Respekt

von | Okt 5, 2021 | Persönlichkeit

„respectus“

Respekt will verdient sein. Im Lateinischen und bedeutet er Zurücksehen, Rückblick, Rücksicht, Berücksichtigung, Zuflucht (Klett: Taschen-Heinichen Lat.-Deut.). Seit dem 16. Jahrhundert wandelte sich die Bedeutung zu Ehr-Erbietung, Achtung; Ehrfurcht, Scheu (Duden Bd. 7 Herkunftswörterbuch).

Vieldeutigkeit

Das Wort Respekt ist vieldeutig.

  • Ist ein Mensch respektabel, wenn er über Ansehen, Macht, Einfluss und vielleicht auch Geld verfügt und auf der anderen Seite seine physische, psychische oder soziale Gesundheit (oder die der Anderen) zu Grunde richtet?
  • Wer bestimmt, ob Respekt positiv oder negativ zu betrachten ist?
  • Manche Menschen respektieren nicht die Lawinengefahr in den Bergen?
  • Respektieren Menschen nicht auch einen Hulligan?

Im ersten Fall ist Respekt mit einer Sache, im zweiten Fall ist er mit einem Subjekt verbunden. In beiden Fällen ist er aber mit Angst oder Scheu etikettiert.

Menschlicher Respekt

Menschen zollen Menschen auch Respekt, weil diese beispielsweise Weisheit austrahlen, fachlichen Kompetenz besitzen, mitfühlend sind, sich durchsetzen oder charakterliche Stärke zeigen. 

Moral

Respekt bezeichnet eine individuelle Gesamtheit von Eigenschaften eines Menschen, wenn sie eine gewisse Einheitlichkeit und Stetigkeit des Verhaltens zeigen. Diese spiegelt sich in ihren Haltungen, ihren Werten und  dominanten wie dauerhaften Wertvorstellungen. Alle respektbildenden Elemente sind eine sittliche oder moralische Wertung. Wie bei Kippbildern, kann die Bedeutung durch den Betrachter von einer Bedeutung zu einer anderen gekippt werden: mit positiver oder negativer Bedeutung.

Wesenheit

So scheint Respekt je nach der Wesenheit des einzelnen Menschen ähnlich dem Charakter, unterschiedlich zu sein. Mag auch die Gruppe, mitbestimmend sein, ob der einzelne Mensch als Respektperson betrachtet wird. Sicher wird der in einer Firma cholerisch auftretende Gruppenleiter von manchem Mitarbeiter oder mancher Mitarbeiterin wegen seiner hierarchischen Stellung respektiert werden; dieser Respekt ist aber wohl überwiegend von Angst bestimmt und kaum wertschätzend.

Ein kommunikatives Ereignis

Kaum ein Mensch spricht von sich als Respektperson. Respekt wird zugesprochen. Diese Etikettierung betrifft nicht zwingend einen realen Menschen, sondern es ist das Bild, das sich Andere aufgrund bestimmter Verhaltens-, Ausdrucks- und Wertmerkmalen von ihm machen. So kommen wir zur anfänglichen Übersetzung aus dem Lateinischen zurück. Respekt hat eine Enstehungsgeschichte und bildet sich aus einer Verhaltens- oder Handlungsweise der Vergangenheit eines Menschen. Es ist etwas, das den konkreten Menschen prägt. Respekt ist mit der Persönlichkeit verknüpft.

Der Unterschied

Dabei gilt es zwischen Respekteigenschaften und Verhaltensweisen zu unterscheiden. Respekt wird einer Person als Subjekt zugeschrieben, während Verhaltensweisen als Merkmal eine Interaktion haben (Näheres bei Eckart Klobe). So entfaltet ein Mensch Respekt nur durch aktive Interaktion (sein Verhalten in einer konkreten Situatuion).

Kommunikation 

Kommunikationsmethoden, die lediglich als Schmiermittel zwischen zwei Kommunikationspartnern verstanden werden, um Respekt aufzubauen, reichen nicht. Zum Beispiel wird ein Verhandlungspartner kaum von einer Person als Partner auf Augenhöhe wahrgenommen werden, wenn er lediglich Methoden der Kommunikation abspult. Respekt ist, wie oben gezeigt, mit der Persönlichkeit verbunden.

