Mut, Frei-Sein, Energie, Resilienz und Kraft aus der inneren Ruhe.
Intro
Ein kurzes persönliches Essay, angeregt von einem kleinen blauen Vogel: der Blaumerle. Ob Sie die Symbolik in ihrem privaten und beruflichen Alltag anregt, entscheiden Sie selbst.
Blaumerle
Es ist ein kleiner blaugefierter Vogel, der vornehmlich im Mittelmeerraum und in Asien vorkommt. Viele orientalische und westliche Weise und Mystiker sehen seit Jahrhunderten in ihm ein Symbol eines Menschen, der gelernt hat loszulassen, sich zu befreien, widerstandsfähig und energiegeladen seiner Welt zu begegnen.
Charakteristik
Die Blaumerle beginnt zu fliegen, wenn die anderen Vögel sich längst in ihr Nest gelegt haben. Je widriger die Bedingungen der Umwelt werden, desto kräftiger und lauter singt sie. Den Schnabel in den Wind gerichtet fliegt der kleine Vogel in große Höhen.
- Sind das nicht Eigenschaften, die einem Menschen heute in vielerlei Hinsicht gut nützen würden?
Mystik
Bei westlichen und östlichen Mystikern wie Rumi und Juan de la Cruz erscheint oft ein Vogel als Symbol. Der Flug in den blauen Himmel verzaubert, transzendiert.Die Blaumerle wird oft mit dem „passer solitarius“ (einsamer Sperling) assoziiert, einem Symbol für mystische Kontemplation und das Zurückziehen von der lauten Welt. Sie gilt als ein Wesen, das in der Stille Weisheit findet.
Diese Stille gewinnt man, wenn man es zulässt, sich einlässt und niederlässt. Ein Sprachspiel, das Graf Dürckheim (Psychotherapeut 1896-1988) zugeschrieben wird, der sich in Meditationen vertiefte.
- Was sind ihre Ruheräume?
- Wo treten Sie in die Stille und absichtslose Betrachten?
Bote zwischen den Welten
Als Wanderer zwischen den Welten lebt die Blaumerle in felsigen Gebieten, oft in der Nähe von Ruinen. Es ist wie eine Verbindung von vergangenen Zeiten und dem Kommenden.
Vergangenheit ist wichtig, nicht als sehnsüchtiger Blick zurück an vertraute Erinnerungen, die nicht mehr bestehen. Erinnerungen sind kein wehmütiger nostalgischer Rückzug, sondern eine Ressource aus der sich Neues schöpft.
In einer zunehmend komplexeren Welt, die Doppeldeutigkeit von Ereignissen und Zweifel an Gesagtem auszeichnen, ermöglicht die Rückbesinnung fortzuschreiben, woher der Menschen kommt. Das Gewesene ist keine Schönfärberei des Gestern, sondern ermöglicht befreit in eine offene Zukunft zu „fliegen“: hoffnungsvoll und mit Ansporn. Hat doch die Vergangenheit gezeigt, wie wir manches besser gemacht haben. Weshalb sollte dann ein ähnlicher Erfolg in der Zukunft nicht möglich sein?
- Was haben Sie alles im letzten Jahr geschafft?
- Welchen Antrieb könnten Sie daraus für die Zukunft schöpfen?
- Wo finden Sie Kraft, Mut, Toleranz und (Lebens-)Weisheit in ihrer Geschichte, um von dieser festen Basis in höchste Höhen zu fliegen?
Höhenflug
Der Blaumerle schreibt man zu, dass sie in höchste Höhen fliegt. Das gelingt, weil sie
vom festen Boden innerer Klarheit abhebt. So vermag der Mensch in die geistigen Lüfte zu steigen, wo die Höhe freie Gedanken und Überblick ermöglicht. Aus dieser Distanz steht den Gedanken nichts mehr entgegen und man nähert sich dem nicht für möglich Gehaltenem, weil den Geist nichts mehr ängstigt und nichts mehr verwirrt.
- Haben Sie einmal von einem Berg oder am Strand in die Weite geblickt, wo der Blick weiter reicht als die Arme jemals greifen können?
Bescheidenheit
Dem kleinen Vogel wird Unauffälligkeit und Ruhe zugeschrieben. Im Gegensatz zu einem prunkvollen Symbolvogel wie dem Adler, steht die Blaumerle für ein „leises“, unauffälliges Wirken, der in der Stille die spirituelle Stärke findet.
Der kleine Vogel wirkt demütig, indem er die Anderen und seine Umwelt wahrnimmt und würdigt. Doch er weiß, wann es genug der Demut ist und die Zeit gekommen ist, sich der Unbill zu stellen.
Die Blaumerle fliegt besonders, wenn alle anderen Vögel längst wegen eines aufziehenden Wetters sich verkrochen haben. Je widriger der Sturm ist, desto mehr reckt sie den Schnabel in den Wind und beginnt lauter zu singen.
