Manipulieren

von | Mrz 28, 2021 | Kommunikation

„Menschen können nicht nicht manipulieren.“ WS

Sinn der Gedanken zur Manipulation ist nicht, das Thema moralisch zu diskutieren oder Sie zu ermutigen noch wirkungsvoller andere Menschen zu manipulieren. Mir liegt daran, Ihnen einige Funktionen und Voraussetzungen der Manipulation aufzuzeigen, um Ihnen bewusst zu machen, wie Menschen alltäglich bewusst und vor allem unbewusst manipulieren und widermanipuliert werden.

Moral

Manipulieren gilt als moralisch verwerflich. Alle wissen das. Und dennoch manipulieren alle Menschen es täglich; bewusst oder unbewusst. Manipulation ist überwiegend ein negativ besetztes Wort. Sie fühlen sich gegen ihren Willen zu Verhaltensweisen oder Meinungen gedrängt, die sie nicht als selbst initiiert ansehen. Und dennoch richten sich die meisten Menschen danach, was ihnen zum Beispiel Werbung, Zeitungen, soziale Medien, Vorgesetzte, Naturwissenschaft, Politik und Fernsehen als real vorgeben.

Ob Manipulation verwerflich ist oder auch nicht, ist nicht die Frage, denn Menschen können scheinbar nicht nicht manipulieren (s.o.), sobald sie in Kontakt zueinander treten. In manchen Situationen gefällt es Menschen, sich manipulieren zu lassen: etwa beim Essen, Dingen, die einem gefallen oder Sex.

Varianten denkbarer Manipulation

  1. Manipulation, die eigenen Nutzen sucht, aber den anderen nicht zu kurz kommen lässt.
  2. Manipulation, die nur eigenen Nutzen sucht, gleichgültig, ob der andere geschädigt wird.
  3. Manipulation, die ausschließlich eigenen Nutzen sucht und bewusst bereit ist, den anderen zu schädigen.

Moralisch verwerflich scheinen uns sicher oftmals Punkt 2 und 3.  Sehen Sie genau hin, ob Sie Manipulation gleich verteufeln. Alle Menschen beeinflussen andere Menschen zum eigenen Nutzen oder versuchen es zumindest.

Kompetenz

Vieles im Leben lässt grundsätzlich zwei Einstellungen zu:

  1. Entweder man beherrscht sie oder
  2. man wird von ihnen beherrscht.

Selbst

Ist der Mensch ausgeliefert oder lässt er es zu, kann das dazu führen, dass er sein Selbst verliert. Man ist dann zwar ein soziales Wesen, aber kein individuelles mehr.

Grenzen

Deshalb  ist es für die Selbstentwickeung kontraproduktiv, sich als grenzenlos zu erfahren. Menschen, die nicht gelernt haben mit Abgrenzung und den Grenzen umzugehen, werden leicht zum Spielball, „feindlicher Übernahmen“. Es gilt sich gegen Fremdsteuerung stellen und nicht alles mit sich geschehen zu lassen. Charakter ist (k)ein Handicap und stärkt vor allem durch die primären Tugenden das Selbst.

Erkennen Sie das manipulative Spiel, sind Sie auf dem Weg der Selbstverwirklichung. Sie sind ein Mensch, der sich emanzipiert und auf sein So-Sein hin reflektiert. Sie erkennen, wenn ein Unternehmen oder eine Institution Sie passend machen will.

Manipulieren

Manipulation meint Verhaltensbeeinflussung zu fremden Nutzen. Eng verwoben ist mit Manipulation die Motivation oder wie WS den Prozess nennt: Die Mutivation.

3 Antriebsfelder

Nach dem Züricher Modell von Bischof, zeigen sich grundsätzlich drei Felder, die den Menschen antreiben:

  1. Sicherheit
  2. Dominanz
  3. Abenteuer.

Werden die zentralen Motiv-Bereiche bei einem Menschen erkannt und angesprochen, ist solch ein Mensch grundsätzlich bereit  zuzuhören, dem Gesagten auch zu folgen und sogar in eine Handlung umzusetzen. Dennoch sei hingewiesen, dass der Mensch eine vielschichtiges Wesen ist und nicht nach einer trivialpsychologischen Flöte tanzen. Diese Vorgehensweise mag kurzfristig funktionieren, doch langfristig gelingt sie nie. Oftmals leben die Führungskräfte, die auf dieser Klaviatur zu spielen meinen, eher als Sklaven ihrer Karriere.

Träger der Manipulation

A) Formale Träger manipulatorischer Eingriffe gehen über die gleichen Kanäle wie Informationen in der Sprache:

  • gesprochenes und geschriebenes Wort
  • Ausdrucksverhalten (Sprache und Körper)
  • Signale
  • Appelle

Praktische Beispiele sind:

  • Bewusster Fehler des Senders und bewusste Übermittlungsfehler
  • Unwahre Information
  • Unvollständige Information
  • Überinformation
  • Ungenaue Information
  • „Über-die Köpfe-Hinwegreden“ (Fremdwörter, primitive Sprache, Sprache die Stress erzeugt
  • Ausnutzen von Interferenzen
  • Logik
  • Sprachspiele
  • Emotionale Ansprache von Erwartungen

B) Materiale Träger manipulatorischer Techniken sind die Menschen selbst. Der Mensch verkümmert geistig und sozial, wenn er nicht kommunizieren kann. Deshalb ist der Mensch auch ständig gefährdet. Er ist auf Zuwendung hin ausgelegt. Und damit ist er offen für Manipulation.

Praktische Beispiele für Menschen, die leicht zu manipulieren sind:

  1. desorientierte (ichschwache) Persönlichkeiten
  2. die nicht-zentrierte Persönlichkeit
  3. die nicht-integrierte Persönlichkeit.

