Positiv Leben

von | Aug 7, 2020 | Persönlichkeit

„Wo Licht ist, sei auch Schatten,“ verkündet eine Volksweisheit.  Positiv zu leben bedeute, dass der positive eingestellte Mensch, um seine Unvollkommenheit weiß. Er verschließt sich nicht in einer Welt der rosaroten Illusionen. Der positiv eingestellte Mensch verfügt über Lebenswissen, Lebensweisheit und vertseht, festgefahrene Muster zu lockern. So meistert er die Tiefen und Höhen des Lebens und weiß, Unveränderbares zu ertrage; denn Geduld erreicht alles.

Das Leben gleicht einer Achterbahn

Wem der Schwung beim hinab im Leben fehlt, schrieb der Psychologe Corssen, schnauft mehr beim Gegenanstieg oder kommt gar nicht mehr hoch. Und mancher Menschen der zu schwungvoll die Lebenssituation angegangen ist, schoß über das Ziel hinaus. Ihm fehlte Weitsicht und Zusammenhänge und Wirkweisen des jeweiligen Systems zu bedenken.

  • Was zeichnet Menschen aus, die gestärkt aus den Tiefen wieder aufstiegen?
  • Haben Sie auch das im Blick, was nach der Zielerreichung dran ist?

Krisen

Krisen können uns als Individuum, als Gruppe, Gesellschaft oder Welt betreffen. Krise bedeutet meist eine Zeit, die von Ängsten und Sorgen dominiert wird. Weitere Begleitphänomene sind oft Trauer, Verlust und Schmerz. Menschen fühlen sich in der Handlungsfähig eingeschränkt. Ihr seelisches oder körperliches Gleichgewicht ist gestört.

  • Wieso konstruieren Menschen überwiegend, was ihnen nicht gut tut, und weniger das, was ihnen gut tut?

Stark aus einer Krise kommen

Dr. Mangelsdorf fand Antworten, wann und wie Krisen zu einer psychischen Stärkung führen können. Wachstum kann aus Leid hervorgehen, das geschieht aber nicht zwangsläufig. Bis zu zwei Drittel der Menschen, die stark krisenhafte Momente durchlebten, berichten danach von so etwas wie posttraumatischem Wachstum, also dem Erleben, durch die Bewältigung von herausfordernden Erfahrungen gewachsen zu sein. In der Forschung wurden drei Aspekte identifiziert:

I) Die Anwesenheit positiver Emotionen,

und zwar auch in schwierigen und kritischen Phasen. Neue Ideen, neues Handeln und andere Handlungsfähigkeit entstehen grundsätzlich immer dann, wenn wir mindestens Momente von Interesse, Gelassenheit, Freundlichkeit oder sonstige Aspekte von Positivität erleben.

II) Unterstützende soziale Beziehungen

Wenn Menschen  gemeinsam mit anderen durch eine schwierige Zeit in tiefer Verbundenheit gehen, in Gesprächen sich austauschen können, erhöht das die  psychische Erholung und Reifung ganz rapide.

III) Der Sinn

Jede Erfahrung, egal ob positiver oder negativer Natur, die das Leben erschüttert, bleibt so lange ein offener Aspekt des personalen Lebens, bis sich ein Sinn findet. In einer britischen Studie haben 91 Prozent der Befragten berichtet, dass sie das Leben nach einem schwerer Ereignis anders weiterführen möchten als davor. Die Antwort darauf zu finden, was anders werden soll, verleiht dem Durchlittenen rückwirkend Sinn.

Folgen einer Krise

Menschen fallen oftmals wieder auf das Niveau vor der Krise zurück (=bounce back). Andererseits können Menschen, die durch eine sehr schwierige Zeit gegangen sind und neue Bewältigungsstrategien (s.o.) durch ein krisenhaftes Erleben gelernt haben, gestärkt aus der Krise hervorgehen (=bounce forward).

  • Wie können Sie eine Umgebung schaffen, die Sie eher stärkt?

Sinn

Menschen, die einen Sinn in ihrem Leben sehen, kommen leichter durch Krisen (s.o.). Der Sinn liefert den Grund, der unser Handeln stabilisiert. Einen Grund für das Handeln zu haben, führt den Menschen grundsätzlich zu einem zufriedeneren und glücklicheren Leben.