- Ziehen Sie ihre Kraft aus dem Innen oder mehr aus äußeren Gegebenheiten?
Liebe/ Agape
Eine weiteres Merkmal ist der liebliche und geschmeidige Gesang der Blaumerle. Ihr Gesang gilt als Gabe, die Herzen der Menschen zu rühren und eine tiefe emotionale oder spirituelle Resonanz und Verbindlichkeit zu erzeugen.
- Wie gelingt es Ihnen die Herzen der Menschen zu rühren?
- Wie erzeugen Sie nicht nur ein verhallendes Echo, sondern Resonanz, die Begegnungen verstärkt?
Flow
Es scheint erstrebenswert, glücklich machende Gefühle (Flow; Mihály Csíkszentmihályi) anzustreben. Diese Einstellung kann den Menschen gesund an Geist, Körper und Seele erhalten.
Schon früh beschrieb Philo von Alexandria die glücksringende Erfahrungen eines ekstatischen Zustandes. Rumi entwickelte den Tanz der Derwische als einen Weg, um zum Flow zu gelangen und erweiternde Bewusstseinszustände zu erfahren. Und Abraham Maslow beschrieb diese Zustände als Gipfelerfahrung.
Zahlreiche spirituelle Wege dienen, sich zunehmend von den Themen des Alltags und personalen (Vor-)Annahmen zu befreien. Die Hindernisse verlieren an Gewicht so man zunehmend an Höhe gewinnt und so die Phänomene losgelöster wahrnimmt. Das ermöglicht, sich der inneren Quelle zu nähern, aus der Lebensfreude und Energie hervorsprudelt.
Indem man Höhe gewinnt, schöpft man vermehrt Kraft aus der inneren Tiefe. Verfolgt man den Weg, vermag man die verschiedenen Schutzwälle zu überschreiten und zur inneren Burg zu kommen.
Loslassen
Loslassen-Können scheint einer Schlüssel, um Glück zu erfahren. Obwohl Menschen das wissen, verhalten sich viele Menschen eher gegenläufig.
Menschen streben nach Besitz: sowohl von Menschen und als auch von Objekten. Das zeigt sich im geschäftlichen Alltag in vielfältiger Weise: Man versucht seine Position zu halten und übersieht den Vorteil, sich des Rucksacks zu entledigen. Ein Kreislauf beginnt, indem Mehr nicht mehr genug ist.
Man will unbedingt das Glück festhalten und übersieht, dass das Glück, je mehr es begehrt wird, sich dem Zugriff entzieht, wie Frankl es mehrfach beschrieb.
Freiraum
Im Loslassen schaffen wir den Raum, uns von den Dingen des Alltags zu lösen. Und bindende Energie transformiert sich in eine befreiende Kraft die uns stärkt, wie der kleine Vogel gegen den Wind und Widrigkeiten zu navigieren.
- Kennen Sie das Gefühl von Sorgen und von Gedanken, die Sie zunehmend einspinnen, so dass sie nicht mehr hinaus sehen?
- Wie können Sie sich ihrer Fesseln entledigen, um in die Höhe zu steigen?
Nada te turbe
- Haben Sie einmal versucht, etwas, das Sie sehr begehren, einfach einmal beiseite zu legen?
Ein spanisches Mantra, “Nada te turbe, nada te espante“, („…nichts verwirrt und nichts ängstigt dich…“) formulierte im 16. Jahrhundert eine spanische Dichterin.
- Wie wäre es, Sie wiederholten täglich dieses Mantra und nutzten die affirmierende Wirkung der Wörter?
- Kennen Sie das überraschende Gefühl, als Sie gar nicht mehr mit etwas Begehrtem rechneten und sich gerade dann plötzlich materialisierte?
Fliegen lernen
Lernen Sie auch bei widrigen Umständen zu fliegen. Neue Möglichkeiten tun sich auf, neue Marktplätze und Räume. Sie werden zunehmend robuster (resilienter) und nutzen die neuen Möglichkeiten (antrifragliler).
Sie treten in Ihren inneren Raum und hören ihre inneren Stimmen. Diese inneren Wahrnehmungen und Dialoge erstrecken sich auf religiöse, soziale, wissenschaftliche und philosophische Überlegungen. Sie bemerken auch die Normen und Werte anderer Menschen oder von Menschen anderer sozialer Systeme. Diese Erkenntnis vermag Beziehungen aufzubauen und Interaktionen zu fördern, solange ihre Realisierung nicht zu sozialschädlichem Verhalten führt.
Blaumerle: Zurück zum Anfang
So zeigt uns der Höhenflug der Blaumerle, dass es möglich ist, zu erkennen, wer man ist.Die Freiheit beginnt innen. Machen Sie einmal blau; die Farbe des Himmels und der unendlichen Weite jenseits der Wolken.
„Die Freiheit muss wohl grenzenlos sein…“, sang Reinhard Mey.

