneren Kompass“ der Gesprächspartner bemerken. Keine Konstruktion der Welt eines Menschen gleicht der eines anderen Menschen.
Und die Entdeckungsreise in die Welt des Anderen einzudringen, beginnt mit Zuhören.

 Empathie

Aktives Zuhören umfasst das

  • analytische,
  • verstehende und
  • das empathische Zuhören,

das neben den Worten auch die Gefühle zu erfassen sucht. Überzeugen gelingt nur, wenn es gelingt die emotionale Ebene anzusprechen.

Empathie stellt sich ein, wenn sich der Sprecher von seinen Vorurteilen, Überzeugungen und Meinungen frei machen kann. „Gefühle und Bedürfnisse wollen ernst genommen werden. Trost, Beschwichtigen, Ratschläge und Ermutigungen sind hier fehl am Platz“, sagt Marshall B. Rosenberg.

Passives Zuhören

Der Gesprächspartner gibt keinerlei Statements, sondern demonstriert Aufmerksamkeit durch Laute, Blicke der Zuwendung oder manische Rückmeldung. Unterschätzen Sie diese Form des „stillen“ Zuhörens nicht, denn Menschen sind es nicht gewohnt, länger die Klappe zu halten.
Es ist die Grundform einer wertschätzenden Zuwendung. Carl Rogers bezeichnete das als aktives Zuhören. Es fordert maximale Konzentration auf den anderen Menschen und seine Darstellungen. Ziellos es Zuhören ist das sicher nicht.

Selbstversuch

Versuchen Sie vor einer Antwort 3 Sekunden zu schweigen. Sie werden bemerken, es fällt nicht so leicht.

Aktives Zuhören

Beim aktiven Zuhören handelt es sich um eine Form des Feedback im Sinne von: „Habe ich Sie richtig verstanden…“? Varianten des aktiven Zuhörens sind:

1. Paraphrasieren,
2. Zusammenfassen,
3. Nachfragen.

Drei Weisen des Zuhörens

Geduldiges Zuhören

Mit Aristoteles wird geduldiges Zuhören als Tapferkeit verstanden. Nicht gemeint sind: resignierendes Dulden, Ungeduld oder Loghoroe. Es bedingt immer auch ehrliches  Interesse. Das können Sie üben, indem Siein einem Gespräch erst antworten, wenn 3 Sek. vergangen sind.

Genaues Zuhören

Versuchen Sie immer alle vier Botschaften (Schulz von Thun: Information, Selbstdartsellung, Gefühl, Appell) in dem richtigen Verhältnis wahrzunehmen? Ungenaues Zuhören ist oft begründet in: Stress, Angstzuständen, Scham, Schuld, Mindergefühlen, Projektionen, Rückübertragungen oder starker Emotion (Neid, Zorn, Liebe, Ehrgeiz..).

Das können Sie üben, indem Sie nur das sagen, was Sie sich für das Gespräch auch vorgenommen haben.

Analytisches Zuhören

Analytisches Zuhören bedeutet schnell und sicher die sachlichen und logischen Voraussetzungen, Implikationen und Konsequenzen des Gesagten zu erkennen und mitzubedenken.

  • Was muss man bei einer Aussage alles herausfinden, damit man sagen kann, der Satz sei zutreffend?
  • Was hätte es für Folgen, wenn der Satz wahr wäre?

Michael Ende: Momo

Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war zuhören. Das ist nichts Besonderes….

Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören vertsand, war es ganz und gar einmalig.

Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen…. Sie konnte zuhören, dass ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder Schüchternesich plötzlich frei und mutig fühlten…..

So konnte Momo zuhören.

Höre!

Überzeugen

Überzeugen bedeute...... Überzeugungen meint (oft unbewusste) übernommene, gelernte, persönliche Erfahrungen, gewachsene Werte, Ziele, Prinzipien. Überzeugungen haben etwas Kognitives (=auf Erkenntnis beruhend). Sie verfolgen bestimmte Wünsche, Interessen und...

Kommunikativ spielen

Ich begegne vielen Menschen, die viel reden. Sie reden stilistisch und gramatikalisch einwandfrei. Doch sie erreichen mich nicht. Ich höre und fühle nichts. Ziel der Zeilen ist, eine Sprache der emotionalen Zuversicht zu üben, die dynamische Kooperationen und...

Macht und Führen

Führungskräfte ohne Rückgrat und Machtverständnis, sind ein wesentlicher Grund für Krisenmeldungen im Unternehmen und der Gesellschaft. Führen bedeutet Einflussnehmen und Fremdsteuerung. Die originäre Erwartung an eine Führungskraft ist, andere Menschen zu ändern, um...

Glücklich sein

"Die Welt des Glücklichen ist eine andere als die des Unglücklichen." Wenn dem so sei, wie Wittgenstein schrieb, und Menswchen grundsätzlich Glück als lohnendes Ziel anstreben, möchte ich mit den ausgewäghlten Gedanken, Sie anregen, über ihr Glück nachzudenken und es...

Führen, heute und in Zukunft

Führung ist immer mit der Persöhnlichkeit des Menschen, der führt, verknüpft. Führen ohne integre Persönlichkeit führt ins Abseits.

Qualitäten der Persönlichkeit

Fritz Kraemer sagte: "Character counts, not position and title". Which code of honor one pursues is important. Welche Qualitäten zeichnen eine erfolgreiche Persönlichkeit aus? Sind Charakter, Auftritt, Stil und kultiviertes Benehmen auf  dem Weg zum Erfolg eher ein...

Positiv Leben

"Wo Licht ist, sei auch Schatten," verkündet eine Volksweisheit.  Positiv zu leben bedeute, dass der positive eingestellte Mensch, um seine Unvollkommenheit weiß. Er verschließt sich nicht in einer Welt der rosaroten Illusionen. Der positiv eingestellte Mensch verfügt...

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Charisma eine Magie, die andere mitreißt?  Definition: Charisma Charisma sei keine angeborene Gabe, die eine Person entweder besitzt oder eben nicht. Charisma ist kein Persönlichkeitsmerkmal, sondern eine Eigenschaft. Charisma wird Menschen wie Charaktereigenschaften,...

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Die Überredungskünstler mögen viele Siege erringen, doch verlieren Sie nahezu jeden „Krieg“. Faust meinte: „Wenn du`s nicht fühlst, wirst du es nicht erjagen!“ Emotionale Sprache  Nach Ridderstrale und Nordström, Stockholmer Professoren, gibt es vier grundlegende...

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Glauben-können und Vertrauen sind zwei der vielen Voraussetzungen für ein gelingendes Leben. Menschsein spielt sich im Begegnen mit dem Anderen ab. Der Mensch ist auf Zuwendung hin ausgerichtet, schreibt Joachim Bauer. Sich auf die Begegnungen einlassen zu können,...

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