Sinnentleertes Leben scheint irgendwann einmal sinnlos und leer. Diese Menschen haben ihrem Leben keine selbstverantwortete Orientierung gegeben. Die Folge ist, das Leben scheint wenig lohnenswert. Das ist zum Beispiel ein Leben im Außen, das überwiegend mit dem Streben nach Geld, Einfluss, Anerkennung etc. ausgefüllt ist.

Sinn, der sich aus Erlebnis-, Einstellungs – und schöpferischen Werten speist und sich in aktiven Taten zeigt, erfüllt. Ein positiver Mensch erlebt eher das Gute, das Wahre und das Schöne. Diesen Sinn gibt es bis zum Ende, weil auch der Schmerz noch eine Sinnmöglichkeit bietet,  schreibt Viktor Frankl.

Positiv zu leben, heißt auch, zu wissen, worauf es im Leben ankommt.

Salutogenese

Antonowsky hat in den 1980igern lang vor dem Resilienzhype den Zusammenhang von Resilienzverhalten untersucht. Aus seinen Untersuchungen ergab sich, dass Menschen Druck eher aushielten, wenn folgende  Phänomene gegeben waren:

Die ‚kohärenten‘ Menschen hatten

  1. eine Ausrichtung,
  2. das Gefühl, das Angestrebte händeln zu können
  3. und einen Grund für ihr Tun.

Versuchen Sie sich die folgenden Fragen zu beantworten:

  • Folgen Sie einer Ausrichtung bei ihren Tätigkeiten?
  • Glauben Sie das Gewollte auch tatsächlich bewirken zu können?
  • Was ist der Grund für Ihr Tun? Folgt ihrem Handeln ein Sinn?

Resilienz und Antifragilität

Bemerkenswert sind Ergebnisse der Untersuchungen mit resilienten Menschen, dass diese zwar oft unbeschadet durch Krisen gehen, aber diesen Menschen häufig der oben beschriebene Lerneffekt durch die Krise fehlt. Nassim Taleb meint, dass der lebensweise Mensch auch an der Unsicherheit und der „Unordnung“ wachsen kann. Er nennt das antifragile Kompetenz. Diese Handlungsmöglichkeiten beschränken sich nicht nur auf die Widerstandsfähigkeit, der Mensch erweitert seine Möglichkeiten durch die Unsicherheit. Er wird agil.

Spannungsfelder

Nicht wenige Menschen erfahren sich in einem Zustand einander widersprechender Forderungen. Menschen fühlen sich von diesen inneren und äußeren Erwartungen hin- und hergerissen (manche zerrissen). Solche Spannungsfelder entstehen zwischen dem Beruf und der Beziehungen, zwischen Vorstellung und Wirklichkeit, zwischen Wollen und Müssen, zwischen Sollen und Können.

Folgt keine Orientierung aus der Mitte, tun diese Menschen wahllos das eine oder das andere ohne zureichende Begründung (Sinn). Sie leben an der Peripherie und nicht aus der Mitte und so haben diese Menschen auch kaum Kraft, sich dem Außen zu stellen und aktiv entgegenzustellen.

Erfolg-Haben-Müssen

Das Erfolg-Haben-Müssen wird zur fixen Idee, um über die innere Leere fortzutäuschen. Die Widerstandskraft degeneriert zum Selbstzweck und wird eher als Flucht oder Kompensation im Außen wahrgenommen, weil die sinngebend Mitte als Rückgrat fehlt.  Ein positiv lebender Mensch weiß um diese Ambiguität. Er folgt einem Weg, der zur Mitte führt und übt diesen.

„….schon ein paar Minuten der Meditation oder Innenschau, sei es auch nur einmal pro Woche, beeinflussen Ihre Hirnwellen und damit Ihre Erfahrungen im Leben. Viele Menschen glauben, sie müssten eine Stunde pro Tag aufwenden, um einen Nutzen aus der Meditation oder Entspannung ziehen zu können.“

Werte

Der Mensch, der positiv lebt, orientiert sich an Werten. Werte sind Qualitäten, die Dingen, Gedanken, Beziehungen von Einzelnen und auch Gruppen zugeschrieben sind. Diese Werte geben seinem Leben, seine Kraft und Orientierung.