Ausbildungen

Kommunikationsausbildungen, die lediglich funktionale Techniken vermitteln, reichen nicht aus. Erst wenn der Mensch auch als Persönlichkeit wirkt, besteht die Möglichkeit, zu einer Respektsperson zu reifen. Diese (Aus-)Bildung ist nicht alleinig auf der bewussten Ebene zu erreichen. Für personale Wesensbildungen bedarf es des ganzen Menschen mit seinen sozialen, personalen und kommunikativen Kompetenzen.

Respektlosigkeit

  • Was ist typisch für Menschen, die ihr Leben respektlos gegenüber anderen Menschen leben?

Diese Menschen werden gelebt, sie leben ein Leben aus zweiter Hand, weil sie nicht (mehr) in der Lage sind, selbstverantwortlich ihr Leben zu gestalten. Diese so gehandikapten Menschen brauchen und suchen eine Form der Öffentlichkeit, von der her sie sich selbst definieren. Sie benötigen Anerkennung und oftmals auch repressive Macht, um sich diese Anerkennung zu verschaffen.

 Gründe für Respektlosigkeit können zum Beispiel sein:

  • Fehlen oder Nichtbeachtung der eigenen inneren Moral
  • Fehlen oder Nichtbeachtung der äußeren Moral
  • Fehlen eines ethischen Grundgerüstes

 Beispiele nach Rupert Lay für respektlos sind:

  • Systemagenten,
  • Egoisten,
  • Feiglinge,
  • Unehrliche,
  • Kriecher,
  • Ausbeuter,
  • Desorientierte,
  • Gelähmte,
  • Desintegrierte,
  • Aggressoren,
  • Gutmenschen,
  • „Asoziale“,
  • Fanatiker,
  • Dogmatiker,
  • zirkulär Streitende,
  • Gaffer,
  • Dumme,
  • Unangepasste,
  • Einzelgänger („Sie mögen mich hassen, wenn sie mich nur fürchten“).

Respekt und Macht

Zwei Welten bestehen parallel. In der einen Welt wird um Macht gekämpft. In der anderen zählt nicht Macht, sondern Respekt. Das zeigt sich daran, dass selbst ein mächtiger Präsident nicht befehlen kann, jeder solle ihm Respekt zollen. Zahlreiche Beispiele aus Diktaturen zeigen das. Sie versuchen Respekt in Macht umzudeuten, weil Respekt für viele Menschen attraktiver erscheint.

Machtgebaren bedeutete einmal, großen Respekt einzuflößen, weil Menschen unter Druck zu vielen Verhaltensweisen zu bewegen waren. Das nutzten und nutzen noch heute zahlreiche politische, gesellschaftliche und religiöse Institutionen.

Doch kann Respekt nicht mit den Methoden der Macht erworben werden. Zeldin schreibt, dass Respekt Menschen braucht, die vermitteln können, als Schlichter wirken, Mut machen, fähig sind, Resonanz zwischen den Menschen bewirken. Oft fordern diese Leute einen zu hohen Preis, an dessen Ende dann wieder Gehorsam stand. 

Der Alltag

Im Alltag respektieren Menschen andere Menschen häufig, wenn sie sich diesen unterlegen fühlen. Doch Gewalt auch in Form einer drohender Haltung, die Angst fördert, ist kaum der Weg, Respekt zu gewinnen. Menschen sind gleichwertig – aber eben nicht gleich (Niels van Quaquebeke). Selbstlosigkeit und Empathievermögen sind  Eigenschaften, die von uns Respekt abverlangt; ganz im Sinn einer Verhaltensweise einer Mutter Theresa oder eines Ghandi.

Proaktiv Handeln

Respekt im Geschäftsalltag hat mit handfesten Dinge wie Wettbewerb, Debatten führen können, gewinnen können und sich durchzusetzen zu tun. Das geschieht grundsätzlich durch Leistungswillen und klare Vorstellungen, selbstverantwortete Entscheidungen, Kontur und proaktives Handeln. Das sind klar zu unterscheidende Eigenschaften (s.u.), die bewirken, dass ein derartiger Mensch aus der normalen Masse heraussticht. Diesen Menschen gibt man mitunter das Prädikat Respekt.

