Damit Leben gelingt

von | Aug 7, 2020 | Persönlichkeit

„Wo Licht ist, sei auch Schatten,“ verkündet eine Volksweisheit.

Über Lebenswissen

Glückendes Leben bedeute auch, dass der positiv eingestellte Mensch, um seine Unvollkommenheit weiß. Er verschließt sich nicht in einer Welt  „rosaroter“ Illusionen. Dieser Mensch verfügt neben kognitiven Fähigkeiten auch über Lebenswissen. Lebensweisheit veranlasst den Menschen, festgefahrene Muster zu lockern, spontan und situativ zu handeln. So meistert er viele Tiefen und Höhen des Lebens und weiß, Unveränderbares zu ertragen; er weiß, Geduld erreicht alles.

Gelingendes Leben

Es sind die Menschen, die Räume und Spielfelder, die Aufgaben, die Ideen, die Dinge und Werkzeuge, die uns täglich begegnen und mit denen wir zu tun haben und zu denen wir oftmals eine geradezu libidinöse Bindung haben. Dann beginnt der Draht zur Welt zu vibrieren, weil die Bindungswirksamkeit zur Welt und zum Selbst intakt sind. Der Mensch hat das Gefühl sein Umfeld zu erreichen, etwas zu erreichen oder bewegen zu können, schrieb Hartmut Rosa. Der Mensch wird dadurch erreichbar, und erfährt sich als lebendig, lebend. Die Welt wird zum Resonanzkörper. Der Mensch erfährt soziale Anerkennung. So banal es klingt, Leben gelingt, wenn wir es lieben, schreibt Hartmut Rosa.

Das Leben gleicht einer Achterbahn

Wem der Schwung beim hinab im Leben fehlt, schrieb der Psychologe Corssen, schnauft mehr beim Gegenanstieg oder kommt gar nicht mehr hoch. Und mancher Menschen, der zu schwungvoll die Lebenssituation angegangen ist, schoß über das Ziel hinaus. Ihm fehlten Weitsicht und Zusammenhänge, um die Wirkweisen des jeweiligen Systems zu bedenken.

  • Was zeichnet Menschen aus, die gestärkt aus den Tiefen wieder aufstiegen?
  • Haben Sie auch das im Blick, was nach der Zielerreichung dran ist?

Krisen

Krisen können uns als Individuum, als Gruppe, Gesellschaft oder Welt betreffen. Krise bedeutet meist eine Zeit, die von Ängsten und Sorgen dominiert wird. Weitere Begleitphänomene sind oft Trauer, Verlust und Schmerz. Menschen fühlen sich in der Handlungsfähig eingeschränkt. Ihr seelisches oder körperliches Gleichgewicht ist gestört.

  • Wieso konstruieren Menschen überwiegend, was ihnen nicht gut tut, und weniger das, was ihnen gut tut?
  • Wieso leiden manche Menschen bei einer Wanderung in schöner Umgebung nur unter den Widrigkeiten eines schmalen Pfads und anstrengenden Steigungen?

Stark aus einer Krise kommen

Wie gelingt es Menschen Resonanz- und Ressourcenoasen zu finden, obwohl die  Weltbeziehung eher stumm, kalt, starr ist oder sich resonanzfeindlich in Bezug auf Sozial- und Objektkonfiguration zeigt.

Dr. Mangelsdorf fand Antworten, wann und wie Krisen zu einer psychischen Stärkung führen können. Wachstum kann aus Leid hervorgehen, das geschieht aber nicht zwangsläufig. Bis zu zwei Drittel der Menschen, die stark krisenhafte Momente durchlebten, berichten danach von so etwas wie posttraumatischem Wachstum, also dem Erleben, durch die Bewältigung von herausfordernden Erfahrungen gewachsen zu sein. In der Forschung wurden drei Aspekte identifiziert:

I) Die Anwesenheit positiver Emotionen,

und zwar auch in schwierigen und kritischen Phasen. Neue Ideen, neues Handeln und andere Handlungsfähigkeit entstehen grundsätzlich immer dann, wenn wir mindestens Momente von Interesse, Gelassenheit, Freundlichkeit oder sonstige Aspekte von Positivität erleben.

II) Unterstützende soziale Beziehungen

Wenn Menschen  gemeinsam mit anderen durch eine schwierige Zeit in tiefer Verbundenheit gehen und in Gesprächen sich austauschen können, erhöht das die  psychische Erholung und Reifung ganz rapide.

