Resilienz

von | Okt. 3, 2025 | Führung, Persönlichkeit

Die Welt erscheint unkalkulierbar und von unvorhersehbaren Phänomenen bestimmt. Individuen, Gesellschaften und Institutionen werden durchgewürfelt. Sicherheiten scheinen höchst fluid.

Ist Resilienz die Kraft, wie wir in unfassbaren Zeiten Fassung bewahren können?

Widersprüchlichkeit

Die Umwelt kommt vielen Menschen unsicher, gewalttätig und gefährlich vor. Dieses Phänomen mag unter anderem mit der menschlichen Kognition, den sozialen Netzen, den weltumspannenden Vernetzungen und globalen gesundheitlichen Herausforderungen und zusammen hängen. Überwiegend werden in den Medien negative Einzelerlebnisse berichtet und überfluten den Menschen.

Der menschlichen Verstand scheint die Daten- und Informationsflut nicht oder kaum zu erfassen. All diese Teile wirken verunsichernd auf das subjektive Sicherheitsempfinden. Und dennoch leben die Menschen heute länger, überwiegend sicherer und gesünder.

  • Welches Methodenreservoir hilft, diesen Widersprüchlichkeiten zu begegnen?
  • Ist mit alleiniger Gegenwartsgelassenheit diesen Ängsten zu begegnen?

Sicherheit ein dynamischer Prozess

  • Was geschähe, wenn das laufende Streben der Menschen nach Vorhersehbarkeit und Sicherheit ein Teil des Problems wäre?

Zielt Sicherheit eher weniger auf Veränderung? Wollen Menschen nicht wachsen? Mit den Worten Riemanns ist Sicherheit eher auf Dauer angelegt. 

  • Ist Widerstandsfähigkeit (Resilienz) ein geeignetes Mittel,  diesen speziellen Anforderungen wie Sicherheit und Berechenbarkeit zu begegnen?

Resilienz

Das englische Wörterbuch „dict.com“ übersetzt „resilent“ mit:

  • belastbar
  • robust
  • stabil
  • elastisch
  • nachgiebig
  • strapazierbar
  • widerstandsfähig
  • federnd
  • spannkräftig

Diese Wörter beschreiben viele Bedeutungen, die wir mit Resilienz verbinden und beschreiben zugleich die Widersprüchlichkeit des Begriffs Resilienz. Manche Autoren ergänzen: Achtsamkeit und Mitgefühl.

Resilienz, Zustand oder Prozess?

Je nachdem wie man Resilienz betrachtet, blickt man auf unterschiedliche Phänomene. Resilienz sei die Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung von psychischer Gesundheit nach Stresserfahrungen, schreibt Raffael Kalisch.

Resilienz, eine Kompetenz mit personalem Stress umzugehen?

Reslilienz bedeute konstruktiv mit Unsicherheiten, Krisen oder Frustrationen umgehen zu können und sich an neue veränderte Bedingungen anzupassen. Zwei Bereiche spielen dynamisch zusammen:

  1. Flexibilität (Offenheit, Möglichkeiten, Freiheit)
  2. Stabilität (Mit-sich- sein, Sicherheit, Vertrauen)

Ohne festen Stand verliert Beweglichkeit schnell die Richtung und wird vom Strom der Zeit mitgerissen. Das weise Zusammenspiel von Stabilität und Beweglichkeit, von Expansion und Kontrolle, schafft den Raum für Resilienz.

Wege zur Resilienz

Seit 1960 beschäftigen sich Psychologen mit der psychischen Widerstandskraft und suchen nach Wegen, den Menschen einen methodischen und brauchbaren Handwerkskoffer an die Hand zu geben. Methode und Technik können helfen einen den Menschen einen Weg zu öffnen; doch der Meister weiß, wann die Methode in den Hintergrund rückt, um dem Lauf zu folgen.

Die Technik darf nie Herr der „resilienten“ Praxis werden. Techniken sind überwiegend Gewinnstrategien, und diese müssen sich der jeweiligen Situation beugen. Ein Methodenapriori ist für ein Resilienztraining nicht geeignet. Es schränkt die Anzahl der Möglichkeiten ein.

