Gelassen zu sein, sei ein Aufruf, sich von den Fesseln der allgegenwärtigen „Bevormunder“ zu befreien, der Mut liege darin, seinem Verstand zu vertrauen und auch besinnlich zu denken.
Sokratische Gedanken
Man sagt, der wird überleben, der den Mut aufbringt, Räume der personalen Ruhe zu finden. Nur so sei es dem Menschen möglich, andere Optionen wahrzunehmenn: im Umgang miteinander, der Wirtschaft dem sozialen Umfeld und als Individuum.
Sokrates wird zugeschrieben, dass er meinte, über sich selbst aufgeklärte Menschen, differenzierten ziwschen obejktivem Wissen und subjektivem Meinen. Denn der subjektiv Meinende weiß, dass auch der objektiv Wissende nur subjektiv meint.
Diesen Unterschied übersieht ein großer Teil der Menschen. Es ist mitunter beschwerlich, die Lügenkaskaden und Vorurteile der „Vortänzer“ zu durchschauen, die soziale Medien und deren Protagonisten anhäufen.
Wo bleiben die Menschen, die zwischen Wahrheit, Wirklichkeit und Lüge unterscheiden können?
- Was sind ihre persönlichen Dogmen, Vorurteile und Denkgewohnheiten?
- Ist KI so verführerisch und bequem, weil sie den Menschen scheinbar das Denken abnimmt?
Weshalb mutiges Denken wichtig ist
Elena Esposito schrieb: Wer heute nicht in der Lage ist, sich im Bereich der Möglichkeiten (Fiktionen) zurechtzufinden, verfügt nicht wirklich über soziale und kommunikative Kompetenz.
Diese Menschen leben überwiegend in einer Welt von Annahmen und Filtern, die durch die Vergangenheit geprägt und durch das bisherige Leben gelernt wurden. In einer medialen Welt verdichten sich die Annahmen zu scheinbar festen Konstrukten. Diese vermitteln den Menschen ein Gefühl von Ordnung und trügerischer Sicherheit. Unvermittelt platzen diese Annahmen wie die Blasen im Schaum. So greifen diese Menschen in einen scheinbar festen Schaum (Sloterdijk) und halten dennoch nichts in den Händen.
- Wo sind bei Ihnen die rosaroten Schaumwelten?
- Was sind Sie erschreckenden Schaumgebilde?
Den Blick weiten
Menschen, die gelernt haben, den Blick auf Funktionsweisen der eigenen Persönlichkeit, der Gesellschaft, der Wirtschaft oder widersprüchlichen Welt lenken, werden eher Freiheiten entdecken. Das gelänge, meint Heidegger, wenn wir analytisch und „be-sinnlich denken“.
Ein gelassener Ausgangspunkt erleichtert und ermöglicht, in der Lage zu sein, Instabilität, Unordnung und Brüche Emergenz und Autopoiesie der umgebenden Objekte und Menschen wahrzunehmen. Obwohl Gelassenheit nicht bedeute, im Namen des Fortschritts, die Augen vor dem Schmerz, den Veränderungen mit sich bringen, zu verschließen (Daron Acemoglu, Simon Johnson).
- Haben Sie Mut für diesen weitenden Blick?
- Haben Sie den Mut, gängigen Meinungen entgegenzutreten?
Gedankenlosigkeit
Weshalb verhalten sich manche Menschen allzuleicht gedanken-los?
Gedankenlosigkeit ist in der heutigen Welt omnipräsent. Menschen bevorzugen den schnellsten und billigsten Weg (s.o.), um es einen Nu später schon wieder vergessen zu haben. Ein (Zoom-)Meeting jagt das andere, obwohl die Menschen mit jedem Treffen eher gedankenloser und gedankenärmer zu werden scheinen.
Die Menschen lassen ihre Denkfähigkeit brach liegen und sehen nicht, dass die Brache ein Grund für Wachstum ist.
- Kann zum Beispiel auf einer KI-Autobahn be-sinnliches Denken wachsen, so sie nie brach liegen kann?
- Wo rast der Mensch auf dieser Autobahn hin?
Menschen errechnen vieles. Sie errechnen Fortschritt und Pläne und es bleibt dennoch Rechnen, auch wenn es nicht in Zahlen erfolgt, und anders kalkuliert: etwa mit aussichtsreichen und billigeren Möglichkeiten oder über KI „denken“ lässt. Dieses „Rechnen“ hält nie still, es optimiert und steigert laufend und kommt nie zur Besinnung.
- Was bedeutet das für den Menschen?
Dieses rechnende Denken ist kein Denken, das dem Sinn nachdenkt, der in allem waltet, was ist.
Gelassen Denken
Gelassen Denken‘ meint, rechnend und be-sinnlich Denken. Fundament sei das Nachdenken. Das schenkt dem Menschen Gelassenheit; in einer Welt der Turbulenzen, Unsicherheit und „Antifragilität“ (Taleb). Der Mensch vermag es, weil er ein denkendes und be-sinnendes Wesen sei.