III) Der Sinn

Jede Erfahrung, egal ob positiver oder negativer Natur, die das Leben erschüttert, bleibt so lange ein offener Aspekt des personalen Lebens, bis sich ein Sinn findet. In einer britischen Studie haben 91 Prozent der Befragten berichtet, dass sie das Leben nach einem schwerer Ereignis anders weiterführen möchten als davor. Die Antwort darauf zu finden, was anders werden soll, verleiht dem Durchlittenen rückwirkend Sinn.

Folgen einer Krise

Menschen fallen oftmals wieder auf das Niveau vor der Krise zurück (=bounce back). Andererseits können Menschen, die durch eine sehr schwierige Zeit gegangen sind und neue Bewältigungsstrategien (s.o.) durch ein krisenhaftes Erleben gelernt haben, gestärkt aus der Krise hervorgehen (=bounce forward).

  • Wie können Sie eine Umgebung schaffen, die Sie eher stärkt?
  • Weshalb verhalten sich manche Menschen eher so, dass sie geschwächt werden?
  • Wie steht es mit ihrem „Egodrive“, der Sie aus misslichen Lagen autopoietisch befreit?

Sinn

Menschen, die einen Sinn in ihrem Leben sehen, kommen leichter durch Krisen (s.o.). Der Sinn liefert den Grund, der unser Handeln stabilisiert. Einen Grund für das Handeln zu haben, führt den Menschen grundsätzlich zu einem zufriedeneren und glücklicheren Leben, weil er das Gefühl hat sein Leben handeln zu können.

Sinnentleertes Leben erscheint irgendwann einmal sinnlos und leer. Diese Menschen haben ihrem Leben oftmals keine selbstverantwortete Orientierung gegeben. Die Folge ist, das Leben scheint wenig lohnenswert. Das Leben  ist ein Leben im Außen, das überwiegend mit dem Streben nach Geld, Einfluss und Orientierung auf Objekte etc. ausgefüllt ist.

Sinn, der sich aus Erlebnis-, Einstellungs – und schöpferischen Werten speist und sich in aktiven Taten zeigt, erfüllt. Ein positiver Mensch erlebt eher das Gute, das Wahre und das Schöne. Diesen Sinn gibt es bis zum Ende, weil auch der Schmerz noch eine Sinnmöglichkeit bietet,  schreibt Viktor Frankl.

Positiv zu leben, heißt auch, zu wissen, worauf es im Leben ankommt.

Salutogenese

Antonowsky hat schon in den 1980igern lang vor dem Resilienzhype den Zusammenhang von Resilienzverhalten untersucht. Aus seinen Untersuchungen ergab sich, dass Menschen Druck eher aushielten, wenn folgende  Phänomene gegeben waren:

Die ‚kohärenten‘ Menschen hatten

  1. eine Ausrichtung,
  2. das Gefühl, das Angestrebte händeln zu können
  3. und einen Grund für ihr Tun.

Versuchen Sie sich die folgenden Fragen zu beantworten:

  • Folgen Sie einer Ausrichtung bei ihren Tätigkeiten?
  • Glauben Sie das Gewollte auch tatsächlich bewirken zu können?
  • Was ist der Grund für Ihr Tun? Folgt ihrem Handeln ein Sinn?

Antifragilität

Bemerkenswert sind Ergebnisse der Untersuchungen mit resilienten Menschen, dass diese zwar oft unbeschadet durch Krisen gehen, aber diesen Menschen häufig der oben beschriebene Lerneffekt durch die Krise fehlt. Nassim Taleb meint, dass der lebensweise Mensch auch an der Unsicherheit und der „Unordnung“ wachsen kann. Er nennt das antifragile Kompetenz. Diese Handlungsmöglichkeiten beschränken sich nicht nur auf die Widerstandsfähigkeit, der Mensch erweitert seine Möglichkeiten durch die Unsicherheit. Er wird agil.

Spannungsfelder

Nicht wenige Menschen erfahren sich in einem Zustand einander widersprechender Forderungen. Menschen fühlen sich von diesen inneren und äußeren Erwartungen hin- und hergerissen (manche zerrissen). Solche Spannungsfelder entstehen zwischen dem Beruf und der Beziehungen, zwischen Vorstellung und Wirklichkeit, zwischen Wollen und Müssen, zwischen Sollen und Können.

Folgt keine Orientierung aus der Mitte, tun diese Menschen wahllos das eine oder das andere ohne zureichende Begründung (Sinn). Sie leben an der Peripherie und nicht aus der Mitte und so haben diese Menschen auch kaum Kraft, sich dem Außen zu stellen und aktiv entgegenzustellen.