Das Zuviel eines Wertes

Der positive Mensch weiß auch um das Zuviel eines Wertes. Nur im Oszillieren mit der positiven Gegentugend (Wert) unterstützen Werte ein positives Leben zu leben. Schulz von Thun nennt das Beispiel der Sparsamkeit. Diese verkommt zu Geiz bei Übertreibung. Die Gegentugend Großzügigkeit vermag gegen zu wirken. Auch diese verkommt im Extrem zur Verschwendungssucht. Das Modell schärft den Blick, dass in jedem eine nützliche Eigenschaft schlummert.

Tugend

Grundsätzlich werden Tugenden positiv betrachtet. Ein tugendhafter Mensch macht sich das Gute gleichsam zur Natur.  Zu den sekundären Tugenden zählen zum Beispiel Sauberkeit, Disziplin, Fleiß, Pünktlichkeit, Höflichkeit, Treue und Gehorsam. Rupert Lay wies in seinem Buch Weisheit für Unweise darauf hin, dass diese Tugenden nur durch das Regulativ der primären Tugenden wie Zivilcourage, Konfliktfähigkeit und Epikie nicht mißbraucht werden können.

„Mit Disziplin betreiben Menschen auch ein Gefängis betreiben“, meinte 1982 Oskar Lafontaines.

Ein positiv lebender Mensch weiß um den Einfluss von Spannung und Entspannung innerhalb tugendhaften Lebens. Er versucht die körperlich-seelischer Ansapnnung zu reduzieren und einen Zustand körperlich-seelischer Entspannung, in der Gegenwart, mit Blick auf die Vergangenheit und Zukunft anzustreben.

Umkehrung

Positiv Leben bedeutet umkehren zu können. Umkehrungen sind das zentrale Thema in tiefenpsychologischen (dynamisierten) Prozessen oder religiösen Wegen. Sie sind ein Weg, loslassen zu lernen. „Wenn der Verstand den Dingen nicht verhaftet ist, die Seele selbst-beherrscht ist und frei von Verlangen, dann erlangt ein Mensch durch Entsagung die höchste Vollkommenheit des naishkarmya,“ XVIII 49 Bhagavadgita, Sri Aurobindo.

Die Umkehrungen sind Ihr Rezept zum glücklichen Leben. Nehmen Sie diese Arznei, die Welt begrüßt und öffnet sich Menschen, die zufrieden leben. 

Demut

Ein positiv lebender Mensch weiß, dass er in der existenziellen Wahrrheit seines Lebens verwurzelt ist: Er erkennt an, dass er von einem Alles geschaffen ist und nicht kraft eigener Leistung. Demut ist die Frucht eines Läuterungsprozesses. Der demütige Mensch erkennt, wann er den Mitmenschen mit einer realistischen Selbsteinschätzung zu begegnen hat, wo er sich weder überschätzt noch auf ungesunde Weise abwertet.

Zusammenschau

Die bunt gewürfelten Gedanken sind beliebig aus einem großen Strauß zum Thema positiv zu leben und zu denken ausgewählt. Es sei ein Anfang, der auch im Zusammenspiel mit meinen anderen Blogs gelesen werden kann. Der spirituelle Rahmen, der alles trägt, wurde nur gestreift. Doch gerade für Menschen in schwierigen Zeiten bewährte sich „Trotzdem Ja zum Leben sagen“ (Viktor Frankl).

Mit einer Klarheit über die Schwierigkeiten, hört der Schmerz auf, weil wir eine deutliche Vorstellung bilden, was statt dessen sein soll, sagt Spinoza in seiner Ethik. Und positive lebende Menschen glauben daran!

Fragen zur Krisenbewältigung

Erinnern Sie Krisen die Sie gut bewältigt haben. Was war Ihr Lösungskonzept?