  • Wie verhalten Sie sich, wenn Unüberwindbarkeit ihnen gegenüber steht?
  • Können Sie Unveränderliches annehmen?
  • Was wäre die Ambiguitäten als neue Lösungen, Optionen, Möglichekiten zu sehen?

Salutogenese

Was „fehlende Widerstandskraft“ im Business bewirken kann, interessierte Antonowsky in den 1980igern:

  • Warum werden manche Menschen unter Druck im Arbeitsumfeld krank und andere nicht?

Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit führen nach Antonowsky zu einem Kohärenzsinn. Dieses Kohärenzgefühl wirkt auf die Gesundheit. Dabei umfasst Kohärenz sowohl ein Gefühl als auch damit verknüpfte gedankliche (kognitive) Abläufe. Möglich wird das, wenn wir annehmen, dass Körper und Geist eine Einheit bilden.

So finden wir uns bei uns selbst wieder.

Fragen an sich selbst:
  • Empfinde ich meine Welt als verständlich, stimmig, geordnet?
  • Kann ich die Probleme und Belastungen des Alltags in einem größeren Zusammenhang begreifen und verstehen?
  • Habe ich das Gefühl, die im Leben gestellten Aufgaben lösen zu können?
  • Bin ich überzeugt, das Leben und die mich betreffenden Probleme handhaben zu können?
  • Ist mir bewusst, dass es einen Sinn und einen Grund gibt, mich auf den Weg in eine bestimmte Richtung zu machen?
  • Was ergäbe sich, wenn Sie in ihr Tun nach dem Koheränzsinn (Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit ihres Tuns) ausrichten?

Resilienz, wie ein Dopingmittel?

Bekannt ist, dass manche Menschen nicht nur im Sport, sondern auch im Studium und im Beruf stimulierende Substanzen nutzen, um ihre kognitiven Leistungen, Widerstandskräfte und Frustrationstoleranz zu steigern (Neuro-Enhancement). Systemische Resilienz scheint den Vorteil zu haben, nicht die negativen somatischen Nebenwirkungen der stimulierenden Medikamente und Substanzen zu haben. Aus diesem Blickwinkel scheint ein Training der Widerstandsfähigkeit nicht schädlich.

Übungen, die die methodische Ebene verlassen, vermögen die Innergie (= psychische innere Energie) eines Menschen zu zünden. Erich Fromm ist überzeugt, dass Menschen grundsätzlich über eine psychische Energie verfügen und diese nutzen können, sofern das Ego stark ist. Resilienz zu entwickeln, ist folglich immer auch Persönlichkeitsentwicklung. Das Selbst meint das integrierte Individuum, das seine bewussten und unbewussten Inhalte optimal zur Deckung gebracht hat.

  • Wie wirkt sich ein soziales Umfeld auf die Widerstände aus?

Achtsamkeit

Achtsamkeitsübungen streben ein nicht beurteilendes, undistanziertes Gewahrwerden sämtlicher Vorgänge im Körper und Geist an. Man will gewohnte und konditionierte Denk- und Handlungsmuster durchbrechen, schreibt Dieter Vaitl. Achtsamkeitsmanagement erlebt derzeit einen Hype. Achtsamkeit beschreibe das Bedürfnis, sich selbst im Verhältnis zu etwas zu betrachten.

Bei Achtsamkeitübungen ist zwischen Nah- und Fernzielen zu unterscheiden. Während Nahziele mit regelmäßiger Übung bald zu erreichen sind, erfordern Fernziele oft jahrelanges und lebenslanges Mühen.

Nahziele seien nach R.Lay:

  • positive Lebenseinstellung,
  • Ausgeglichenheit,
  • zunehmende Konzentrationsfähigkeit,
  • Beherrschung negativer Emotionen,
  • soziale Aktivität,
  • Wichtiges von Unwichtigem zu trennen,
  • größere Wachheit,
  • Empathie,
  • Sehen und Hören lernen.

Einige Fernziele sind:

  • Selbsterkenntnis, Selbstfindung, Selbstverwirklichung,
  • Integration von Intellektualität,
  • Strebevermögen und Emotionalität von Persönlichkeit und Triebstruktur, von Arbeit und Leben von Individualität und Sozialität.

Spiritualität

Derzeit eifern viele Menschen überwiegend fernöstlichen Übungsmethoden der Achtsamkeit nach.