- Sind Sie mehr ein Restaurator, dem die Wiederherstellung eines Erfolgsbildes der Vergangenheit entspricht oder sind Sie eher ein freier Geist, der aus dem Berstehenden als Ausgangspunkt, Neues erdenkt?
- Speist sich ihre Kreativität ausschließlich aus der monotonen Weitergabe von Vergangenem („Retro“-Denkweisen)?
- Wo finden Sie ihre Ruhe-Oasen für balanciertes und gelassenes Denken?
„Ich habe Recht“
Die Rechthaberischen haben nicht begriffen, dass jede Entdeckung eine Einladung zu weiteren Entdeckungen ist, dass ein missglücktes Experiment nicht bedeute, es gäbe keine Antwort, sondern nur, dass die Frage falsch gestellt war. (Eine intime Geschichte der Menschheit; Über die Kunst des Lebens, S.322, Theodore Zeldin).
- Macht es Freude mit jemandem zu reden, der immer Recht hat?
- Wie können Sie unterschiedliche Ansichten beibehalten und dennoch nach Gemeinsamkeiten suchen?
- Reicht es aus, Wörter einfach umzubennen, ohne die innere Haltung zu verändern, wie es zahlreiche Staatsmänner vorspielen?
„So tun als ob“
Die sich überwiegend selbstdarstellenden Erfolgreichen, werden nicht erreicht, weil der dahin Strebende noch auf der Stufe des „Copy and Paste“ verweilt. Man versucht das Unwahrscheinliche – die Vollkommenheit eines Modells – über ein Regelwerk nachzuvollziehen. Dieses regelbasierte Nachmachen (Modellieren), erfasst den Kern des „So-tun-als-ob“ nicht. Das von mir gemeinte „als ob“, bringt die Unbestimmtheit zum Ausdruck, die den Raum weitet, nicht die Illusion, in der viele Menschen leben (Francois Jullien, Silke Seemann).
- Wie gestaltete sich ihr Leben, so Sie die Verantwortung übernähmen?
- Wie wäre es, Sie ergänzten das jeweilige Modell, um die individuellen Vorgaben?
Spielwiesen
Manche Spieler betrachten das Spielfeld des Lebens aus einer Metaposition und erkennen so die Spielzüge und nehmen auch weitere Spielfelder im Umfeld wahr. Doch die Spielerbetrachter wissen, wann sie selbst aufs Spielfeld zu gehen haben, um mitzuspielen.
Gute Spieler berichten, dass mit dem Spielbeginn, die Angst schwindet. Sie fühlen sich in einem Bewusstseinszustand, der mit Flow (Csíkszentmihályi, Harmut Rosa) beschrieben wird: das Spiel läuft. Es spielt.
Selbstverantwortung
„Freiheit“ bezeichne, als personales Merkmal verstanden, die Fähigkeit, sein Leben selbstverantwortet zu gestalten; zu denken. „Das bedeutet sein eigenes Leben leben, nicht das, das die anderen von dir verlangen“ (Heinz von Foerster). „Das bringt mit sich, dass man die Verantwortung für das, was man denkt, selbst übernehmen muss „(Ernst von Glasersfeld).
- Wie veränderte dieses Freiheitsbild, ihr Leben?
- Was geschähe, so Sie nur an sich denken?
- Wie fühlt sich diese Freiheit im Denken für Sie an?
Stolpersteine
Menschliches Denken bei Planung wird oft
- als lineare Fortsetzung der Vergangenheit beschrieben,
- auf formale Strukturen und Techniken als Allheilmittel ausgerichtet und
- in Polarisierungen (z.B: gut-böse; richtig-falsch) gedacht.
Das sei ein großes Missverständnis, erinnert Dietrich Dörner in „Die Logik des Misslingens“:
Reflexionen:
- Was wäre der Preis, wenn Sie ihre Freiheit nutzen?
- Was wäre, Sie dächten „halsabwärts“ (be-sinnlich)?
Leerer Raum
Es gilt den Kopf frei zu machen (Heinz von Foerster, ‚Lethologie‘), die Wahrnehmung zu sensibilisieren, um die Umwelt, die Optionen und Energien zu erspüren; sich ihrer zu besinnen. „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann“, schreibt Francis Picabia in Aphorismen „391“ und fährt fort: „Blick in die Ferne, blick nicht zurück; es ist Unsinn immer die Gründe kennen zu wollen“.
Nicht alle Wendepunkte bedeuten Beweglichkeit und Freiheit. Betrachten Sie den Lauf des Tigers in seinem Käfig. Er hat 50 oder mehr Wendepunkte am Tag. Dennoch ist der Raum, der die Beweglichkeit ermöglicht, begrenzt.
- Was ist ihr begrenzter (Lebens-)Raum?
- Zwischen welchen Wendepunkten pendeln Sie hin und her?
- Wie sähe für Sie ein persönlicher und erweiterter Freiheitsraum jenseits der Gitterstäbe aus?
