Gelassenheit

von | Mai 13, 2026 | Führung, Persönlichkeit, Selbstmanagement

Gelassen zu sein, sei ein Aufruf, sich von den Fesseln der allgegenwärtigen „Bevormunder“ zu befreien, der Mut liege darin, seinem Verstand zu vertrauen und auch besinnlich zu denken.

Sokratische Gedanken

Man sagt, der wird überleben, der den Mut aufbringt, auch Räume der personalen Ruhe zu finden. Nur so sei es dem Menschen möglich, andere Optionen wahrzunehmenn: im Umgang miteinander, der Wirtschaft, einem sozialen Umfeld und als Individuum.

Sokrates wird zugeschrieben, dass er meinte, über sich selbst aufgeklärte Menschen, differenzierten zwischen objektivem Wissen und subjektivem Meinen. Denn der subjektiv Meinende weiß, dass auch der objektiv Wissende nur subjektiv meinen kann.

Diesen Unterschied übersieht ein großer Teil der Menschheit. Es ist mitunter beschwerlich, die Lügenkaskaden und Vorurteile der „Vortänzer“ zu durchschauen, die soziale Medien und Protagonisten auf öffentlichen Bühnen anhäufen.

  • Wo bleiben die Menschen, die zwischen Wahrheit, Wirklichkeit und Lüge unterscheiden?
  • Was sind ihre persönlichen Dogmen, Vorurteile und Denkgewohnheiten?
  • Ist KI so verführerisch und bequem, weil sie  das Denken abnimmt?

Weshalb mutiges Denken  wichtig ist

Elena Esposito schrieb: Wer heute nicht in der Lage ist, sich im Bereich der Möglichkeiten (Fiktionen) zurechtzufinden, verfügt nicht wirklich über soziale und kommunikative Kompetenz. 

Viele Menschen leben heute überwiegend in einer Welt von Annahmen und Filtern, die durch die Vergangenheit geprägt und durch das bisherige Leben gelernt wurden. In einer medialen Welt verdichten sich die Annahmen zu scheinbar festen Konstrukten. Dennoch bleiben die Konstrukte Glaubenswissen. Diese vermitteln den Menschen ein Gefühl von Ordnung und trügerischer Sicherheit. Unvermittelt platzen diese Annahmen wie die Blasen im Schaum. So greifen diese Menschen in einen scheinbar festen Schaum (Sloterdijk) und halten dennoch nichts in den Händen.

  • Wo sind bei Ihnen die rosaroten Schaumwelten?
  • Was sind Sie erschreckenden Schaumgebilde?

Den Blick weiten

Menschen, die gelernt haben oder danach streben, den Blick auf Funktionsweisen der eigenen Persönlichkeit, der Gesellschaft, der Wirtschaft lenken, werden eher Freiheiten auch in einer widersprüchlichen Welt entdecken. Heidegger meinte, dass das gelänge, so wir „rechnend“ und „be-sinnlich denken“.

Ein gelassener Ausgangspunkt erleichtert und ermöglicht, in der Lage zu sein, Instabilität, Unordnung und Brüche, Emergenz und Autopoiesie der umgebenden Objekte und Menschen wahrzunehmen. Obwohl Gelassenheit nicht bedeute, im Namen des Fortschritts, die Augen vor dem Schmerz, den Veränderungen mit sich bringen, zu verschließen (Daron Acemoglu, Simon Johnson).

  • Haben Sie  Mut einen weitenden Blick einzunehmen?
  • Haben Sie den Mut, gängigen Meinungen entgegenzutreten?

Gedankenlosigkeit

Weshalb verhalten sich manche Menschen allzuleicht gedanken-los?

Gedankenlosigkeit ist in der heutigen Welt omnipräsent. Menschen bevorzugen den schnellsten und billigsten Weg (s.o.), um es einen Nu später schon wieder vergessen zu haben. Ein (Zoom-)Meeting jagt das andere, obwohl  die Menschen mit jedem Treffen eher gedankenloser und gedankenärmer zu werden scheinen und ihnen die Zeit für die wichtigen Dinge zerinnt.