Einbringen

Diese Weise des Respekts lässt sich lernen, indem man sich auf das interaktionelle Spiel mit Menschen im Privatem wie im Geschäftlichen einlässt. Es bedeutet spielen zu können. Es gilt Spielregeln aufzustellen und durchzusetzen. Es bedeutet sich als aktiven Teil der Welt einzubringen und das Spiel des Lebens nicht durch ein Guckloch zu betrachten.

Orientierung

Eine neue Form des Respekts wird Menschen gezollt, die eher nach vorne sehen, Richtung vorgeben und weniger rückwärts orientiert sind. Diese Menschen, sind eher mutig, sehen offen in die Zukunft und sind proaktiv.

Viele der „lärmenden“ Menschen dieser Welt verwechseln Respekt mit Gesinnung. Die Gesinnungsverhafteten, sind oftmals die ewig Gestrigen und handeln in einer immer dynamischeren, komplexeren und bewegteren Welt aus der Angst heraus, sich zu verlieren. Sie werden nicht als „Schreckgestalten“ wahrgenommen, die Angst verbreiten, jedoch niemals als Respektsperson.

Neco Celik meinte in einem Interview mit dem Journal Brand Eins: „Ohne Leistung gibt es keinen Respekt, sondern Ärger. Verantwortung – das ist der Schlüssel!“ Übernehmen Sie Verantwortung, entscheiden Sie selbstverantwortet und man wird Sie zunehmend respektieren.

Das Etikett respektvoll

  • Was zeichnet Menschen aus, die mit dem Etikett Respektsperson ausgezeichnet werden ?

Diese Menschen zeichnen nicht nur sekundäre Tugenden aus. Sie handeln auch nach primären Tugenden, die die sekundären Tugenden kontrollieren. Damit ist der Rahmen bei Respekt und dessen Verhaltensweisen weiter gesteckt, als eine gute Erziehung vermittelt. Respekt entsteht bei Menschen, die sich dem Leben stellen und kanibalisierende und fäkalisierende Handlungsweisen oder Gesten vermeiden. Respekt im positiven Sinn setzt einen Menschen voraus, der bemüht ist, nie das menschliche Miteinander und die Verwobenheit von Ich und Du aus den Augen zu verlieren.

Diese Menschen mit einer positiven Respekts-„Aura“ zeigen eher folgende Eigenschaften:

  • Weisheit,
  • Mut,
  • Gerechtigkeit,
  • Besonnenheit,
  • Toleranz,
  • Alterozentriertheit
  • Vertrauen,
  • Stimmigkeit, Authentizität, Kongruenz
  • Großmut,
  • Umsicht,
  • Empathie

Das Regulativ sind die primären Tugenden:

  • Zivilcourage
  • Konfliktfähigkeit
  • konstruktiver Ungehorsam

Zusammenschau

In diesem kurzen Ausführungen kommt eher die ursprüngliche Bedeutung hervor: Respekt ist ein zwischenmenschlicher Vorgang der Begegnung miteinander.

Als zwischenmenschliches Geschehen wird Respekt durch vielfältige Stimuli geweckt. Diese Facetten fördern eine Persönlichkeit, die dem Prinzip Menschlichkeit folgen. Die begrifflich Respekt durchaus in die Nähe von Ehrfurcht und Achtung rücken. Während Ehrfurcht grundsätzlich nur auf Menschen bezogen wird, kann man durchaus Achtung oder Respekt auch vor einem knurrenden Hund oder Naturereignis haben. Wobei diese Regungen eher mit Vorsicht oder Angst zu tun haben.

In vielen Unternehmen steht Respekt im Katalog der Werte. Mein Wunsch wäre, dass der Begriff mit meinen wenigen Gedanken angereichert würden. Respekt ermöglicht, sich auf Augenhöhe zu begegnen; sich als Mensch zu begegnen. Diese Menschlichkeit wünschte ich mir in der kleinen und weiten Welt, bewahrte sie uns vor mancher Respektlosigkeit.

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