Über Kommunikationsstörungen

von | Mrz 8, 2021 | Kommunikation

Das Wissen um Kommunikationsstörungen, vermag Sie vor mancher Ungereimtheit bewahren und ein sinnvolles Miteinander fördern. Drei Bereiche seinen genannt, die ein menschliches Miteinander-Umgehen erheblich stören und gefährden können. 

  • Das dogmatische Vertreten von Positionen 
  • Rücknahme auf bloß funktionale Kommunikation 
  • Verkennen von Widerstandsgründen 

Das dogmatische Vertreten von Positionen 

Gelingende Kommunikation setzt nicht voraus, dass alle einer Meinung sind. Es gibt viele Menschen, die die Meinung vertreten, dass eine Kommunikation nur geglückt sei, wenn alles harmonisch und einstimmig verläuft. Dogmatiker unterstellen eben diese Irrtums- und Täuschungsfreiheit. Er unterscheidet nicht sokratisch zwischen Gewissheit und Wahrheit. Gewissheit bezeichnet einen psychischen Zustand, der uns nicht am Zustand eines Sachverhalts zweifeln lässt. Dogmatiker sind der pathologischen Überzeugung über wahres Wissen zu verfügen und fühlen sich so dem anderen überlegen. Sokrates erklärte Menschen für dumm, die meinen, dass sie objektiv wüssten, obwohl sie nur subjektiv meinen könnten. So wissen weise Menschen, dass sie nur subjektiv meinen und nicht objektiv wissen. Der aufgeklärte Gesprächspartner betrachtet die Aussage des Anderen als seine subjektive Meinung.

Wahre Erklenntnis

Viele Menschen sind der Ansicht über wahre Erkenntnis im politischen und wirtschaftlichen Wissen zu verfügen, obwohl sie Ihr Wissen oft aus anderen Quellen beziehen (Z.B: Presse, Bücher, Fernsehen, Menschen…). In den seltensten Fällen basiert die Erkenntnis auf eigener Erfahrung. Und auch diese ist eine subjektive Erfahrung. Ein anderer Mensch erlebt den Sachverhalt gänzlich anders.

Das gilt auch für die Wissenschaft. Viele Wissenschaftler meinen über wahre Theorien zu verfügen, obwohl es in der Geschichte noch nie vorkam, dass Theorien nicht überholt wurden. 

Führungsdogmen

Viele Führungskräfte versuchen durch verkünden von Dogmen (oft unbewusst) ihren Führungsanspruch zu verkünden und zu sichern. Oftmals ist das in einer legalen Autorität begründet. Diese ist aber von der legitimen (=natürlichen) Autorität zu unterschieden.

Vorurteil

Vorurteils geleitete Kommunikation ist stets kontraproduktiv und macht menschliches Miteinander-Umgehen nahezu unmöglich. Bei unterschiedlichen Meinungen müssen die Parteien wissen, dass es nur verschiedene Gewissheiten sind, die gegenüber stehen. Das ist für Verhandlungen wesentlich. 

Lösungensmöglichkeiten: 

  • Kontrollierter Dialog
  • Dialektik (Erkenntnisgewinn über Diskurs)
  • Fragen
  • Wahrnehmungspositionen
  • Kommunikationsquadrat
  • Eigene Vorurteile bemerken: Erst ab 100 können Sie sicher sein, dass Sie sich Ihrem Selbst-Real nähern (Erich Fromm). 
  • Selbstwert setigern
  • Sich über Emotionen emanzipieren durch Meditation

Rücknahme auf bloß funktionale Kommunikation 

Wir unterscheiden personale Kommunikation von funktionaler. Bei personaler Kommunikation stehen die Menschen im Zentrum des Interesses. Es ist eine Kommunikation mit der Person und nicht über die Person.

Bei funktionaler Kommunikation steht das kommunikative Geschehen im Dienst von kommunikationsfremden Zwecken. Der Mensch ist nur der sachbezogene Erzeuger, Empfänger oder Verarbeiter von informations-erzeugenden Signalen. Das führt zwingend früher oder später zu Beziehungsstörungen, Kontaktunsicherheiten oder funktionalen Kommunikations-störungen. 

Eine rein funktionale und formale Anwendung des NLP, unfairer Techniken der Dialektik oder insitierende Fragen in der Kommunikation fällt ebenso darunter. Sie bewirken gerade das Gegenteil von dem, was das Modell zu erreichen verspricht.

Ausreden

Oft rechtfertigt ein funktionaler Kommunikator sich mit folgenden Entschuldigungen: 

  • Er habe keine Zeit für emotionales Gequatsche 
  • Es fehle ihm die Geduld für personale Kommunikation 
  • Er selbst hat keinen Zugang zu Emotionen (oft unbewusst) 
  • Es geht im Business nur um materielle Betrachtungen. 

Emotion

Kann ein Mensch seine Emotion nicht mehr sozial darstellen oder weiß mit fremden Emotionen nichts anzufangen, wird es pathogen. Im Endstadium, kann er diese Emotionen (außer Aggressionen) gar nicht mehr wahrnehmen. Er „ist gezwungen“ aggressiv zu kommunizieren. Personale Kommunikation setzt voraus, dass Sie auch etwas von sich selbst mitteilen. Denken Sie an das Anliegen von Schulz von Thun und sein Kommunikationsquadrat.