Die Menschen lassen ihre  Denkfähigkeit brach liegen und sehen nicht, dass die Brache ein Grund für Wachstum ist. Fragen Sie einen Landwirt.

  • Kann zum Beispiel auf einer KI-Autobahn „be-sinnliches“ Denken wachsen, so sie nie brach liegen kann, weil man fortwährend weiterrast?
  • Wo bleibt eine regenerierende balancierende Oase?

Menschen errechnen vieles. Sie errechnen Fortschritt und entwerfen Pläne und es bleibt dennoch Rechnen: Dieses „Rechnen“ hält nie still, es optimiert und steigert laufend und kommt nie zur Be-sinnung.

  • Was bedeutet das für den Menschen?
  • Was ist das Wozu einer Strategie?

Dieses rechnende Denken ist kein Denken, das dem Sinn nachdenkt, der in allem waltet, was ist.

Gelassen Denken

Gelassen Denken‘ meint, rechnend und be-sinnlich zu denken. Fundament sei das Nachdenken und verschafft den zeitlichen Raum. Das ermöglicht dem Menschen Gelassenheit in einer Welt der Turbulenzen, Unsicherheit und „Antifragilität“ (Taleb). Der Mensch vermag es zu schaffen, weil er ein denkendes und be-sinnendes Wesen sei.

  • Sind Sie mehr ein Restaurator, dem die Wiederherstellung eines Erfolgsbildes der Vergangenheit entspricht oder sind Sie eher ein freier Geist, der aus dem Berstehenden als Ausgangspunkt, Neues erdenkt?
  • Speist sich ihre Kreativität ausschließlich aus der monotonen Weitergabe von Vergangenem („Retro“-Denkweisen)?
  • Wo finden Sie ihre Ruhe-Oasen für balanciertes und gelassenes Denken?

    „Ich habe Recht“

    Die Rechthaberischen haben nicht begriffen, dass jede Entdeckung eine Einladung zu weiteren Entdeckungen ist, dass ein missglücktes Experiment nicht bedeute, es gäbe keine Antwort, sondern nur, dass die Frage falsch gestellt war. (Eine intime Geschichte der Menschheit; Über die Kunst des Lebens, S.322, Theodore Zeldin).

    • Macht es Freude mit jemandem zu reden, der immer Recht hat?
    • Wie können Sie unterschiedliche Ansichten beibehalten und dennoch nach Gemeinsamkeiten suchen?
    • Reicht es aus, Wörter einfach umzubennen, ohne die innere Haltung zu verändern, wie es zahlreiche Staatsmänner vorspielen?

    „So tun als ob“

    Die sich überwiegend selbstdarstellenden Erfolgreichen, werden nicht erreicht, weil der dahin Strebende noch auf der Stufe des „Copy and Paste“ verweilt. Man versucht das Unwahrscheinliche – die Vollkommenheit eines Modells – über ein Regelwerk nachzuvollziehen. Dieses regelbasierte Nachmachen (Modellieren), erfasst den Kern des „So-tun-als-ob“ nicht. Das von mir gemeinte „als ob“, bringt die Unbestimmtheit zum Ausdruck, die den Raum weitet, nicht die Illusion, in der viele Menschen leben (Francois Jullien, Silke Seemann).

    • Wie gestaltete sich ihr Leben, so Sie die Verantwortung übernähmen?
    • Wie wäre es, Sie ergänzten das jeweilige Modell, um die individuellen Vorgaben?

        Spielwiesen

        Manche Spieler betrachten das Spielfeld des Lebens aus einer Metaposition und erkennen so die Spielzüge und nehmen auch weitere Spielfelder im Umfeld wahr. Doch die Spielerbetrachter wissen, wann sie selbst aufs Spielfeld zu gehen haben, um mitzuspielen.

        Gute Spieler berichten, dass mit dem Spielbeginn, die Angst schwindet. Sie fühlen sich in einem Bewusstseinszustand, der mit Flow (Csíkszentmihályi, Harmut Rosa) beschrieben wird: das Spiel läuft. Es spielt.