Erfolg-Haben-Müssen

Das Erfolg-Haben-Müssen wird zur fixen Idee, um über die innere Leere fortzutäuschen. Die Widerstandskraft degeneriert zum Selbstzweck und wird eher als Flucht oder Kompensation im Außen wahrgenommen, weil die sinngebend Mitte als Rückgrat fehlt.  Ein positiv lebender Mensch weiß um diese Ambiguität. Er folgt einem Weg, der zur Mitte führt und übt diesen.

„….schon ein paar Minuten der Meditation oder Innenschau, sei es auch nur einmal pro Woche, beeinflussen Ihre Hirnwellen und damit Ihre Erfahrungen im Leben. Viele Menschen glauben, sie müssten eine Stunde pro Tag aufwenden, um einen Nutzen aus der Meditation oder Entspannung ziehen zu können.“

Resonanz

Die Resonanzfähigkeit von Menschen zeigt sich in den Unterschieden in der Welthaltung und Weltaneignung.  Unterschiedliche Suchweisen von Strategien nach Resonanz und Vermeidung von Entfremdungserfahrungen bestimmen den Grad bestimmender Resonanzerfahrungen. Alle Menschen erleben Momente , in denen ihr Draht zur Welt intensiv zu virbrieren, und ihr Weltverhältnis zu atmen beginnt.

Heute bestimmt teilweise noch der Wunsch nach Individualität und Einzigartigkeit durch Ausgrenzung der Welt; doch beginnen sich andere menschliche Verhaltensweisen in den Vordergrund zu spielen: der Wunsch nach Verbundenheit und Zugehörigkeit – Resonanz dominiert zusehens (Hartmund Rosa).

Eine Denkweise (sensibel sein für Ressonanzphänomene), die uns in die Lage versetzt, uns wieder neu zu verbinden, Zugehörigkeit und Verbundenheit zu erfahren, mit uns selbst und mit der uns umgebenden Welt. Das werden die Treiber der Menschen. Resonanz ist nicht nur Bedürfnis, sondern Haltung.

Werte

Der Mensch, der positiv lebt, orientiert sich an Werten. Werte sind Qualitäten, die Dingen, Gedanken, Beziehungen von Einzelnen und auch Gruppen zugeschrieben sind. Diese Werte geben dem Leben, Sinn, Kraft und Orientierung.

Diese bestimmen unser Verhalten wesentlich mit: bewusst und überwiegend unbewusst.

Das Zuviel eines Wertes

Der positive Mensch weiß auch um das Zuviel eines Wertes. Nur im Oszillieren mit der positiven Gegentugend (Wert) unterstützen Werte ein positives Leben. Schulz von Thun führt das Beispiel der Sparsamkeit an. Diese verkommt zu Geiz bei Übertreibung ( Zuviel). Die Gegentugend Großzügigkeit vermag gegen zu wirken. Auch diese verkommt im Extrem zur Verschwendungssucht. Das Modell schärft den Blick, dass in jedem eine nützliche Eigenschaft schlummert. Und dass sich die Handlungsfähigkeit des Menschen in dem Spannungsfeld der Tugenden ergibt.

Tugend

Grundsätzlich werden Tugenden positiv betrachtet. Ein tugendhafter Mensch macht sich das Gute gleichsam zur Natur.  Zu den sekundären Tugenden zählen zum Beispiel Sauberkeit, Disziplin, Fleiß, Pünktlichkeit, Höflichkeit, Treue und Gehorsam. Rupert Lay wies in seinem Buch Weisheit für Unweise darauf hin, dass diese Tugenden nur durch das Regulativ der primären Tugenden wie Zivilcourage, Konfliktfähigkeit und Epikie nicht mißbraucht werden können.

„Mit Disziplin können Menschen auch ein Gefängis betreiben“, meinte 1982 Oskar Lafontaines.

Ein positiv lebender Mensch weiß um den Einfluss von Spannung und Entspannung innerhalb tugendhaften Lebens. Er versucht die körperlich-seelischer Ansapnnung zu reduzieren und einen Zustand körperlich-seelischer Entspannung, in der Gegenwart, mit Blick auf die Vergangenheit und Zukunft anzustreben.

Die primären Tugenden sind das Regulativ der sekundären Tugenden.

Umkehrung

Gelingendes Leben bedeute, umkehren zu können. Umkehrungen sind das zentrale Thema in tiefenpsychologischen (dynamisierten) Prozessen oder religiösen Wegen. Sie sind ein Weg, loslassen zu lernen. „Wenn der Verstand den Dingen nicht verhaftet ist, die Seele selbst-beherrscht ist und frei von Verlangen, dann erlangt ein Mensch durch Entsagung die höchste Vollkommenheit des naishkarmya,“ XVIII 49 Bhagavadgita, Sri Aurobindo.