Pseudopersonal ist etwa: 

„Small Talk“ und andere Formen des „geselligen Lärmens“. Auch „Logorrhöe“ (Sprechdurchfall) rechne ich dazu. Es fehlt hier das Zuhören. Es ist nur eine Art Vorbereitung eigenen Redens. Schulterklopfende Freundlichkeit, um ausschließlich eigene Vorteile zu erreichen und Witzelndes (spöttisches) Reden, das nur an der Oberfläche eine personale Begegnung zulässt. Verbales Geplänkel, wie bei vielen Talkmasterkreisen, ausschließliches Reframing ohne eine Selbstmitteilung, laufendes Zurückgeben mit rhetorischen Floskeln sind Beispiele. Phatische Kommunikation rechne ich dazu nicht.

Lösungsmöglichkeiten 

  • Emotionen wahrnehmen
  • Sensitivität 
  • Teilen Sie immer auch etwas mit, was Sie ergreift 
  • Von Herzen sprechen 
  • Zeit nehmen und Zeit geben
  • Erst nach 3 Sekunden antworten 
  • Aktives Zuhören
  • Backtracking (kontrollierter Dialog)

Verkennen von Widerstandsgründen 

Kommunikation kann unmenschlich ausgehen, wenn im kommunikativen Geschehen Widerstände falsch interpretiert werden oder auch bewusst fehlgesteuert werden. Denken Sie an Gerüchte oder politische Sachverhalte, die in Blockaden oder Kriegen enden können.

Kommunikative Widerstände haben meist drei Quellen: 

  • aktuelle, virtuelle (unbewusst) oder habituelle (bewusste) Antipathie, 
  • emotionale Sperren, 
  • sachliche Meinungsverschiedenheiten. 

Antipathiewiderstände 

Gemeint ist ein Widerwille, der durch die Vorstellung oder Wahrnehmung von Menschen oder deren Handlungen ausgelöst wird. Dies kann bis zum Abbruch der Kommunikation führen. 

Lösungsmöglichkeiten 

Jeder Mensch muss akzeptieren, dass der andere das Recht hat, ihn antipathisch zu finden. Das schließt das Recht ein, einen anderen Menschen dauerhaft nicht leiden zu können. Von allen geliebt zu werden, ist eine infantile Vorstellung. 

Menschen, die sich nicht leiden können, sollten sich darüber verständigen, wie es gelingen kann, die jeweilig andere Person nicht leiden zu lassen. NLP und zahlreiche andere Kommunikationsmethoden stellen eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung, dennoch eine Kommunikationsbasis herzustellen.

Lösungsmöglichkeiten

  • Kurze Sätze
  • Kein langatmiges Reden, auf den Punkt kommen
  • Gesprächsziel
  • Empathie, Rapport 
  • Unterlassen von Rechthaberei, verletzender Kritik, abwertendes Reden 
  • Keine langatmige Selbstdarstellungen 
  • Nicht fahrlässiges In-Frage-Stellen des Partners 
  • Kein arrogantes, elitäres Darstellung oder Auftreten 
  • Mund- und Körpergeruch vermeiden 
  • Natürliche Perfektion und Darstellung 

Ausprägungen von menschlichem Fehlverhalten 

Arroganz

kann sich darstellen: 

  • Im Verurteilen. Der Verurteilende erhebt sich in arroganter Anmaßung über den Verurteilten. 
  • Im Verkünden von Dogmen wissend, dass Menschen nicht objektiv wissen, sondern nur subjektiv meinen. Verkündender unterstellt frei von Irrtum und Täuschung zu sein. 
  • Etikettieren anderer. Indem der Mensch etikettiert, hält er sich für etwas Besseres. „Streber, Chaot, Neurotiker, Faulpelz.“ 
  • Kleinmachen anderer. Es gibt Menschen, die sich nur wohl fühlen, wenn sie sich ein Stück „größer“ machen (Durch Schuldvorwürfe, Besserwisserei, ungerechtfertigte Kritik, „relativer“ Ehrgeiz, der Mensch ständig dazu treibt, immer besser zu sein). 
  • Unfähigkeit, Hilfe gegen sich gelten zu lassen. Viele haben ein Helferbild als Idealbild und können dennoch aus Stolz selbst keine Hilfe annehmen. Das Helfersyndrom ist oft Ausdruck latenter Arroganz: Menschen versuchen Situationen zu erzeugen, wo sie als Helfer, Richter, Retter, Pastor, Lehrer, Eltern, Berater agieren können und so den anderen zum Hilflosen, Geretteten, Missetäter, Belehrten oder ‚Schaf‘ machen. 

Egoismus 

  • Ausbeuten anderer Menschen. Gemeint ist vor allem finanzielles Ausbeuten, aber auch emotionales oder soziales. 
  • Übervorteilen von Menschen. Eigenen Nutzen mehren und fremden Schaden billigend in Kauf nehmend oder keine verantwortete Güterabwägung. 

Heuchelei 

  • Alleinig versuchen, in den Augen anderer immer besser dazustehen, als es seinem Selbst-Real entspricht 
  • Verbergen eigener Schwächen 
  • Ausschließliches Darstellen eigener Überlegenheit 
  • Verleugnen eigenen Versagens 

Erinnern Sie wertschätzende Kommunikation von Carl Rogers, wenn Sie mit Menschen kommunizieren und ihr Gespräch wird erblühen und an konktrats gewinnen.

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