Geordnetes Denken
Es gilt ein Denken des Reifens zu entwickeln, an Stelle von Theatralisieren einer (Pseudo)-Wirkung, die Zustände eher zementiert. Wenn wir von freiheitlichem Denken sprechen, meinen wir oft etwas Anderes. Wir erinnern meist wissenschaftliche Strukturen, Theorien, Animositäten usw. und entfernen uns eher von dem, was geordnetes Denken meint.
- Hoffen Sie, dass Dinge immer sind, wie sie sind?
- Welche Möglichkeiten ergäben sich, statt Entweder-oder eine Haltung des Sowohl-als-auch einzunehmen?
Gemeinsam denken
Neues Wissen entsteht überwiegend im ….. gemeinsamen Denken. Es entzündet sich an Grenzen in Gesprächen, sagt Silke Seemann und fährt fort, dass der Kern des Spielens, die Kommunikation sei. Handlungen (Operationen) begleiten immer Kommunikation in Form von Reflexion (Re-enrty). Kommunikationen sind das, was Organisationen und soziale Gemeinschaften am Leben erhält.
Wenn die Kommunikationsangebote der Menschen nicht anschlussfähig sind, bedeutet das, dass eine (ökonomische wie private) Organisation aufhört zu bestehen (Luhmann). Es vermag kein Echo und schon gar keine Rersonanz zu entstehen.
Kommunikation ist grundlegend, da das Gedachte über die „Sprache zur Welt kommt“. Fehlen einem Menschen die Worte, wird der Gedanke nicht geboren.
- Welche Gesprächsarten fallen Ihnen ein, das gemeinsame Denken zu fördern?
„Be-sinnlich denken“ lernen
Es scheint vor diesem Hintergrund immer wieder erstaunlich, dass viele Unternehmen und Menschen vermeinen mit trivialen und simplifizierenden Kommunikations-Regeln nach dem Muster „Man-nehme“, zu Denken in komplexen Welten anleiten zu können. Heute wird dieses Muster duch anklicken der KI-App erweitert. Mag KI einmal be-sinnlich denken können, derzeit glaube ich das noch nicht.
Die Trivial-Konzepte greifen, wenn überhaupt, nur kurzfristig. Der Mensch muss nicht vorgebetete Regeln auswendig lernen, er muss innwendig lernen, schreibt Jürgen Kaube in Hegels Welt. Nur so vermag der Mensch zu erfahren und die wesentlichen Stellschrauben zu erkennen oder zu wissen, wann es besser sei, sich vielleicht lediglich durchzuwursteln („muddling through“). Ob das KI und in welcher Tiefe vermag, sei dahingestellt. Sinn erfassen und sich der „Wesenheit“ zu nähern, scheint mir eine andere Weise des Denkens; losgelöst vom Informationsprimat.
Materialisierung der Unbeweglichkeit
In schlechten Erfolgszahlen materialisiert sich als finanzieller Rückschritt solch triviales Verständnis von vernachlässigtem be-sinnlichen Denken. Oftmals verharren z.B. Unternehmen-Kunden-Gesellschaft-Beziehungen in angehäuften (toten) Stammdaten.
- Wie wäre es, Sie wagten rechnendes und be-sinnliches Denken als Wagniskapital für schnelleres und effizientes Wachstum?
- Was bedeutete es, wenn Sie die Stammdatenanlayse als rechnendes Denken der KI überließen und ihren Geist für die erweitertenden Weisen des Denkens verwendeten?
Mut „auf Teufel komm raus“
Ein Zuviel des Mutes ohne be-sinnendes Denken führt zu einem Handeln außerhalb der personalen Mitte. Bert Brecht führt in dem Theaterstück „Mutter Courage“ eindruckssvoll die Folgen vor Augen.
- Welche „Kinder“ opfern Sie?
Und zum Schluss
- Wie hätten Sie sich zu verhalten, um Menschen Mut zu machen und ihnen be-sinnliches Denken zu ermöglichen?
- Wie schaffen Sie einen festen Boden, der Gelassenheit ermöglicht?
- Hat der vielfarbige Strauß ausgewählter Gedanken Sie erregt, weiter zu denken?
Es wohnt dieser zweifachen Art zu denken (rechnend und be-sinnlich) ein Geheimnis inne: Der Sinn, der sich hinter dem technischen Denken verbirgt.
Denken mit Aussicht
Das Eine im Anderen, das Andere im Einen, Beides oder keines von Beiden zu erkennen (Varga von Kibed). Die Gelassenheit zu den Dingen und der Offenheit für das Geheimnis vermag in uns erwachen und zu einer neuen Grundlage führen (Martin Heidegger). Diese Gelassenheit eröffnet sich, so wir uns unseres Nährbodens besinnen.
Johannes Peter Hebel schreibt:
„Wir sind Pflanzen, die – wir mögen´s uns gerne
gestehen oder nicht – mit den Wurzeln aus der Erde
steigen müssen, um im Äther blühen und Früchte tragen zu können.“