Die Umkehrungen können Wege zu einem gelingenden Leben sein. Nehmen Sie diese Arznei, die Welt begrüßt und öffnet sich Menschen, die dynamisch leben.

Demut

Ein positiv lebender Mensch weiß, dass er in der existenziellen Wahrrheit seines Lebens verwurzelt ist: Er erkennt an, dass er von einem Alles geschaffen ist und nicht kraft eigener Leistung. Demut ist die Frucht eines Läuterungsprozesses. Der demütige Mensch erkennt, wann er den Mitmenschen mit einer realistischen Selbsteinschätzung zu begegnen hat, wo er sich weder überschätzt noch auf ungesunde Weise abwertet.

Zusammenschau

Die bunt gewürfelten Gedanken sind beliebig aus einem großen Strauß zum Thema „Damit Leben gelingt“ ausgewählt. Es sei als ein Anfang gedacht, seine Umgebung zu hinterfragen, die in Vielem von Wettkampf und Eigeninteressen geprägt ist. Das ist eine Logik, die zunehmend Entfremdung von sich und der Welt auslöst.

Der Körper und unser Geist können Resonanzorgane sein. Das bedarf der Schulung der Wahrnehmung, um  wieder eine Beziehung zu Menschen, zur Natur und zu den uns umgebenden Dingen bewusster zu werden. Ein Blick in die Welt zeigt, dass sich in der Gesellschaft gerade ein grundlegender Wandel vollzieht. Wer auch zukünftig mitspielen will, solle sich darin üben, eine Haltung der Resonanz einzunehmen und in Resonanz zu treten, statt sich abzugrenzen.

Die Matrix, die alles nährt, der spirituelle Rahmen wurde nur gestreift. Doch für ein gelingendes Leben, gilt auch in schwierigen Zeiten  „trotzdem Ja zum Leben sagen“. Mit einer Klarheit über die Schwierigkeiten, hört der Schmerz auf, weil wir eine deutliche Vorstellung bilden, was statt dessen sein soll, sagt Spinoza in seiner Ethik. Und positive lebende Menschen glauben daran! (Viktor Frankl)

Fragen zur Krisenbewältigung

Erinnern Sie Krisen die Sie gut bewältigt haben. Was war Ihr Lösungskonzept?

  • Üben Sie sozialen Austausch? Menschen sind „soziale Tiere“ (s.o.). Tauschen Sie sich lebhaft und oft aus.
  • Notieren Sie Glücksmomente in Ihrem bisherigen und gegenwärtigen Leben?
  • Stimmen Sie Solschenizyn zu, dass selbst in dunkelsten Zeiten des Lebens  ein kleines Licht leuchte?
  • Was wäre eine humorvolle Betrachtung ihres heutigen Tages?
  • Wenn Sie in dieser Situation ihrer Freundin oder ihrem Freund einen Rat geben, wie lautete dieser?
  • Welche Menschen in ihrem Umfeld strahlen Positives aus?
  • Wie bringen Sie Bewegung in ihr Leben?

Ein Mensch steht am nächtlichen Meer:
Die Wellen murmeln unentwegt,
der Wind weht,
es rasen die Wolken,
die Sterne blinken, gleichgültig und kalt,
und nur ein Narr wartet auf Antwort.

Gedanken nach Heinrich Heine

 

Respekt

Respekt ist ein zwischenmenschlicher Vorgang und bedeutete ursprünglich, „sich gegenseitig auf gleicher Ebene anzublicken.“

Dialog, um gemeinsam zu denken

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Weshalb ist Selbstwertschätzung so im Vordergrund? Selbstwertschätzung Was ist Selbstwertschätzung? Selbstwertschätzung ist eine subjektive Haltung. Der Begriff ist vielfältig. Es ist das Ausmaß, wie ein Mensch sich selbst einschätzt bzw. wertschätzt. Im Alltag werden...

Führen, heute und in Zukunft

Führung ist immer mit der Persöhnlichkeit des Menschen, der führt, verknüpft. Führen ohne integre Persönlichkeit führt ins Abseits.

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Fritz Kraemer sagte: "Character counts, not position and title". Er ist ein Beispiel einer integren Persönlichkeit. Er erreichte Unabhängigkeit und Respekt, indem er sich von persönlicher Bereicherung  zurückhielt. Werte waren ein Kompass durch sein Leben....

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