  • Weshalb besinnen sich Menschen in Europa nicht ihrer abendländischen spirituellen Wurzeln?

Viele westliche Mystiker und Mystikerinnen zeigten zahlreiche Übungsmöglichkeiten auf. Zentral seien hier Meister Eckhardt, Tauler, Franziskus, Benedikt von Nursia, und spanische Mystiker wie Ignatius, Johannes von Kreuz, Theresa von Avila genannt.

In der Achtsamkeits-Haltung erproben Menschen neuronale Plastizität. Widerstandskraft ist nicht nur, gegen etwas zu bestehen, sondern auch zu lernen, etwas anzunehmen, transformieren und aushalten zu können.

Antifragilität

Resilienz ist im Business angekommen. Etwa 5,2 Millionen Aufrufe zeigten sich heute im Netz bei der Suche nach dem Begriff. Spannend und bereichernd erscheinen mir Nassim N. Talebs Fagestellungen:

  • Ersticken Resilienz und Robustheit der Menschen nicht jede Innovation oder Agilität im Kern?
  • Ist ein in Resilienz geübter Mensch heutigen Anforderungen gewachsen, wenn er mit Unordnung,  Störungen, Komplexität, unsichtbaren Mustern  konfrontiert wird?

Nach N.N.Taleb profitiert Antifraglität von Unordnung und Unbeständigkeit. Ich kenne viele Menschen, die, wenn Sie mit komplexen Sachverhalten konfrontiert werden, versagen. Sie greifen zu simplifizierenden Verfahren oder versuchen die Unsicherheit in Ordnungen zu zwingen.

  • Wie müsste ein Resilienztraining auszusehen, das diese Sichtweise mit einbezieht?

Talebs Verständnis

„Simplifizierende Resilienz erstickt Wachstums- und Evolutionsprozesse. Resilienz oder robust, ist resilent oder robust“ schreibt N.Taleb in Antifragilität. Taleb stellt ein Dreierschema vor: Fragil – Resilienz oder Robustheit – Antifragil. Das Fragile ist auf Störungsfreiheit angewiesen, für das Resiliente spielt Störungsfreiheit wie Unordnung keine Rolle und das Antifragile wächst an der Komplexität und Unsicherheit (Taleb a.a.O.).

Nehmen Sie als Beispiel einen Irrtum. Im fraglilen und resilenten Bereich sind diese selten. Ereignen sie sich, sind sie gravierend und irreversibel. Unter Antifragilität schätzt man Störungen als Entwicklungspotenzial (s.o. zu Möglichkeiten)

Ein Beispiel aus dem organisationalen Bereich: Die hierarchische, „Boss-orientierte“ Struktur (fragil) steht dem Modell des organisationalem Spielens (Silke Seemann) in heterogenen und sich selbstorganisierenden Teams gegenüber. Seemann hat das  bildhaft in Büchern und Vorlesungen beschrieben.

Resilienz, ein Hype

Gerade im derzeitigen „Resilienz-Hype“, scheint mir Talebs Trilogie:

  1. fragil,
  2. resilient/robust,
  3. antifragil,

die Gespräche über die Resilienz zu bereichern:

  • Brauchen wir Resilienztraining oder ist im wirtschaftlichen Spielfeld nicht eine erweiternde antifragile Sicht nützlicher und wirksamer?
  • Wie sähe ein reslientes Agieren aus, das sich situativ antifragil verhalten kann?

Resilientes Verhalten ist zu lernen

Die Ärzte empfehlen, den Lebensstil zu achten und Verhaltensmuster zu lernen, die auch psychische Stabilität verleihen (Karl Lieb, LIR für Resilienzforschung).

Ein unterstützendes Netzwerk, können Freunde, Familie, Kollegen, ein Team und Bekannte sein.

  • Was sind Ihre persönlichen Strategien, wenn wieder einmal „Land-unter-ist“?
  • Wie distanzieren Sie sich von negativen Bewertungen?
  • Was hilft Ihnen zu einer positiven Grundstimmung (Optimismus)?
  • Welchen Rat gäben Sie einem Freund, um resilienter (antifraglier) zu werden?

Zusammenblick

„Wollen Sie mit der Verhaltensweise vieler Menschen und Unternehmen brechen: „Lieber bekanntes Leid als unbekanntes Glück.“ (Corssen)?