        Selbstverantwortung

        „Freiheit“ bezeichne, als personales Merkmal verstanden, die Fähigkeit, sein Leben selbstverantwortet zu gestalten; zu denken. „Das bedeutet sein eigenes Leben leben, nicht  das, das die anderen von dir verlangen“ (Heinz von Foerster). „Das bringt mit sich, dass man die Verantwortung für das, was man denkt, selbst übernehmen muss „(Ernst von Glasersfeld).

        • Wie veränderte dieses Freiheitsbild, ihr Leben?
        • Was geschähe, so Sie nur an sich denken?
        • Wie fühlt sich diese Freiheit im Denken für Sie an?

        Stolpersteine

        Menschliches Denken bei Planung  wird oft

        • als lineare Fortsetzung der Vergangenheit beschrieben,
        • auf formale Strukturen und Techniken als Allheilmittel ausgerichtet und
        • in Polarisierungen (z.B: gut-böse; richtig-falsch) gedacht.

        Das sei ein großes Missverständnis, erinnert Dietrich Dörner in „Die Logik des Misslingens“:

        Reflexionen:

        • Was wäre der Preis, wenn Sie ihre Freiheit nutzen?
        • Was wäre, Sie dächten „halsabwärts“ (be-sinnlich)?

        Leerer Raum

        Es gilt den Kopf frei zu machen (Heinz von Foerster, ‚Lethologie‘), die Wahrnehmung zu sensibilisieren, um die Umwelt, die Optionen und Energien zu erspüren; sich ihrer zu besinnen. „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann“, schreibt Francis Picabia in Aphorismen „391“ und fährt fort: „Blick in die Ferne, blick nicht zurück; es ist Unsinn immer die Gründe kennen zu wollen“.

        Nicht alle Wendepunkte bedeuten Beweglichkeit und Freiheit. Betrachten Sie den Lauf des Tigers in seinem Käfig. Er hat 50 oder mehr Wendepunkte am Tag. Dennoch ist der Raum, der die Beweglichkeit ermöglicht, begrenzt.

        • Was ist ihr begrenzter (Lebens-)Raum?
        • Zwischen welchen Wendepunkten pendeln Sie hin und her?
        • Wie sähe für Sie ein persönlicher und erweiterter Freiheitsraum jenseits der Gitterstäbe aus?

        Geordnetes Denken

        Es gilt ein Denken des Reifens zu entwickeln, an Stelle von Theatralisieren einer (Pseudo)-Wirkung, die Zustände eher zementiert. Wenn wir von freiheitlichem Denken sprechen, meinen wir oft etwas Anderes. Wir erinnern meist wissenschaftliche Strukturen, Theorien, Animositäten usw. und entfernen uns eher von dem, was geordnetes Denken meint.

        • Hoffen Sie, dass Dinge immer sind, wie sie sind?
        • Welche Möglichkeiten ergäben sich, statt Entweder-oder eine Haltung des Sowohl-als-auch einzunehmen?

        Gemeinsam denken

        Neues Wissen entsteht überwiegend im ….. gemeinsamen Denken. Es entzündet sich an Grenzen in Gesprächen, sagt Silke Seemann und fährt fort, dass der Kern des Spielens, die Kommunikation sei. Handlungen (Operationen) begleiten immer Kommunikation in Form von Reflexion (Re-enrty). Kommunikationen sind das, was Organisationen und soziale Gemeinschaften am Leben erhält. 

        Wenn die Kommunikationsangebote der Menschen nicht anschlussfähig sind, bedeutet das, dass eine (ökonomische wie private) Organisation aufhört zu bestehen (Luhmann). Es vermag kein Echo und schon gar keine Rersonanz zu entstehen.

        Kommunikation ist grundlegend, da das Gedachte über die „Sprache zur Welt kommt“. Fehlen einem Menschen die Worte, wird der Gedanke nicht geboren.

        • Welche Gesprächsarten fallen Ihnen ein, das gemeinsame Denken zu fördern?