  • Üben Sie sozialen Austausch? Menschen sind soziale Tiere (s.o.). Tauschen Sie sich lebhaft und oft aus. 
  • Notieren Sie Glücksmomente in Ihrem bisherigen und gegenwärtigen Leben? Selbst in dunkelsten Zeiten des Lebens leuchtet ein kleines Licht (Solschenizyn).
  • Wie sieht die rationale Sicht des  Themas aus?
  • was wäre eine humorvolle Betrachtung?
  • Wenn Sie in dieser Situation ihrer Freundin oder ihrem Freund einen Rat geben, wie lautet dieser?
  • Welche Umgebung, welche Menschen strahlen Positives aus?
  • Bringen Sie Bewegung in ihr Leben. Wie? Das wissen Sie selbst am Besten, weil Sie sich allein am besten kennen!

Vertrauen

Glauben-können und Vertrauen sind zwei der vielen Voraussetzungen für ein gelingendes Leben. Menschsein spielt sich im Begegnen mit dem Anderen ab. Der Mensch ist auf Zuwendung hin ausgerichtet, schreibt Joachim Bauer. Sich auf die Begegnungen einlassen zu können,...

Sprache, die überwältigt

Die Überredungskünstler mögen viele Siege erringen, doch verlieren Sie nahezu jeden „Krieg“. Faust meinte: „Wenn du`s nicht fühlst, wirst du es nicht erjagen!“ Emotionale Sprache  Nach Ridderstrale und Nordström, Stockholmer Professoren, gibt es vier grundlegende...

Resilienz und Antifragilität

Die Welt erscheint zunehmend unkalkulierbar und von unvorhersehbaren Phänomenen bestimmt. Individuen, Gesellschaften und Institutionen werden durchgewürfelt. Sicherheiten sind in komplexen, globalen und digitalen Welt höchst fluid.

Mut ist ein Schlüsselfaktor

Ohne Mut, können Sie nicht aktiv kommunizieren und spontan agieren. Ein selbstverantwortetes, moralisches und sittliches Leben ist nicht möglich. Erst Haltung, Austrahlung, klare Ansagen jenseits irgendwelcher biedermeierischem Gedankenfurze in sozialen Medien...

Überzeugen

Überzeugen bedeute...... Überzeugungen meint (oft unbewusste) übernommene, gelernte, persönliche Erfahrungen, gewachsene Werte, Ziele, Prinzipien. Überzeugungen haben etwas Kognitives (=auf Erkenntnis beruhend). Sie verfolgen bestimmte Wünsche, Interessen und...

Kommunikativ spielen

Ich begegne vielen Menschen, die viel reden. Sie reden stilistisch und gramatikalisch einwandfrei. Doch sie erreichen mich nicht. Ich höre und fühle nichts. Ziel der Zeilen ist, eine Sprache der emotionalen Zuversicht zu üben, die dynamische Kooperationen und...

Charisma

Charisma eine Magie, die andere mitreißt?  Definition: Charisma Charisma sei keine angeborene Gabe, die eine Person entweder besitzt oder eben nicht. Charisma ist kein Persönlichkeitsmerkmal, sondern eine Eigenschaft. Charisma wird Menschen wie Charaktereigenschaften,...

Selbstwert

„Die Selbstachtung ist wichtiger als jegliche von außen kommende Anerkennung.“ Selbstwertschätzung Was ist Selbstwertschätzung? Der Begriff ist vielfältig. Es ist das Ausmaß, wie ein Mensch sich selbst einschätzt bzw. wertschätzt. Im Alltag werden zahlreiche Begriffe...

Erfolg und Persönlichkeit

Erfolg streben viele Menschen an. Fragen Sie verschiedene Menschen, werden sehr unterschiedliche und individuelle Antworten genannt.  Was ist Erfolg und welche Phänomene und Eigenschaften zeichnen eine erfolgreiche Persönlichkeit für Sie aus? Braucht ein erfolgreicher...

Zuhören

„Das aufmerksame Zuhören ist ebenso wichtig wie das klare und verständliche Reden,“ meint Carl Rogers.   Höre ist das Leitwort  der Regeln von Benedikt als Vorsteher eines Klosters im 6. Jahrhundert.  Heute scheint die Besinnung auf den Tipp Benedikts zuzuhören,...

Mehr erfahren

Telefon

+49 (0)89 76 39 70
+49 (0)175 567 96 85

E-Mail

schneider@bs-akademie.de

Addresse

Lindwurmstr. 129b
80337 München

Seminare

Die Seminarräume befinden sich zentral in München.