Systemische Resilienz ist unabhängig von zeitlichen Modeerscheinungen. Im Coaching, der Therapie und im Unternehmensalltag ist Widerstandsfähigkeit seit Jahrzehnten ein Thema. Heute erleben wir  nach dem Buchdruck und der Computereinführung wieder eine Zeit tiefgehender Verwerfungen in der Welt. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Brüche öffnen neue Welten. Dies als Chance und Möglichkeit zu entdecken, fordert den ganzen Menschen. Was wäre, sie nähmen beide Pole Flexibilität und Stabilität auf, um in den bewegten Welten aktiv mitzuspielen. 

Das bedeutet nach Taleb Antifragilität. 

Erfahrene Menschen suchen einen Begleiter, mit dem Sie die Untiefen und Fragestellungen erörtern und Gelassenheit finden.

Kraft der Sprache

Einblicke in die Wunderkraft der Sprache Was ereignete sich, wenn Sprache so eingesetzt würde, dass das, was man sagt auch klar verstanden wird und Zuversicht schenkt? Zauber der Sprache "Sein, das verstanden werden kann, sei Sprache", schrieb Gadamer. Von der Sprache...

Mut ist ein Schlüsselfaktor

Ohne Mut, können Sie nicht aktiv kommunizieren und spontan agieren. Ein selbstverantwortetes, moralisches und sittliches Leben ist erst möglich, wenn Haltung, Ausstrahlung und klare Ansagen jenseits "biedermeierischem Gedankenfurze" in sozialen Medien gezeigt werden....

Führen, heute und in Zukunft

Führung ist immer mit der Persöhnlichkeit des Menschen, verknüpft. Führen ohne integre Persönlichkeit führt ins Abseits.

Dialog, um gemeinsam zu denken

Dialog, miteinander Denken, um sich im Gespräch zu begegnen und gemeinsames Verstehen zu fördern. Es ist mehr als nur Informationsvermittlung.

Glücklich sein

"Die Welt des Glücklichen ist eine andere als die des Unglücklichen." Wenn dem so sei, wie Wittgenstein schrieb, und wir annehmen, dass Menschen grundsätzlich Glück als lohnendes Ziel anstreben, weshalb verhalten sich dann viele Menschen wider dem Glücklich-Sein?...

Damit Leben gelingt

"Wo Licht ist, sei auch Schatten," verkündet eine Volksweisheit. Über Lebenswissen Glückendes Leben bedeute auch, dass der positiv eingestellte Mensch, um seine Unvollkommenheit weiß. Er verliert sich nicht in einer Welt  "rosaroter" Illusionen. Der optimistische...

Überzeugen

Überzeugen bedeute...... Überzeugungen meint (oft unbewusste) übernommene, gelernte, persönliche Erfahrungen, gewachsene Werte, Ziele, Prinzipien. Überzeugungen haben etwas Kognitives (=auf Erkenntnis beruhend). Sie verfolgen bestimmte Wünsche, Interessen und...

Zuhören

„Das aufmerksame Zuhören ist ebenso wichtig wie das klare und verständliche Reden,“ meint Carl Rogers.   Höre ist das Leitwort  der Klosterregeln des heiligen Benedikt als Vorsteher eines Klosters im 6. Jahrhundert.  Heute wird der Ausruf Benedikts, in einer Welt...

Vertrauen

Glauben-können und Vertrauen sind zwei von vielen Voraussetzungen für ein gelingendes Leben und Beziehungen. Menschsein spielt sich auch im Begegnen mit dem Anderen ab. Der Mensch ist auf Zuwendung hin ausgerichtet, schreibt Joachim Bauer. Sich auf die Begegnungen...

Sprache der Beziehung

Die Überredungskünstler mögen viele Siege erringen, doch verlieren Sie nahezu jede Beziehung. Faust meinte: „Wenn du`s nicht fühlst, wirst du es nicht erjagen!“ Emotionale Sprache Nach Ridderstrale und Nordström, Stockholmer Professoren, gäbe es vier grundlegende...

Mehr erfahren

Telefon

+49 (0)89 76 39 70
+49 (0)175 567 96 85

E-Mail

schneider@bs-akademie.de

Addresse

Lindwurmstr. 129b
80337 München

Seminare

Die Seminarräume befinden sich zentral in München.