        „Be-sinnlich denken“ lernen

        Es scheint vor diesem Hintergrund immer wieder erstaunlich, dass viele Unternehmen und Menschen vermeinen, mit trivialen und simplifizierenden Kommunikations-Regeln nach dem Muster „Man-nehme“ zum Denken in komplexen Welten anleiten zu können. Heute wird dieses Muster durch anklicken der KI-App erweitert. Mag KI vielleicht einmal be-sinnlich denken können, derzeit glaube ich das noch nicht.

        Die meisten vorgelegten Trivial-Konzepte, um „be-sinnlich“ denken zu lernen, greifen, wenn überhaupt, nur kurzfristig. Der Mensch muss nicht vorgebetete Regeln auswendig lernen, er muss innwendig lernen, schreibt Jürgen Kaube in Hegels Welt. Der Mensch muss seine Deutungshorizont erweitern, um wahrzunehmen und die wesentlichen Stellschrauben zu erkennen oder zu wissen, wann es besser sei, sich vielleicht lediglich durchzuwursteln („muddling through“). Ob das KI und in welcher Tiefe vermag, wird hier nicht erörtert.

        Sinn erfassen und sich der „Wesenheit“ zu nähern, scheint mir eine andere Weise des Denkens; und bedingt das Kommunikationsprimat.

        Materialisierung der Unbeweglichkeit

        In schlechten Erfolgszahlen materialisiert sich als finanzieller Rückschritt solch triviales Verständnis von vernachlässigtem „be-sinnlichen“ Denken. Oftmals verharren Menschen und  Unternehmen, weil sie versäumen das geanze System, in dem sie sich bewegen in Unterscheidungskontexte zu bringen. Das kann z.B: Produkt-Verfahren-Organisation-Wirtschaft-Gesellschaft-Mensch/Kunde sein.

        • Wie wäre es, Sie wagten rechnendes und be-sinnliches Denken als Wagniskapital für schnelleres und effizientes Wachstum?
        • Was bedeutete es, wenn Sie das rechnende Denken der KI überließen und ihren Geist für die erweitertenden Weisen des „be-sinnlichen“ Denkens verwendeten?

          Mut „auf Teufel komm raus“

          Ein Zuviel des Mutes ohne be-sinnendes Denken führt zu einem Handeln außerhalb der personalen Mitte. Bert Brecht führt in dem Theaterstück „Mutter Courage“ eindruckssvoll die Folgen solchen „mtigen“ Handelns vor Augen.

          • Welche „Kinder“ opferten Sie bislang?

            Und zum Schluss

            • Wie hätten Sie sich zu verhalten, um Menschen Mut zu machen und ihnen be-sinnliches Denken zu ermöglichen?
            • Wie schaffen Sie einen festen Boden, der Gelassenheit ermöglicht?
            • Hat der vielfarbige Strauß ausgewählter Gedanken Sie erregt, weiter zu denken?

            Es wohnt dieser zweifachen Art zu denken (rechnend und be-sinnlich) ein Geheimnis inne: Der Sinn, der sich hinter dem technischen Denken verbirgt, vermag sichtbar zu werden.

            Denken mit Aussicht

            Das Eine im Anderen, das Andere im Einen, Beides oder keines von Beiden zu erkennen (Varga von Kibed), sei Denken mit Aussicht. Die Gelassenheit zu den Dingen und die Offenheit für das Geheimnis vermag in uns zu erwachen und zu einer neuen Grundlage führen (Martin Heidegger). Diese Gelassenheit eröffnet sich, so wir uns unseres vorhandenen Nährbodens besinnen.

            Johannes Peter Hebel schreibt:

            „Wir sind Pflanzen, die – wir mögen´s uns gerne

            gestehen oder nicht – mit den Wurzeln aus der Erde

            steigen müssen, um im Äther blühen und Früchte tragen zu können.“

             

             

             

             

             

             

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            Persönlichkeit

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            Dialog, um gemeinsam zu denken

            Dialog, miteinander Denken, um sich im Gespräch zu begegnen und gemeinsames Verstehen zu fördern. Es ist mehr als nur Informationsvermittlung.

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