Alle Störungstypen begegnen uns in unterschiedlicher Ausprägung beim „normalen“ Menschen im Alltag.

Techniken der Beeinflussung

  • Die Manipulation soll einem Bedürfnis entsprechen,
  • soll eine mehrdeutige Situation klären,
  • soll allen bestehenden Einstellungen entgegen kommen,
  • sie betont die positiven Seiten der angebotenen Inhalte,
  • zielt auf eine attraktive Sache, die minder attraktive Sachen billgend in Kauf nehmen lässt.
  • spricht das „Wir-Gefühl“ an
  • geschieht durch Interpretation von Fakten

Manche Regeln muten trivial und einfach an, sie sind es aber keineswegs. Manipulation entfremdet Menschen. Deshalb ist es Voraussetzung, dass Sie merken, wo, wann und wie Sie manipuliert werden. So Sie das erkennen, können Sie gegensteuern.

Interaktion

Menschen sprechen und treten ins außen und versuchen in diesem Interagieren mit anderen Menschen bewusst oder unbewusst zu beeinflussen. Immer ist der Mensch an eine Persönlichkeit gebunden, der wir Integrität oder nicht zuschreiben. Und der Mensch ist ein soziales Wesen. Er empfindet Emotionen und er ist ein spirituelles Wesen. Werden diese Bereiche verdängt oder nur ausschnittweise angesprochen, verliert der Mensch seine natürliche Autorität, seine Verbundenheit zu sich und der Umwelt. Er wirkt nicht mehr souverän und ist damit leichtes Opfer für Manipulationen.

Der Preis

Der Preis des Manipulierens ist Fremdsteuerung. Menschen nutzen das aus. Und der Preis der Fremdbestimmtheit ist hoch. Viele Menschen merken es erst, wenn sich die Signale auch körperlich zeigen durch einen Zusammenbruch, Verspannungen oder personale Entfremdung. Viele Menschen sind davon heute betroffen: Wir umschreiben diesen Prozess mit Burn Out, Stress, Druck, verteufeln die Firma, Institutionen und Menschen. Über Fitnesszentren in Form von Kartharrsis, Flucht in Krankheitstage und Urlaub versuchen viele Menschen wieder aufzutanken.

Immer ist es der Mensch selbst

Besonders in Berufssparten, die überwiegend erfolgs-, leistungs- und zielorientiert sind, unterliegen Menschen einer laufenden Gefahr, sich zu verlieren und körperlich dem Druck zu erliegen. Die betrofffenen Menschen verkennen, dass Sie es ausschließlich selbst sind. Sie folgen bereitwillig den Manipulationen, die Unternehmungen, Institutionen, Medien oder Gesellschaft vermeintlich vorschreiben. Die Gegenwehr, ist aber allzuoft kein mutiges Entgegentreten, sondern diese Menschen verstecken sich wieder hinter irgendwelchen Instituitionen, die sie vorschieben, anstatt eigenverantwortlich zu agieren.

Neuromagie

„Die Welt am Sonntag“ gab 2020 einen kleinen Einblick in das Forschungsfeld der Neuromagie. FBI-Agenten versuchten Lügner zu enttarnen uns so scheint dieses Forchsungsfeld nun in den Fokus der Wissenschaft zu gelangen. So neu ist das nicht. Unterstellen wir, dass lügen ein täuschen sei, ist die Sprung zum Zaubern nicht mehr groß. Heinz von Foerster sagte,  die Idee des Zauberns ist, dass man imstande ist, einen Kontext zu erzeugen; eine Welt, in der die Zuschauer mitspielen, diese Welt zu erzeugen. Man baut dem Betrachter eine Welt auf, in der erstaunliche Dinge passieren, die er miterlebt.

Spiel mit der Wahrnehmung

Zaubern ist ein Spiel mit Wahrnehmungsfähigkeit oder Wahrnehmungsunfähigkeit des Menschen. Menschen haben klare Wahrenehmungsgrenzen. Diese Fehlbarkeit führt u.a. zur Manipulierbarkeit.

Der Meister der Magie beherrscht drei Techniken:

  1. Er kann irreführen,
  2. er erzeugt eine Illusion,
  3. er nutzt das Forcing.

Er verengt die Wahrnehmung tatsächlich oder raffinierter, indem er den Fokus ‚psychologisch‘ einengt. Man sieht das Licht am Ende des Tunnels, anstatt den Lichtschalter im Dunkeln zu suchen und anzuknippsen.

Kritische Gedanken

LehrerInnen und VortragsrednerInnen, die ausschließlich Erfolgsrezepte und triviale Zielplanungen postulieren, erkennen nicht die Vielschichtigkeit der Persönlichkeit und individuellen Situationen. Sie beschränken sich oft meist ausschließlich auf die Vermittlung der funktionalen Anwendung ihrer Konzepte.  Diese Methoden  dienen überwiegend der Fremdsteuerung von Menschen und sind meist wenig wertschätzend. Das ist  Manipulation.  Oftmals  bemerken sie den manipulativen Charakter ihres Vortrags selbst nicht.

NLP, oftmals als manipulatorische Methode verteufelt, kann manipulativ angewendet werden. Doch eine Methode im Gesamten zu verurteilen, ist weder überlegt noch reflektiert. Auch Dialektik ebenso wie psychologische Methoden oder  Fragemodelle können manipulativ verwendet werden. Demagogen dieser Welt geben ein beredtes Beispiel. Es gibt nichts auf der Welt, das nicht auch mit seinem Gegenteil schwanger geht.

Zum Schluss komme ich auf den Anfang zurück. Die ausgewählten Gedanken zur Manipulation wurden dargestellt, um Ihnen die Wirkweise vorzustellen und Sie sensibel in ihrem Alltag zu machen.

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